Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 6. 1. 2016

Aus presse und internet

31. 12. 2005

: Stimmungsbericht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 305, s. 1, Politik
Der Sinn von Reformen ist es, zu vereinfachen, wenn nötig radikal. Die Reformen, die Deutschland in den vergangenen Jahren erlebt hat, haben das Gegenteil zum Resultat gehabt. Sie haben die Systeme, die sie retten wollten, komplizierter, unübersichtlicher, unkalkulierbar gemacht. Über kurz oder lang sind die angestrebten Einsparungen aufgefressen von dem Bemühen, es trotzdem allen recht zu machen. Was natürlich dazu führt, daß sich schließlich alle benachteiligt fühlen. Hätte man rechtzeitig erkannt, daß die Reform der Rechtschreibung nur der Probelauf war für unnötige Veränderungen mit beispielloser Inanspruchnahme der Öffentlichkeit und hohen Kosten, man hätte ein "Wehret den Anfängen" ausrufen müssen. Das Ergebnis ist mager, wie jeder Leser feststellen kann, der noch die alte Rechtschreibung beherrscht. Das meiste fällt nicht auf, hätte also durch Einzel­regelungen eingeführt werden können, und was auffällt, ist meist widersinnig.

30. 12. 2005

: Alles, was wir lesen mußten. Kleine Skandale und eine Handvoll ausgezeichneter Bücher. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 304, Chronik 2005, s. C10
1. August: Die Rechtschreibreform tritt als Torso in Kraft. Die Kultusminister, die in jahre­langer Borniertheit ihr gesamtes Ansehen verspielt haben, sind wortbrüchig: Von der versprochenen verbindlichen Regelung kann keine Rede sein. Der Rat für Recht­schreibung widersteht dem Druck der Politik und arbeitet beharrlich weiter an der Reform der Reform.
: Kampf um Löwezahn und Pfannenkuchen. Frankfurter Rundschau, , nr. 304, 61. jg., s. 1 (425 wörter)
In den Niederlanden tobt ein Streit um die Rechtschreibreform, die im August in Kraft treten soll und nach Meinung vieler "der Sprache die Frische raubt". Das "n" ist den Niederländern in den vergangenen Wochen ein Gräuel geworden so wie den Deutschen das dritte "f" in Schifffahrt. Denn über das Land der "pannenkoeken" und der "paardebloemen" (Löwenzahn) ist eine Rechtschreib­reform herein­gebrochen, die den Pfanne(n)kuchen das Plural-N rauben und es dafür beim Löwe(n)zahn einführen will. […] Die drei wichtigsten nieder­ländischen Tages­zeitungen, Wochen­magazine und sogar Rundfunk­sender kündigten Widerstand an. Die Vor­schriften seien absurd und inkonsequent und machten die Sprache von 22 Millionen Menschen undeutlich und hässlich, ließen sie wissen.

27. 12. 2005

: Ein leichter Beigeschmack von Blut. Krieg der Sterne in Moskau: Wenn Russen essen gehen, triumphiert vor kinokulissentauglichem Restaurant-Interieur wieder die Tradition. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 301, s. 27, Feuilleton
Im rund um die Uhr geöffneten Erdgeschoß wählt man aus dem in vor­revolutionärer Ortho­graphie gedruckten "Gastronomischen Boten" marinierte Pilze, Elch-Aspik oder Kaviar als beste Unterlage zum jahres­zeitlich nahezu obligatorischen Wodka.

22. 12. 2005

: Das Fundament. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 298, s. 6, Briefe an die Herausgeber
Nach den Diskussionen um Farbfotos und die Veränderung in der Fraktur­schrift folgt nun der Dammbruch: die schreiend rote Farbe, schon auf der ersten Seite, beleidigt das Auge, wirkt abstoßend und billig. […] Sollten Sie auch noch das Bei­behalten der alten Recht­schreibung aufgeben, dann landen Sie endgültig im Keller der Profil- und Bedeutungs­losigkeit […].
: Rechtzeitig gegensteuern. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 298, s. 6, Briefe an die Herausgeber
Was soll dieser rote Schnickschnack? […] Ich bitte Sie daher: Kehren Sie zurück zum bewährten Erscheinungs­bild der F.A.Z., so wie Sie zur bewährten Recht­schreibung zurückgekehrt sind!

21. 12. 2005

: Mehr als Detailprobleme. Der "Änderungsumfang" steht weitgehend fest, doch auch die Vorschläge zur Reform der Rechtschreibreform weisen viele Unstimmigkeiten auf. Frankfurter Rundschau, , Feuilleton (1205 wörter)
Falls die Vorschläge des Rechtschreibrats von den Kultusministern akzeptiert werden, womit zu rechnen ist, wird sich die amtliche Rechtschreibung in gewissem Maße der herkömmlichen annähern. Diese bleibt jedoch auch der ein weiteres Mal reformierten Reform­schreibung überlegen. Wer bisher an der gewöhnlichen Ortho­graphie festgehalten hat, darf sich bestätigt sehen.

20. 12. 2005

: Rechtschreibrat: Crêpe bleibt Krepp. Forscher kritisieren Reformvorschläge. Merkur Online, , Politik (300 wörter)
Die jüngsten Verbesserungsvorschläge des Rats für deutsche Rechtschreibung gehen der Berliner Forschungsgruppe Deutsche Sprache (FDS) bislang nicht weit genug. Sie plädiert dafür, sich noch mehr der alten Recht­schreibung anzunähern. Die "herkömmliche Ortho­graphie" bleibe auch der "ein weiteres Mal reformierten Reform­schreibung" klar überlegen, bemängelt die Forschungs­gruppe.

14. 12. 2005

: Sie reformieren immer noch. die tageszeitung, taz Nord, , nr. 7845, s. 27, Hintergrund (327 wörter)
Der größte Schritt der Reform-Reformer ist allerdings struktureller Natur: Man wagt ansatzweise demokratische Elemente ins Verfahren zu integrieren. So wird Interessen­vertretern in besonderem Maße Betroffener ein rudimentäres Mitsprache­recht eingeräumt: Bundes­elternrat, Bundes­schülerrat und die Verwaltung dürfen sich äußern.
: Ein Leben für die Orthographie. die tageszeitung, taz Nord, , nr. 7845, s. 27, Hintergrund (1006 wörter)
Seit acht Jahren kämpft die Oldenburger Schülerin Josephine Ahrens, 16, gegen die Rechtschreib­reform. Kürzlich errang sie einen Etappen­sieg vor Gericht - und fürchtet doch, dass die landes­weit verbindliche Entscheidung ausgesessen wird. […] Josephine folgt einem Motto ihrer Lieblingsband: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es ist nur deine Schuld, dass sie so bleibt", singen die Ärzte auf einer ihrer Platten.

So ein zufall — diesem motto folgen auch wir reformer! Und weiter singen «Die ärzte»: «Glaub keinem, der dir sagt, dass du nichts verändern kannst. Die, die das behaupten, haben nur vor veränderung angst. Es sind dieselben, die erklären, es sei gut so, wie es ist.»

12. 12. 2005

: Autoren-Sprecher: "Schüler und Eltern sind in Geiselhaft". Die Presse, , Politik, Österreich (561 wörter)
Gerhard Ruiss: Der Rechtschreibrat überarbeitet die Rechtschreibreform von 1996 grundlegend. Man könnte sagen, bis auf die ss-Regelung wird wahr­scheinlich alles revidiert. […] Die Schüler sind, gelinde gesagt, in einer Art Geiselhaft. Und mit ihnen die Eltern, weil Reform­umtriebige 1996 in Richtung Stecken­pferd gemeint haben: Das wäre doch gut, es so zu machen. Es ist überhaupt nie in größerem Zusammen­hang überlegt worden.

9. 12. 2005

: Lesefreundlicher. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 287, s. 9, Briefe an die Herausgeber
Mit Freude bemerke ich die neue Gestaltung der F.A.Z. […] Diese Typographie versöhnt mich sogar (fast) mit dem falschen "s" in der Fraktur und mit Ihrem Kampf gegen die neue Recht­schreibung.

3. 12. 2005

: Hofnarr im Tollhaus. Matthias Deutschmann im Teufelhof-Theater. Basler Zeitung, , s. 3, Kultur
Oder über die Rechtschreibreform: Man muss Renaissance jetzt so schreiben, als hätte sie nie stattgefunden.
: Dauerhaft beenden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 282, s. 8, Briefe an die Herausgeber (167 wörter)
Die einfachste Lösung der ohne Veranlassung problematisierten Rechtschreibung besteht darin, zum status quo ante zurückzukehren, und zwar bis zu jenem Ausgangspunkt, wo durch die unbemerkt gebliebene Hintertür die inkonsequent eingeführte ph=f-Schreibung durchschlüpfte.

12. 2005

: Und immer wieder: die neue Rechtschreibung... Sprachspiegel, , 61. jg., nr. 6, s. 191, Chronik (316 wörter)
Derweil ist der prinzipielle Widerstand gegen die Rechtschreib­reform noch keineswegs erlahmt und treibt manchmal recht krause Blüten. So hat sich zum Beispiel in der «Deutschen Sprachwelt» ein Mainzer Studienrat und Alt­philologe zur dramatischen Äusserung verstiegen: «Wir gestehen durch die Rechtschreib­reform ein, dass wir uns von unserem nationalen geistigen Erbe loskoppeln.»
: Rechtschreib-Varianten neu auch im Französischen. Sprachspiegel, , 61. jg., nr. 6, s. 192, Chronik (78 wörter)
Die Académie française im Verein mit den entsprechenden Instanzen hat relativ bescheidene Änderungen der französischen Rechtschreibung vorgeschlagen. Sie betreffen vor allem die Verwendung des Binde­strichs und einige besondere Fälle der Akzent­setzung, der Doppel­konsonanz und des Plurals.
(): Briefkasten. Sprachspiegel, , 61. jg., nr. 6, s. 193 (266 wörter)
Frage: Welches ist die Intention oder der Grund der Gross­schreibung? Ich bin im Internet nicht fündig geworden. Antwort: […] Es ist mir seit 1984 noch ein Satz in Erinnerung geblieben: «Die deutsche Syntax ist am Geländer der Gross­schreibung empor­gewachsen.» Es ging darum, dass historisch zuerst die Gross­schreibung jener Wörter kam, die man hervor­heben wollte, dann eine zunehmende Reglementierung dieser gross zu schreibenden Wörter (der «Substantive» oder «Nomen»), damit einhergehend aber die freiere Stellung der Satz­glieder (der Syntax) innerhalb eines Satzes.

stellungnahme.

28. 11. 2005

: Halbherzig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 277, s. 10, Zeitgeschehen (181 wörter)
Solange der Rat für deutsche Rechtschreibung sich der Zweidrittelmehrheit der Reformbefürworter zu beugen hat, werden die grammatisch und phonetisch falschen Schreibweisen weiterbestehen. […] Wer im Rat das Sagen hat, zeigt sich daran, daß Zehetmair jetzt selbst darauf verweist, daß nicht "jedes Faß geöffnet" werden kann.

26. 11. 2005

: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Buchtipp der Appenzeller Bibliotheken. St. Galler Tagblatt, (398 wörter)
«Einfach Haar sträubend» versöhnt uns mit der Rechtschreibereform.
: Neue Regeln für die Schreibreform. Die Südostschweiz Graubünden, , nr. 277, s. 22, Kultur (286 wörter)
Der Rat für deutsche Rechtschreibung will die Gross- und Kleinschreibung ändern. Feststehende Begriffe wie «grosse Koalition», «erste Bundesliga» oder «grosse Kreisstadt» sollen künftig ebenfalls gross geschrieben werden. Damit verfolge der Rat weiter das Ziel, wieder mehr nach dem Sinn und nicht so stark nach einem Regel­werk zu schreiben.

Also, Grosse Koalition bedeutet: Koalition zwischen den grossen parteien. Und was bedeutet grosse Koalition? Es gibt keine andere, allgemeinere bedeutung. Deshalb ist die unterscheidungsschreibung überflüssig, deshalb gab es sie auch nicht im duden (bei der NZZ gab es sie früher).

: Neue Silbentrennung beschlossen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 276, s. 1, Politik (80 wörter)
Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am Freitag in Mannheim die geänderte Silbentrennung am Zeilen­ende und die über­arbeiteten Interpunktions­regeln beschlossen.
: Die Groß- und Kleinschreibung wird überarbeitet. Der Rat für Rechtschreibung beschließt veränderte Silbentrennung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 276, s. 2, Politik (735 wörter)
Die Groß- und Kleinschreibung geht zurück auf den österreichischen Amateurlinguisten Eugen Wüster und gilt unter den Kritikern der Neuregelung als umstritten, da sie viele grammatisch falsche Schreibweisen geschaffen hat. […] Es zeichnet sich eine Tendenz im Rechtschreib­rat ab, die "Große Koalition", die "Zweite Kammer" und die "Große Anfrage" als Spezial­begriffe wieder groß zu schreiben.

Die gross- und kleinschreibung geht gewiss auf Wüster zurück — etwa im gleichen mass wie auf Adelung. Die formulierung, dass "Große Koalition" und die "Zweite Kammer" wieder gross geschrieben werden sollen, zeigt, wo die amateure am werk sind.

: Schrittchen für Schrittchen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 276, s. 30, Sport
Es ist eines der hübschesten deutschen Wörter. Und eines der rätselhaftesten: das Quentchen; oder nach der neuen, nicht nach der bewährten Recht­schreibung: Quäntchen. […] Auf insgesamt zwölf Quentchen kam der Bundes­trainer bei seinem Vortrag.

25. 11. 2005

: Totale Unsicherheit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 275, s. 11, Briefe an die Herausgeber (86 wörter)
Ich hoffe nur, daß die Rechtschreibkommission(en) endlich zur Kenntnis nehmen, daß der Gebrauch von ß und ss über die Silben­trennung beziehungs­weise die Silben­grenzen zu entscheiden ist und nicht danach, ob der voraus­gehende Vokal lang oder kurz ist.

23. 11. 2005

: Reformons l’orthographe. Le Monde, , s. 23 (194 wörter)
L’orthographe française n’est plus un outil approprié à notre monde contemporain. […] La langue française a évolué. Il faut réformer cette orthographe d’épouvante. (...) Les résistances à cette réforme témoignent du refus bien connu du changement dans notre société française. Elles relèvent de fixations rigides à un passé idéalisé tout à fait révolu, qui, de plus, n’a sans doute jamais existé. Elles provoquent une multitude de conduites régressives dont les caprices électoraux récents et les violences des banlieues portent, entre autres, témoignage.

21. 11. 2005

: Spaziergänge durch die Sprache. Neue sprachkritische Beiträge von Hans Magnus Enzensberger und Dieter E. Zimmer. St. Galler Tagblatt,
Mehr argumentativen Aufwand und mehr Differenzierung, etwa in der Kritik an der Rechtschreibreform, betreibt Dieter E. Zimmer in «Sprache in Zeiten ihrer Unverbesserlichkeit».
: Ein Grundkurs im Schreiben. Horst Haider Munske lobt die Rechtschreibung. St. Galler Tagblatt, (634 wörter)
Wer versteht, woher die Wörter kommen, muss laut Munske gar nicht über alte oder neue Recht­schreibung nachdenken […].

Die mullahs der rechtschreibung wollen uns das nachdenken ersparen. Wir sind für die aufklärung.

19. 11. 2005

: Das Amt ist kein Egotrip. Was auf den künftigen Kulturstaatsminister wartet. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 270, s. 37, Feuilleton
Dabei hat Frau Weiss fraglos Erfolge vorzuweisen. […] Solcherlei Ent­schlossenheit freilich hätte man sich häufiger von der Kultur­beauftragten der Bundesregierung gewünscht. In der Debatte um die Rechtschreib­reform etwa, fürwahr eine Frage der deutschen Kultur, äußerte sie sich nur einmal zaghaft zugunsten der Reform­gegner, zog nach einem Rüffel des Kanzlers aber sogleich wieder den Kopf ein.
: Probates Mittel. Südkurier, , s. 17, Tipps und Trends, leserbrief (228 wörter)
Immer schon wurde getrennt: Ur-in-stinkt und An-al-pha-bet, und zwar an der Stelle, an der die Zeile eben gerade zu Ende war. […] Da war es schon immer dem guten oder humorigen Geschmack des Schreibers überlassen — und Papier ist eben geduldig. Aber der Bändel und die Schifffahrt gefallen mir so richtig, und da an Kaisers „Thron“ immer noch keiner zu rütteln wagt, könnten wir ja Thür und Thor auch wieder so schreiben! Ich will damit nur sagen, wie will­kürlich die ganze Recht­schreiberei ist. Eine total über­bewertete Sache, so lange ich denken kann.

17. 11. 2005

: Phonetisch falsch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 268, s. 8, Briefe an die Herausgeber (363 wörter)
Auch die Weigerung, die bisherige kk-Schreibung wieder verbindlich zu machen, bedeutet, auf einer Falsch­schreibung zu bestehen: Trenne ich zum Beispiel das Wort "Mücke" nach der neuen Regel, so entsteht "Mü-cke" (statt "Mük-ke"). Das heißt, der Vokal wird von einem kurzen zu einem langen um­funktioniert, was phonetisch falsch ist.

Da können wir nur la-chen.

16. 11. 2005

: Simsen, wie der Schnabel wächst. Tages-Anzeiger, , s. 38, Wissen
Wenn Jugendliche zum Handy greifen und virtuos mit dem Daumen auf die Tastatur hacken, kennt die Syntax längst keine Regeln mehr. Und neue oder alte Recht­schreibung — die ist den jungen Leuten sowieso egal.
: Schwer zu lesen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 267, s. 8, Briefe an die Herausgeber (264 wörter)
Es wäre auch im Hinblick auf die Zielsetzung der Rechtschreibreform viel gewonnen, wenn man die alte ss-Regelung wieder einführen würde. Leider wurde die alte ss-Regelung bisher unnötig kompliziert erklärt. […] Schließlich ist die alte Regelung lese­freundlicher.

15. 11. 2005

neu : Verblüffend einfach nachvollziehbare Anregungen. , , Kundenrezension
Nein, wir lernen unsere Recht­schreibung und Grammatik tatsächlich nicht primär durch Regel-„Einpauken“, sondern durch kontinuier­liches, von keiner Zeit­vorgabe bestimmtes Lesen und – nicht zu letzt – durch die Einfühlsam­keit der hierfür in Lohn und Brot stehenden Lehrer­schaft.

14. 11. 2005

: Gesamtstaatliche Verantwortung der Länder. Was die geplante Föderalismusreform für die deutsche Bildungspolitik bedeutet. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 265, s. 12, Zeitgeschehen
Ob die Länder allerdings willens und in der Lage sind, ihrer neuen gesamtstaatlichen Verantwortung in der Bildungspolitik gerecht zu werden, müssen sie erst noch unter Beweis stellen. Die größte Verantwortung kommt dabei auf die KMK zu. Sie hat beim Debakel um die Rechtschreib­reform und durch viele politische Patzer in der jüngsten Vergangen­heit viel Vertrauen verspielt.

13. 11. 2005

: Gesucht: Wer wird der Reformer des Jahres 2005? Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 45, s. 42, Wirtschaft
Fünf Kandidaten (zusammengestellt aus Vorschlägen der Leser und der Redaktion) präsentieren wir heute. Sie alle zeigen auf unterschiedlichen Feldern (Arbeitsmarkt, Steuersystem, Medien), daß mehr Eigenverantwortung sich auszahlt und daß Reformalternativen durchaus realisierbar sind. […] Mathias Döpfner. […] Unter seiner Führung kehrte Springer zur alten Recht­schreibung zurück und setzte ein Zeichen gegen die Bürokratisierung der Sprache.

11. 11. 2005

: Liebe alte F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 263, s. 9, Briefe an die Herausgeber (158 wörter)
Erste Anzeichen für herbstliche Ermüdungen im anstrengenden Kampf um die wahre Schreibung […]? Was muß ich lesen in der Samstag­ausgabe vom 29. Oktober […]? Da heißt es doch im Untertitel glatt: "[…] sogar in rauen (!) Mengen".

7. 11. 2005

: Verteidigung der schlichten Menschen. Büchner-Preis: Ehrungen für Kronauer & Sloterdijk. Der Tagesspiegel, , Kultur
Die Intellektuellen, so hat Peter Sloterdijk einmal gesagt, können als „gerüchteproduzierende Klasse“ zwar nicht die Menschheit verbessern, „wohl aber den Satzbau“. Die Darmstädter Akademie hat sich an diese Empfehlung in den vergangenen Jahren nicht gehalten. Mit intellektuellem Behauptungsstolz, geboren aus gekränktem Geltungs­drang, verstrickte man sich in kultur­pessimistische Abwehr­kämpfe gegen die Rechtschreib­reform und gegen eine durchweg als verderblich empfundene Mediengesellschaft.

4. 11. 2005

: Gemutlich. Darmstädter Echo, , Echo-Eck
So hat Donatella, die Wirtin des Stammlokals in Volterra, ihre Speisekarte ins Deutsche übersetzen lassen. Das entspricht dem „zeitgeist“ der Globalisierung und wir können, ohne groß italienische Sprach­kenntnisse vortäuschen zu müssen, bequem ein „Gerostetes Brot mit Knoiblauch“ (Crostoni) oder auch einfach „Oliven öl mit fescher Knobeauch und Gewurze“ (Futtante) bestellen. […] Selbst noch völlig von der Rechtschreib­reform in Deutschland verunsichert, loben wir Donatella ob ihrer Bemühungen zur Völker­verständigung – und schweigen.
: Das sogenannte Unstrittige. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 257, s. 11, Briefe an die Herausgeber (316 wörter)
Da mittlerweile auch in der Politik die Achtundsechziger abgetreten sind […], steht im Augenblick (aber wohl nicht sehr lange noch) das Zeitfenster für einige Berichtigungen offen, die vor dem Abschluß der RSR als "bisher übergangen" anzumahnen sind. Das betrifft den schon älteren "Sündenfall" in Gestalt des griechischen "Ph", dessen Schreibung als "F" sich heimlich still und leise verfestigt. Ist es im Gegensatz zu angelsächsischen Kindern von deutschen Schülern zuviel verlangt, sich der griechischen Wurzeln im Begriff "Telephon" ("tele" = fern, fernhin, "phonein" = rufen) bewußt zu sein? […] Und was soll der "Geograf"? Was hat der Erdkundler mit einer Adelsstufe gemein?

Sehr viel, beide sind schreiber. Das beispiel zeigt, wie gewisse zeitungen die leserbriefe auswählen: tendenz vor sachlicher richtigkeit.

: Merkwürdiges im Rechtschreib-Streit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 257, s. 11, Briefe an die Herausgeber (264 wörter)
Im Rechtschreib-Streit beim Niedersächsischen Oberverwaltungs­gericht Lüneburg errang die Schülerin Josephine Ahrens (F.A.Z.-Feuilleton vom 14. Oktober) einen Sieg mit Schreibfehlern, wie der Leitsatz des Oberverwaltungsgerichts-Beschlusses vom 13. September dieses Jahres zeigt: “Herkömmliche Schreibweisen dürfen im Schul­unterricht solange nicht als ‚falsch’ bezeichnet werden, wie sich reformierte Schreibweisen nicht allgemein durch­gesetzt haben.” Hier hätte es (reformunabhängig) “so lange” heißen müssen (Rechtschreibfehler) und wäre “Schreibweise” angebracht gewesen (Grammatikfehler).

2. 11. 2005

: Leserfreundlicher Rückbau. Rechtschreib-Rat stutzt Reform erneut. Neue Zürcher Zeitung, , 226. jg., nr. 256, s. 45, Feuilleton (196 wörter)
Abweichend vom derzeitigen Reformstand soll der «erweiterte Infinitiv mit «zu» wie früher ein obligatorisches Komma verlangen. Zwischen zwei mit «und» verbundenen Hauptsätzen darf wieder, aber muss nicht notwendig ein Komma stehen. Generell sollten die Schüler zu einer leser­freundlichen Zeichen­setzung angehalten werden, und damit kämen im Grunde alle alten Kommaregeln als «Kann-Bestimmungen» wieder zu Geltung, erläuterte Hans Zehetmair […].

Und damit sind wir im grunde wieder gleich weit.

: Gang und Klang der Worte. Von Narrenschiffen und Schicksalsbergen: Reinhard Mey singt im Beethovensaal. Eßlinger Zeitung,
Und Mey hat viel zu sagen. Mal reflektiert er ironisch den Zustand des Betrunkenseins, dann die Lage der Nation […] Er macht sich über die Rechtschreib­reform lustig: "Ihr wisst von mir tausend Dinge, aber nicht, wie ich sie schreibe!"

Tausend dinge wissen wir nicht, aber gemäss Kölnischer Rundschau vom 27. 10. 2000 eines: «Ich singe nach der alten Rechtschreibung»

: Zu was gibt es wozu? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 255, s. 44, Briefe an die Herausgeber (156 wörter)
Wen kann es kaltlassen, zu was ("Im Jahre 15 danach", F.A.Z. vom 4. Oktober) statt wofür lesen zu müssen? […] Man möchte meinen, die F.A.Z., Spitzenblatt des deutschen Journalismus und bewährtes "Kampforgan" gegen die Ver­schluderung des Deutschen durch die sogenannte Rechtschreib­reform, sollte auch selbst in sprachlichen Dingen Vorbild sein.

11. 2005

: Generation Manga. Cicero, , s. 124, Salon
Immerhin habe ich mittlerweile begriffen, wieso ich hier nichts begreife. Im Japanischen existieren drei völlig unter­schiedliche Zeichen­systeme. Die aus dem Chinesischen übernommenen Kanji, von denen es über 5000 gibt und die eigentlich jedes für sich genommen ein kleiner Manga-Comic sind. […] Daneben gibt es zwei Zeichensysteme, […] Hiragana und Katakana, in etwa zu vergleichen mit unserer Schreib- und Druckschrift. Nur dass für das westliche Auge zwischen dem Schreib- und dem ent­sprechenden Druckschrift­zeichen beim besten Willen keine Familien­ähnlichkeit mehr festzustellen ist. Und eigentlich würden diese Silbenzeichen völlig ausreichen, alles, was es in der japanischen Sprache zu sagen gibt, aufzuschreiben, aber bislang sind sämtliche Versuche, das Japanische einer Rechtschreib­reform zu unterziehen, gescheitert. Unweigerlich muss ich an den Kampf denken, der in Deutschland um den „Delfin“ bzw. „Delphin“ gefochten wird.