Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)buchpublikationen → Fon der Schreibung des Ungehörten

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autor

Klopstock, Friedrich Gottlieb


titel

Fon der Schreibung des Ungehörten.

untertitel

Achtes Fragment.


reihe

Ueber Sprache und Dichtkunſt. Fragmente fon Klopſtock; Erſte Fortsezung.

band

8

verlag

Heroldſche Buchhandlung

ort

Hamburg

datum

1779


kopie

www.archive.org/details/ueberspracheund00klopgoog


seite 1

seite 1


Aus dem inhalt

In Blumenſtükken wärden Blumen, und weiter nichz gemalt. Dem Künſtler fils ſelber nicht im Traum ein di Gerüche mitmalen zu wollen.

Und gleichwol ſinds gemalte Gerüche, was där fon der Ortografi fordert, där auch das Ungehörte geſchriben ſen wil.

(Ich glaubte ſchon genung hirfon geſsagt zu haben; aber di Erfarung überzeugt mich, daß ich irte.)

Der Schreibende ſol alſo deütlicher, als der Redende ſein. Denn nur hirauf kan ſich di ſonderbare Forderung gründen.

Aber warum denn deütlicher? Etwa deswägen, weil, wär liſt, ſo oft är wil, zurükläſen kan; der Hörende hingegen nur ſer ſelten fragen darf? Man ſtelle ſich eine nur mäſſig gute Geſelſchaft for, und Jemanden darin, där geſagt hette: "Da ſi du zu, wi du ſi dafon überzeügſt." und dan einen, där hir fragte: "Welches fon den beiden ſi iſt das Zeitwort, und welches das Fürwort?" wi da di Andern den Frager mit Spot oder Mitleiden anſen würden. Und gleichwol iſt es nur etwas, das man fon däm, där ſchreibt, beantwortet haben wil.

Allein auch in däm Falle, daß es dadurch, daß Zurechtweiſung dabei dabei nötig zu ſein ſchine, wichtiger were, könte doch fon dem Schreibenden nicht mer Deütlichkeit, als fon dem Redenden ferlangt wärden. Denn der Läſende müſte ja ſo gar zufriden ſein, wen man ſich im noch weniger deütlich, als dem Hörenden machte, weil är ſich dadurch helfen kan, daß är noch Einmal liſt, was är nicht gleich ferſtanden hat.

[…]

Fileicht het ich di groſſen Buchſtaben nicht beibehalten ſollen. Es iſt dis einer fon dänen Punkten, bei welchen ich one Weiteres der Merheit der Stimmen folgen wärde.

Ich habe di Gründe, welche mir ferbiten auch das Ungehörte zu ſchreiben, angefürt. Man unterſuche ſi; nur laſſe man den kurzdaurenden Eindruk, där durch den Anblik des Ungewönlichen entſtet, keinen Gegengrund ſein.

Ueberhaupt iſt mir wider di Ortografi, di ich forſchlage, noch kein Einwurf gemacht worden, dän ich nicht in der Ferne kommen geſen, und in dahär nicht, wenigſtens mit einem Winke der Zurechtweiſung, zurük zu halten geſucht hette.

Wär mir ferner Einwürfe machen wil, där wird nicht übel tun, wen är ſich di forgeſchlagne Ortografi, als eingefürt, und zugleich di Aufname desjenigen forſtelt, welcher dan di jezige einfüren wolte. Dis könte, mich deücht, machen, daß ir Ungegründetes deſto ſichtlicher in di Augen file.


Rolf Landolt, 2010-3-11