Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2001-6

Jahresbericht des vorsitzers für 1986

Auch das jahr 1986 hat den «durchbruch» erwartungsgemäss nicht gebracht, aber sowohl national als auch international sind wichtige teilziele erreicht worden.

Allgemein

Programmgemäss trafen sich wissenschafter aus allen deutschsprachigen staaten zu gesprächen, und zwar vom 3. bis zum 7. juni 1986 in Mannheim. Diesmal wurde der BVR nicht nur durch den schreibenden vertreten, sondern auch durch das vorstandsmitglied Peter Anliker. Tema der tagung war die interpunktion, wobei die grundsätze und die gliederung eines regelvorschlags ausgearbeitet wurden. Zum glück einigte man sich darauf, die abfolge der gespräche etwas zu beschleunigen, was in anbetracht der abnehmenden brisanz der temen kein problem sein sollte. Das nächste treffen soll im herbst 1987 in Zürich stattfinden und sich mit der getrennt- und zusammenschreibung sowie mit den grundsätzen der fremdwortschreibung befassen.

Neben den (rein fachbezogenen) wissenschaftergesprächen kommt auch die politische diskussion langsam ins rollen. Einmal mehr ergriff Österreich die initiative und lud beamte aus allen deutschsprachigen ländern nach Wien ein. Das treffen fand im dezember 1986 statt; über einzelheiten wird später zu berichten sein.

Auch in der Schweiz sind wir im berichtsjahr einen schritt weitergekommen. Schon lange — auch schon zu zeiten des vom eidgenössischen departement des innern eingesetzten «vorberatenden ausschusses für fragen der rechtschreibreform» — setzte sich der BVR dafür ein, dass eine breiter abgestützte und handlungsfähige ortografiekommission eingesetzt werde. Das ist nun auf die veranlassung der konferenz der kantonalen erziehungsdirektoren (edk) hin geschehen. Mit der leitung wurde prof. Horst Sitta, Zürich, betraut. Der BVR ist in der kommission nicht vertreten. Das ist einerseits zu bedauern, ist es doch sinn und zweck von kommissionen, vertreter möglichst aller interessengruppen an einen tisch zu bringen. Auf der anderen seite spricht alles dafür, dass das gremium seriöse arbeit leisten wird und dass unsere abwesenheit taktisch von vorteil ist. In zukunft soll immerhin der schreibende als beobachter zu den sitzungen eingeladen werden. Einmal hat die kommission bereits getagt; das zweite mal trifft sie sich im februar 1987.

Von der gründung der kommission war — soweit wir feststellen konnten — in der presse bisher gar nichts zu lesen. Einerseits ist das schade, weil wir als vereinigung auf erfolgsmeldungen angewiesen sind, anderseits ist es im interesse der sache wichtig, dass nicht unnötige widerstände herausgefordert werden.

BVR

Die jahresversammlung des BVR fand am 18. januar in Zürich statt. Die herren Thomas Perrez und Thomas W. Zimmermann wurden neu in den vorstand gewählt. Dieser traf sich zweimal, nämlich am 28. juni und am 22. november.

Der geschäftsführer, Walter Neuburger, besorgte zusammen mit seinen helfern den versand von 12 765 werbe- und informationsschriften. Schwerpunkte der informationstätigkeit lagen in den kantonen Thurgau, Aargau und Luzern sowie bei den teilnehmern von lehrerfortbildungskursen. Auch mit — leider nicht billigen — inseraten machte der BVR auf seine bestrebungen aufmerksam.

Die Rechtschreibung (schriftleitung: René Schild) erschien wie immer drei mal. In nummer 138 erschienen ein nachruf auf professor Louis Wiesmann, ein beitrag von Arthur Baur zu einer ortografiereform im griechischen, der abdruck eines artikels von Wolfgang Mentrup sowie eine literaturübersicht. Nummer 139 befasste sich mit der tagung in Mannheim, der neuen duden-ausgabe und mit dem buch «Graphische Elemente der geschriebenen Sprache» von Peter Gallmann. Nummer 140 enthielt unter anderem den abdruck zweier interviews sowie eine debatte im «Sprachspiegel».

Bei der mitgliederzahl ist eine leichte abnahme festzustellen; sie betrug ende jahr 1406. Zugenommen hat dagegen wiederum die zahl der «lebenslänglichen» mitglieder; sie beträgt jetzt 201.

Wir bedauern den hinschied der folgenden mitglieder: Silvia Benz, Wallisellen, Karl Jaggi, Emmenbrücke, Ludwig Knupfer, Chur, dr. Werner Ninck, Blankenburg, Armin Redmann, Zürich, Jakob Wüst, Biel.

Im langjährigen bemühen, unseren verdienten geschäftsführer und kassier Walter Neuburger zu entlasten, ist ein erster erfolg zu vermelden. Das amt des kassiers konnte einer versierten nachfolgerin übergeben werden: frau Erna Köchli, Bonstetten. Sie wird der jahresversammlung 1987 zur wahl in den vorstand vorgeschlagen.

Mit dem übergang des kassieramtes wurde auch damit begonnen, die mitgliederverwaltung auf einen computer zu übertragen. Dieser soll laut einem vorstandsbeschluss in kürze in das eigentum des BVR übergehen.

Ich danke allen mitgliedern, dem vorstand sowie verschiedenen ungenannten helfern für die gute zusammenarbeit.

Zürich, 24. januar 1987

Der vorsitzer: Rolf Landolt