Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenpresseartikel → 2017
nachgeführt 2017-8-21 , 2017-8-15

Aus presse und internet

18. 8. 2017

neu : Tüddelkram im Duden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 191, s. 27, Briefe an die Herausgeber (258 wörter)
Die Duden-Mitarbeit bei der Rechtschreib­reform war eine Katastrophe. Theodor Ick1er: „Ungezählte Barbarismen bei Getrennt­schreibung — miß­handelte Grund­regeln der Sprache“; Wolf Schneider: „Vor­sicht vor dem Duden!“

17. 8. 2017

neu : Übrigens ... Passauer Neue Presse, , nr. 188, s. 21, FRG - Regional
... gibt es doch immer wieder ein paar Leute, die uns etwas über­stülpen, das wir gar nicht haben wollen! […] Los ging es schon mit der „unbedingt not­wendigen“ Rechtschreib­reform. […] Und nun eröffnen die Redakteure des „Duden“ eine neue Runde.

16. 8. 2017

neu : Sieg über die „Ottographie“. Die Welt (), , nr. 190, s. 22, Feuilleton (1039 wörter)
Beim Kampf um die Recht­schreibung hatte Konrad Duden einen scheinbar unbesiegbaren Gegner: Otto von Bismarck. […] Er hatte Deutschland geeinigt. Aber die Recht­schreibung wollte er nicht ver­einheitlichen. Wenn es nach Otto von Bismarck gegangen wäre, hätte im 1871 ge­gründeten Reich jeder weiter schreiben können, wie er wollte – und die Österreicher und Schweizer sowieso.

12. 8. 2017

neu : Bei welchem Wort brauchen Sie den Duden? (Rheinische Post), , NRW, Städte, Dinslaken
Wir haben bekannte Persönlich­keiten gefragt, bei welchem Wort sie noch das Standard­werk des berühmten Weselers Konrad Duden verwenden. […] "Porte­monnaie": Bei Wörtern wie "Portemonnaie" schaue ich immer wieder nach, wie die Empfehlung des Dudens aussieht. Da hat die Ver­einfachung der Schreib­weisen, die ein­geführt und dann teilweise wieder zurück­genommen wurde, für einige Verwirrung gesorgt. […] Sabine Friemond-Kund, Inhaberin Buch­handlung Lesezeit! in Voerde.

9. 8. 2017

neu : Hat die Rechtschreibung noch Überlebenschancen? (Passauer Neue Presse), , Bayern
Doch der Eindruck täuscht, sagt Michael Rödel, Professor für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. "Ich glaube, dass Abiturienten schon besser schreiben, als man ihnen nachsagt." […] Lange vorbei sind aber die Zeiten, in denen in Deutsch­land ein regel­rechter Krieg um die richtige Schreib­weise von Delfin oder Delphin, Fuss oder Fuß, Schifffahrt oder Schiffahrt tobte und die Rechtschreib­reform landauf, landab zu Debatten führte. "Diese Emotionalität ist ver­schwunden", sagt Rödel.
neu : Bei welchem Wort brauchen Sie den Duden? Rheinische Post, , 72. jg., nr. 183, s. C2, Wesel
Wir haben bekannte Bürger gefragt, bei welchem Wort sie noch das Standard­werk des berühmten Weselers Konrad Duden verwenden. […] Sebastian Hense, stell­vertretender Schul­leiter am Andreas-Vesalius-Gymnasium und Vorsitzender der CDU, schlägt häufiger im Duden nach. „Auch wenn sich die Recht­schreibung leider ändert und die Frage, ob das sinnvoll ist, meist un­beantwortet bleibt, der Duden kennt die Lösung. […]“ Seine Kollegin Karen Schneider vom Konrad-Duden-Gymnasium beobachtet, dass ins­besondere die mit der Rechtschreib­reform vor der Jahrtausend­wende eingeführte Möglichkeit zweier Schreib­weisen oft zu Ver­wirrung führt.

8. 8. 2017

neu : Keine schriftbildliche Vereinheitlichung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 182, s. 6, Briefe an die Herausgeber (260 wörter)
Nach der "Logik" des Leserbriefs könnten wir auch andere Besonder­heiten unserer Sprache ausmerzen, zum Beispiel die Schreibung der Umlaute ä, ö und ü, die schließlich ebenso problem­los durch ae, oe und ue ersetzt werden könnte. Ich finde es tröstlich, dass die in vieler Hinsicht miss­lungene Rechtschreib­reform wenigstens vor dem ß halt­gemacht und ihm ebenso wie dem ss eine klare Funktion in Bezug auf die Aussprache zugewiesen hat.
neu : 5000 neue Wörter im Duden: Was ist „das Gender“? , , Feuilleton
Wir müssen nicht mehr „Majonäse“, „Frotté“ oder „Ketschup“ schreiben, diese hässlichen Ein­deutschungen gelten ab sofort wieder als falsch. […] Wer vergessen hat, wie „Mayonnaise“ schon immer ge­schrieben wurde, kann danach ab sofort im neuen Duden suchen, der am Mittwoch erscheint.

Um «Mayonnaise» zu suchen, muss man den neuen duden nicht kaufen; es steht so in sämtlichen 27 auflagen. (Nicht aber bei Mackensen 1968.) Musste die bedauerns­werte FAZ-mitarbeiterin wirklich «Majonäse» schreiben? Wir sind in der glücklichen lage, dass wir gar nichts müssen. Da wir weder auf der gehaltsliste der Frankfurter All­gemeinen Zeitung stehen noch zur schule gehen, ist für uns «majonäse» nach wie vor nicht falsch. – Die geschichte der «hässlichen ein­deutschung» (!) «Frotté» sieht so aus: 1934 nur «Frottee», 1947 «Frottee» mit verweis unter dem zu vermeidenden «Frotté», 1967 nur «Frottee», 1991 (also vor der reform) «Frottee, österr. u. fachspr. auch Frotté», 1996 «Frottee, auch Frotté», 2009 2 lemmata «Frotté» und «Frottee», 2017 nur «Frottee».

neu : „Duden“ adelt Fake-News, das Facebooken und den Flexitarier. Die Presse (), , s. 19, Feuilleton
Alle drei bis vier Jahre wird der „Duden“ aktualisiert, mit 145.000 Stichwörtern ist er nun so umfang­reich wie nie zuvor, enthält rund fünfmal so viele Wörter wie das „Vollständige Ortho­graphische Wörter­buch“, das der deutsche Gymnasial­lehrer Konrad Duden im Jahr 1880 herausgab. Er wollte die Recht­schreibung ver­einheitlichen, was ihm mit seinem sehr erfolgreichen Wörter­buch auch gelang. […] Nur mit einem Wunsch konnte sich Konrad Duden nie durchsetzen: Er lehnte die Groß­schreibung als unnötige, „ver­dummende“ Lern­anstrengung ab.
neu Interview mit Dr. Kathrin Kunkel-Razum, Leiterin der Dudenredaktion, zur 27. Auflage des Rechtschreibdudens. , , Über den Rechtschreibduden
Es sind vor allem zwei Änderungen, die das amtliche Regel­werk betreffen: Das wird so­zusagen erwachsen, also auch als Groß­buchstabe zugelassen. […] Darüber hinaus hat der Rat für deutsche Recht­schreibung fest­gestellt, dass manche Adjektive in bestimmten festen Fügungen sehr häufig groß­geschrieben werden, obwohl bisher nur die Klein­schreibung zugelassen war.

4. 8. 2017

neu : Auch ohne ß. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 179, s. 25, Briefe an die Herausgeber
Es ist sehr bedauer­lich, dass das „ß“ bei der letzten Rechtschreib­reform nur zurück­gedrängt, aber nicht auf­gegeben wurde.

2. 8. 2017

neu : Bundestagswahl: Noch 53 Tage. Die Welt (), , s. 3, Forum
Mir schwebt ein anderes System vor […]. Die Kriterien wären das Alter, der öko­logische Fuß­abdruck und die soziale Parti­zipation. Die Jungen, sagen wir von 18 bis 35, hätten drei Stimmen, die Mittleren von 31 bis 60 hätten zwei, und die Senioren ab 61 hätten eine Stimme. […] Für die kommende Wahl wird die Zeit nicht mehr reichen, aber in vier Jahren wird wieder gewählt. Bis dahin sollte nicht nur die Rechtschreib­reform reformiert, sondern auch das Wahl­recht neu kon­zipiert werden.

Für die rechtschreibreform, die in Broders satire etwas unmotiviert auftaucht, wäre ein solches system bestimmt nicht schlecht (stichwort generation).

1. 8. 2017

neu : Wenn das Komma zur Überlebensfrage wird. Zehn Jahre Rechtschreibreform. , , Panorama
Ebenfalls ruhig bleibt bei dem Thema Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache. "Wir haben ganz andere Probleme mit der deutschen Sprache", sagt er. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihm die "verschwurbelte Behördensprache". Ihre Un­verständlichkeit habe bisweilen weitreichende Folgen. So blieben Kommunen beispiels­weise auf Förder­geldern sitzen, "weil die Menschen die Anträge nicht verstehen können und dann lieber auf die ihnen zustehende Unter­stützung verzichten, als das Behörden­deutsch zu enträtseln", sagt Kuntzsch. Der Rechtschreib­reform aber könne man diesen Miss­stand nicht in die Schuhe schieben.
neu 10 Jahre Rechtschreibreform: Haben wir uns daran gewöhnt? , , Wissen
Ob sich die Reform bewährt hat, ob die deutsch­sprachigen Menschen die Änderungen ver­innerlicht haben und ob noch mehr verändert werden soll, weiß Kerstin Güthert, die Leiterin der Geschäfts­stelle des Rats für deutsche Recht­schreibung.
: unten links. Neues Deutschland (), , s. 1, Kommentare (127 wörter)
Als heute vor zehn Jahren die über­arbeitete Rechtschreib­reform in Kraft trat, lagen sich die Deutschen vor Freude weinend in den Armen, es wurden Deutschland­fahnen geschwenkt und der Kognak – nicht etwa der »Cognac« – floss in Strömen!
: Neue Regeln, alte Probleme: Die Krux mit der Rechtschreibung. , , Ausland
Seit zehn Jahren gilt die Rechtschreib­reform in allen Schulen - und sorgt weiter für Verwirrung. Wann gilt die alte und wann die neue Schreib­weise? […] Unter­dessen hat der "Rat für Deutsche Recht­schreibung" längst weitere Korrekturen an der reformierten Reform vor­genommen. […] Wieder erlaubt ist die Groß­schreibung etwa bei "Goldene Hochzeit" oder "Technischer Direktor" neben der Klein­schreibung.

Nicht «wieder», sondern neu.

: Mit Fosfor geht kein Licht auf... , , leserkommentare
Die Rechtschreib­reform ist ein Parade­beispiel dafür, wie eine Reform aus etwas etabliertem (nicht unbedingt perfektem, aber leidlich funktio­nierendem) ein heil­loses Chaos macht, wenn Leute daran herum­pfuschen (meinet­wegen auch herum pfuschen), die keine Ahnung von der Um­setzbarkeit ihrer möglicher­weise trotz offen­sichtlicher Parteiideologie gut gemeinten Ideen haben.
: Das Ende der Ordnung. , , leserkommentare
Das Verhalten offizieller Stellen ist irritierend. In der Stadt Zürich wechselte man sofort das Schild der Gemsen­strasse. Sie heisst seither Gämsen­strasse, was man, so leid es mir tut, anders aus­spricht. Wenige Jahre später hob die selbe Instanz die Glattal­bahn (Durchs Tal der Glatt) aus der Taufe, die nach der neuen Ordnung eigentlich Glatttal­bahn ge­schrieben werden müsste.

So leid es uns tut, gemse, gämse, bremse und nässe werden gleich ausgesprochen: [ɛ]. Zu Glattal: Verwirrung im Glattal.

: reform der rechtschreibung. , , leserkommentare
wie wäre es einfach die groß­schreibung ab­zuschaffen? ... ein einfaches ding, ohne irgend­welche große regel­änderungen und unsere kinder hätten in der schule ein problem weniger!
: Die Reform war sogar noch zu halbherzig. , , leserkommentare
Kreationen wie "ph" haben in der deutschen Sprache nichts mehr zu suchen […]. Warum schreibt man "verrückt" und nicht "ferrückt" - phonetisch das selbe.

28. 7. 2017

: Wohin mit dem großen ß? , , Weblog, Know-How
Laut des Deutschen Instituts für Normung (DIN) diskutierten ins­gesamt 20 Experten über die best­mögliche Position des großen ß.

24. 7. 2017

: Gnadenschuss für Grislibären. Profil , , 48. jg., nr. 30, s. 64 bis 67, Wissenschaft (1904 wörter)
Der Rat der deutschen Recht­schreibung hat kürzlich die deutsche Ortho­grafie sanft reformiert. Wo aber versteckt sich das große scharfe ß auf der Computer­tastatur? Ist „Mayonnaise“ wirklich besser als „Majonäse“? Und warum dürfen wir nicht mehr „Roulett“ spielen? 16 Fragen zum heiklen Job der Sprach­polizei. […] „Majonäse“, „Frotté“, „Joga“: Wer entscheidet darüber, welche Schreib­weisen erlaubt sind beziehungs­weise verboten werden? Im Prinzip wiederum die All­gemeinheit. Schreibt der Greißler in Worms „Frottee“ oder „Frotté“ auf die Anschlag­tafel? Verwenden deutsch­sprachige Medien „Yoga“ oder das ein­gedeutschte „Joga“? Bieten Lokale auf der Speise­karte „Mayonnaise“ oder „Majonäse“ an?

Aha, die eine schreibung ist «erlaubt», die andere «verboten» – und dann schaut man, welche verwendet wird …

23. 7. 2017

Schreibt man Joghurt jetzt mit oder ohne h? Bild am Sonntag, , 64. jg., nr. 30, s. 32, Leben (118 wörter)
„Im Zuge der Rechtschreib­reform wurde neben Joghurt auch die Schreib­weise Jogurt zu­gelassen. Apropos: Die neue Schreib­variante lehnt sich an die heutige türkische Schreibung an […].“
neu : Sexualkunde in Schulen: Was Kinder lernen sollten. , , Feuilleton
Erziehungsrecht der Eltern und Erziehungs­auftrag des Staates stehen gleich­berechtigt nebeneinander. Aber was passiert, wenn die Schule etwas lehrt, das den Eltern missfällt […]? Ein „Fluß“ sollte ein „Fluss“ sein, ein „Stengel“ ein „Stängel“. Auch hier forderten Eltern: Diesem Unsinn darf unser Kind keinen Tag ausgesetzt sein […]. Nimmt man die Gleich­berechtigung von Staat und Eltern ernst, lautet die pragmatische Lösung: Dann lernen die Kinder in der Schule die neue und zu Hause alte Recht­schreibung. Es steht Eltern frei, ihren Kindern zu sagen, dass sie Dinge anders sehen als ihre Lehrer. Die Kinder mag das verwirren. Aber es bereitet sie auf das Leben vor, in dem es selten absolute Wahrheiten gibt, in dem sie selbst entscheiden können und müssen. So pragmatisch sah es das Bundesverfassungs­gericht: Schule und Eltern brauchen sich nicht einig zu sein; jeder kann seine Agenda verfolgen. Es betrachtete die Rechtschreib­regeln allerdings als „wertfreie Wissens­vermittlung“, die nicht ein ganzes Erziehungs­konzept durch­kreuzen können. Deshalb unterwarf es sie nicht einmal dem Vorbehalt des Gesetzes, nach dem in der Demokratie alle wesentlichen Dinge das Parlament regeln muss. Diese Lösung lässt sich auf den Sexual­kunde-Fall übertragen – auf den Teil, in dem es auch hier um „wertfreie Wissens­vermittlung“ geht. […] Hierfür gilt das Gleiche wie für die Rechtschreibregeln: Der Staat bestimmt, wann die Kinder in der Schule von Sex hören und wie sie das Wort schreiben. Damit müssen Eltern leben, auch wenn sie die Dinge anders sehen. […] Ein Schul­gebet vermittelt kein „wertfreies Wissen“, sondern eine Glaubens­wahrheit. Anders als Rechtschreib­regeln kann das ein elterliches Konzept auf den Kopf stellen. Überraschender­weise ließ sich aber auch dieser Konflikt so lösen, dass alle Konzepte gleich­berechtigt nebeneinander­stehen […]. Nicht nur Eltern und Schule können unter­schiedliche Entwürfe verfolgen, sondern auch Eltern unter­einander. Es ist unmöglich, dass die Schule allen Wünschen aller Eltern Rechnung trägt. Schon deswegen darf und muss sie ihren eigenen Plan verfolgen.

17. 7. 2017

: Auf seinem HÜGEL steht und siegt der Waldemar. Die Welt, , s. 8, Politik
Die AfD holte mit Waldemar Birkle in Pforzheim ihren deutschen Spitzen­wert: 54,2 Prozent. Jetzt will der Spät­aussiedler in den Bundestag. […] Waldemar Birkle […] hat über ein Viertel­jahrhundert in Deutsch­land verbracht, das sind zwei Weltmeister­titel und eine Rechtschreib­reform, das sind acht Jahre Helmut Kohl, sieben Jahre Gerhard Schröder und auch schon zwölf Jahre Angela Merkel. Es ist eine Zeit, in der ihm dieses Land erst vertraut und dann un­heimlich geworden ist.

11. 7. 2017

: Deutschstunde: Wenn morgens das Geschlecht ausgewürfelt wird. Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung
Wie trennt man Eisenach?, fragt eine Leserin. Eigentlich Eisen|ach, denn der zweite Bestand­teil -ach ent­spricht einem alten Wort für „Gewässer, Fluss“. Da diese Kenntnis aber nicht sehr ver­breitet ist, darf seit der Rechtschreib­reform auch nach Sprech­silben getrennt werden: Eise|nach.

10. 7. 2017

: Es ist schon unglaublich, was da hochdotierte Personen so zusammenbringen. , , Leserbriefe
Für den viel­beschworenen gesunden (semantischen) Menschen­verstand war eine goldene Hochzeit mit goldener Hochzeits­kutsche schon allein durch die Groß­schreibung des Adjektivs von der 50-jährigen Goldenen Hoch­zeit zwingend zu unter­scheiden.

9. 7. 2017

: „Neuregelung hat zu 50 Prozent mehr Rechtschreibfehlern geführt.“ , , Kultur, Literatur
Niemand weiß mehr über das Deutsche als der Linguist Peter Eisenberg. Ein Gespräch über ge­prügelte Angli­zismen, das V in Vater, die Daseins­berechtigung des Eszetts und seinen Austritt aus dem Rat für deutsche Recht­schreibung.

8. 7. 2017

: Warum gibt es das ß, Herr Professor? Die Welt, , s. 29, Die literarische Welt (1852 wörter)
Seit er 1986 seinen „Grundriss der deutschen Grammatik“ ver­öffentlichte, gilt Eisenberg als die größte Koryphäe für Bau und Funktions­weise des Deutschen. Nun hat er ein schmales Buch mit dem Titel „Deutsche Ortho­grafie: Regel­werk und Kommentar“ geschrieben, mit dem er versucht, die immer noch offenen Wunden der Rechtschreib­reform zu heilen.

5. 7. 2017

: Endlich wieder ein wichtiges Problem: Das "ß" als Großbuchstabe. (Salzburger Nachrichten), , Meinung, Kolumne, HEVI
Übrigens, seit mit der Rechtschreib­reform der Konjunktion "daß" das "ß" weggenommen und durch ein "ss" ersetzt wurde, hat sich die Zahl der Ver­wechslungen des Binde­worts "dass" mit dem be­züglichen Fürwort "das" potenziert. Darüber freuen sich höchstens die Korrektoren, deren Jobs damit zu­sätzlich un­verzichtbar geworden sind.

4. 7. 2017

: Deutschstunde: Wie ein Buchstabe das Sommerloch füllen soll. (Berliner Morgenpost), , Kolumne
Dieses Sommer­loch wurde in den Zeitungen bis vor wenigen Jahren stets mit dem Ungeheuer von Loch Ness überbrückt, das angeblich wieder einmal ge­sichtet worden war. Seit 2008 hat das große Eszett das schottische Fabel­tier abgelöst.
: AfD stellt Kulturprogramm vor: Ein Kessel Besorgtes. Rhein-Zeitung, , s. 25, Kultur
[…] Präsentation des Kultur­programms der rhein­land-pfälzischen AfD in Koblenz […]. Was die ständig beschworene deutsche Leitkultur sein soll: Das bleibt im Programm wie auch am Abend schwammig. Dafür wird ein Ein­topf serviert, der zusammen­kocht, was besorgte Bürger umtreibt oder um­treiben könnte. Man sollte etwa – nach 20 Jahren – erwägen, die Rechtschreib­reform wieder ab­zuschaffen. Schließlich versuche diese, Sprache von oben nach unten zu ändern, und nicht, wie es der Duden einst­mals begonnen habe, dem Volk aufs Maul zu schauen. Eine gewagte These.

3. 7. 2017

: Mit neuen Regeln zurück zum letzten Stand. Märkische Allgemeine, , s. 8, Brandenburg/Berlin, Leserbriefe (99 wörter)
Die letzte Rechtschreib­reform hat auf jeden Fall eines bewirkt: Dass selbst ehemals sehr gute Deutsch­schüler heut­zutage unsicher sind, was denn nun in Sachen Inter­punktion und Schreib­weise eigentlich richtig ist.

2. 7. 2017

: Walk of Häme. Die Presse (), , s. 40, Menschen
Es erhärtetet sich der Eindruck, dass Recht­schreibung zu jenen Kultur­techniken zählt (wie Handschrift, das Alphabet als Ordnungs­einheit zur Systema­tisierung, Archivierung und Suche etwa in Lexika, Telefon­büchern, Zettel­kästen, Wörter­büchern und das schrift­liche Kommunizieren in voll­ständigen Sätzen), denen bis vor Kurzen in der Bildung noch ganze Auf­merksamkeit galt, die aber nun rasant an Bedeutung verloren haben. Was wir weder beklagen noch begrüßen, sondern nur als Tatsache fest­stellen.

1. 7. 2017

: ẞ, ß. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 150, s. 11, Feuilleton
Aber konnte sich der Rat für deutsche Rechtschreibung nach all dem Unsinn, den er in den vergangenen Jahr­zehnten auf seinem Feld angerichtet hat (nicht zuletzt beim Umgang mit dem Buch­staben ß), nicht wenigstens die Mühe machen und einen winzigen Teil jener sechs Jahre, die seit der vor­herigen Neu­regelung der Schlecht­schreibung vergangen sind, auf Fragen von Typo­graphie verwenden? Der Auftrag an einen Schrift­gestalter, die amtliche Ein­führung eines großen ß, Eszett oder scharfen S durch einen ge­eigneten Druck­buchstaben zu ergänzen, der nicht aussieht wie der kleine – das wäre eine Tat gewesen! Doch der Rat hat wieder eine Untat begangen.
: Ansichtssache: Wortgewalt. Mitteldeutsche Zeitung, , s. 1
Das Internet hat Platz für alles, auch für Dämliches. Und nun wohl auch für das große 'ß', das man wahr­scheinlich so dringend braucht wie grünen Ketschup.
: Plutos Rache: Das Big Es. (Mittelbayerische Zeitung), , Neumarkt
Der Neumarkter Rechts­anwalt Geedo Paprotta beschäftigt sich mit dem neuen Star der Rechtschreib­reform. […] Es gibt einen neuen Buch­staben in unserem Alphabet! […] Aber sicher fragen Sie sich: Wer ent­scheidet denn sowas? Das Zauber­wort lautet „Rechtschreib­reform“ […]. Sie finden, es sei eine Unver­schämtheit, dass der Staat uns Buch­staben vor­schreibt? Dann lesen Sie das Urteil des Verfassungs­gerichts, Az. 1 BvR 1640/97.

30. 6. 2017

: Schluss mit dem Klein-Klein! Der Rat für deutsche Rechtschreibung sagt: Das Eszett ist jetzt auch groß. Hamburger Abendblatt (), , s. 1
WIR HABEN ES ZWAR NOCH NICHT, ABER DAS ESZETT GIBT ES NUN ALS GRO_BUCH­STABEN.
: Das ß wird groß. Der Rat für Rechtschreibung führt einen neuen Buchstaben ein. Hannoversche Allgemeine, , s. 1
Mehr Bedeutung bekommt das ß, das im Zuge der mehrfach selbst re­formierten Rechtschreib­reform etwas an den Rand gedrängt wurde, aller­dings auch in Zukunft nicht. Das daß von damals ist verloren, die Kon­junktion muss weiter­hin mit Doppel-s geschrieben werden. Dafür kehren jetzt Ketchup und Mayonnaise zurück.
: Wieder mal. Neues Deutschland, , s. 15, Feuilleton (141 wörter)
Das amtliche ortho­grafische Regel­werk ist 21 Jahre nach der um­strittenen Rechtschreib­reform erneut, wenn auch gering­fügig, geändert worden.
: Buchstabieren. (Nordwest-Zeitung), , Meinung
Die Welt hat viel­leicht nicht darauf gewartet, mag sich mancher sagen. Aber der neue Groß­buchstabe, auch gern ohne Hinter­gedanken scharfes S genannt, ist offenbar nötig […]. Doch leider gleicht das große Eszett sehr dem kleinen Eszett, es ist nur etwas fetter. Aber seien wir froh, denn das Fehlen des Groß­buchstabens ist ja seit 100 Jahren ein Thema.
: Alle Meißners und Großmanns werden sich freuen. Einige Typografen auch: Endlich gibt es das „ß“ auch als Großbuchstaben. Süddeutsche Zeitung, , s. 9, Feuilleton (491 wörter)
Das ß als sz-Ligatur hingegen wurde erst Ende des 19. Jahr­hunderts eingeführt und hat sich nicht einmal im ganzen deutsch­sprachigen Raum durch­gesetzt. Wer in der Schweiz falsch parkt, muss eine „Busse“ zahlen. Die deutsche Rechtschreib­reform, die – wegen des kurzen Vokals – aus dem „daß“ das „dass“ gemacht hat, hat der Ver­breitung des ß eben­falls zu­gesetzt.

29. 6. 2017

: Prediger gegen Vereinfachung und allgemeine Verdummung. Zum Ende der dreißig Jahre währenden Amtszeit des Lehrerverbandspräsidenten Josef Kraus. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 148, s. 6, Politik
Von Anbeginn kämpfte er gegen die Rechtschreib­reform, sprach sich schon in den neunziger Jahren für eine pädagogi­sche Re­naissance von Fleiß, Disziplin, Zu­verlässigkeit, Ordnung und Pünktlich­keit sowie Leistung aus, was ihm zuweilen auch den Ruf des Reaktionärs ein­brachte.
: Das ß wird groß. , , Leben und Lernen
Die Begründung für den neuen Groß­buchstaben: ein genereller Trend zur Schreib­weise in Versalien in der Werbung und auch in Büchern. Die Zulassung des großen Eszetts ermögliche in solchen Fällen nun ein optisch ein­heitliches Schrift­bild, heißt es vom Rat. Die Ersatz­schreibweise mit Doppel-S oder kleinem "ß" bleibt jedoch weiter zulässig.
: Das ändert sich sofort an unserer Rechtschreibung. , , Kultur
Die amtlichen Orthografie-Regeln ändern sich schon wieder. Droht ein neues Reform-Desaster? Im Gegenteil: Einige Horror-Schrei­bungen ver­schwinden sogar ganz. Nur beim Eszett kommt etwas gewaltig Neues.
: Leserkommentar. , , Kultur, kommentare
[…] „die mittlere/Mittlere Reife“ […]. Da kann man nur den Kopf schütteln. Die Groß­schreibung der Adjektive ist vollkommen sinnlos und kann deshalb ganz ab­geschafft werden. Statt­dessen muss man sich jetzt immer mehr Einzel­fälle merken und mit ver­schiedenen Schreib­weisen leben. Der ur­sprüngliche Sinn der Rechtschreib­reform, die Ver­einfachung, wird damit konterkariert.

24. 6. 2017

: Icke tindert. , , Literatur
In diesem Sommer erscheint ein neuer Duden. […] Anders als Deutsch­lands andere Wörterbuch­institution, der Grimm, und anders als die längst ein­gestellte Konkurrenz, der Wahrig, der 2009 das letzte Mal erschien, wird der Duden fort­gesetzt. Im Herbst­programm kündigt der Verlag die 27. Auflage an.

23. 6. 2017

: Eine Stadt ohne Regeln. Wiler Zeitung (), , s. 37, Wil
Heisst es nun Weier oder Weiher? […] Das h wird schlichtweg weg­gelassen, wenn vom Wiler Weier die Rede ist. […] «Für den Stadt­weier ist einzig die Schreib­weise ohne h zutreffend», […]. Es handle sich um einen Flurnamen […]. Bei diesen sei oft die Mundart-Schreib­weise in den offiziellen Sprach­gebrauch übernommen worden.

17. 6. 2017

Per Pedes. Fahrzeug oder nicht? Bersenbrücker Kreisblatt, , s. 17, Lokales
Deutsche Sprache – schwere Sprache. […] Die (mehr­fach wieder ab­geänderte) Rechtschreib­reform macht die Sache nicht einfacher – besonders für die­jenigen, die von der einen auf die andere Variante umlernen mussten.

15. 6. 2017

: Verfassungsgericht prüft Urteil über Volksbegehren zur Gebietsreform. Thüringer Allgemeine, , s. 2, Thüringen
Da ja auch noch die Regierung ihre Klage zurück­gezogen habe, könnte es damit, ginge es nur "nach fach­gerichtlichen Maß­stäben", sein Bewenden haben. […] So könne sich […] aus der Klage der Landes­regierung, obwohl sie zurückgezogen wurde, ein "objektiver Prüf­auftrag" ergeben haben - jedenfalls dann, wenn das öffentliche Interesse an der Klärung des Sach­verhalts groß genug sei. So habe es zum Beispiel das Bundes­verfassungsgericht mit der Rechtschreib­reform gehalten.

14. 6. 2017

: Das Chaos mit der neuen deutschen Rechtschreibung. Miss Moneypenny, , s. 46
So neu ist die neue deutsche Recht­schreibung gar nicht, wie ihre Bezeichnung vermuten lässt. Seit ihrer Ein­führung ist die Welt der Recht­schreibung alledings nicht mehr ganz in Ordnung — ein Erfahrungs­bericht aus der Unterrichts­praxis.

stellungnahme

2. 6. 2017

: Ein Handwerker unter Akademikern. Christian Stang ist Postbeamter — und so rechtschreibbesessen, dass er an der Universität Regensburg eine Stelle bekam. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 127, s. 6, Politik
Gegen die Rechtschreib­reform begehrte er nicht auf, auch am Dritten Bericht des Rates für deutsche Recht­schreibung, den die Kultus­minister in dieser Woche entgegen­nehmen, hat er eigentlich nichts zu kritteln. Es sei schon richtig, die Schreibung den Gewohnheiten an­zupassen, sagt Stang. Für Kritiker der Reform freilich war die Intention genau das Gegenteil von Anpassung an Gewohnheiten — nämlich ein Sprach­diktat.

Pech, dass der «wandelnde Duden» nicht gegen die rechtschreibreform aufbegehrt. Für die journalistin freilich kein grund, auf die agitation zu verzichten.

: Von der Hand in den Kopf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 127, s. 10, Neue Sachbücher
Schreiben ist eine Kulturtechnik, die unterrichtet werden muss: Maria-Anna Schulze Brüning und Stephan Clauss treten der schulischen Ver­nachlässigung der Hand­schrift entgegen. […] Diese Abwertung alles Formalen, zumal wenn es mit An­strengung verbunden ist, prägt in ähnlicher Weise den „modernen“ Orthographie­unterricht.

1. 6. 2017

: Kleine Rechtschreibreform: Das „ß“ bekommt einen großen Bruder. Münchner Merkur, , nr. 125, s. 3, Im Blickpunkt (826 wörter)
Das „ß“ soll es bald als Groß­buchstaben geben. Die „Goldene Hochzeit“ darf man künftig groß­schreiben. Und Schreib­weisen wie „Ketschup“, „Grislibär“ oder „Joga“ werden wohl aus­sortiert. Die deutsche Recht­schreibung soll wieder einmal reformiert werden.
: „Man kann nicht einfach sagen: Du schreibst das jetzt groß.“ Expertin Kerstin Güthert vom Rat für deutsche Rechtschreibung über den Wandel der Sprache – und wie man darauf reagieren muss. Münchner Merkur, , nr. 125, s. 3, Im Blickpunkt (835 wörter)
Sie erklärt im Interview, wie Wissen­schaft und Werbung die Sprache beeinflussen, warum das große „ß“ Sinn macht und warum man oft zwei Schreib­weisen zu­lassen muss. […] [Güthert:] Wir schauen uns zum Beispiel Gruß­karten an: Bei Konstruktio­nen wie „das Neue Jahr“ oder „die Goldene Hochzeit“ wird das Adjektiv immer öfter groß­geschrieben.

So hat es im barock angefangen.

17. 5. 2017

: Rechtschreibung und gute Sprache (I). Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 113, s. 9, Zuschriften
Kaum je ein Lehrer­brief an die Eltern ent­sprach einwand­freier Ortho­graphie […].
: Rechtschreibung und gute Sprache (II). Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 113, s. 9, Zuschriften
Mir fallen im Alltag sehr häufig fehlerhafte Texte auf. […] Ich kann nicht verhehlen, dass ich dann dazu neige, von Recht­schreib- auf die weiteren Kompetenzen dieser Ver­fasser zu schliessen.

Uns fallen die fehler ebenfalls auf (fundsachen)! Wir schliessen allerdings primär auf den reformbedarf der ortografie.

: Rechtschreibung und gute Sprache (III). Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 113, s. 9, Zuschriften
Es gibt motivierende, spielerische und sportliche Trainings­varianten und in Deutsch­land sogar einen grossen regionalen und über­regionalen Diktat­wettbewerb. Wie uns die Neuro­wissenschaften lehren, ist Wett­bewerb enorm stimulierend – und zwar nicht nur für einen Gewinner, sondern für alle Teil­nehmenden.

Ja, wir sind sehr für wettbewerb – den wettbewerb der ortografien!

6. 5. 2017

: Links vor rechts. Die Welt, , nr. 105, s. 16, Motor
In Großbritannien, den britischen Kanal­inseln, Malta und Zypern wird links gefahren und rechts überholt. Das prägt die Menschen. Links ist sozusagen die Regel, rechts die Ausnahme. Bei uns ist es umgekehrt. Wir fahren nicht nur rechts, wir haben einen „Rechtsstaat“, wir sind „recht­schaffen“, bei uns wird „Recht ge­sprochen“, wir streiten um „Bürger­rechte“ und „Tierrechte“. Ein Anwalt ist ein „Rechts­beistand“, eine Emanze eine „Frauen­rechtlerin“, der Frisör ein Opfer der „Rechtschreib­reform“.

5. 5. 2017

: Orthographie zum Vergessen. Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 103, s. 50, Wochenende
Die besten Schüler der Schweiz sollten korrekt schreiben können. Doch die Gymnasien setzen andere Prioritäten. […] Viele Studierende haben nicht nur Mühe mit der Rechtschreib­reform, sondern mit der Ortho­graphie generell. […] Formale Schreibschwächen sind evident. Doch viele Lehrer kon­zentrieren sich lieber auf inhaltliche und dramaturgische Fragen, anstatt sich mit «basalen» Dingen wie Getrennt- und Zusammen­schreibung oder Komma­regeln aufzuhalten. «Die Recht­schreibung ist etwas aus dem Blick geraten», sagt Thomas Lindauer, Professor an der Pädagogischen Hochschule (PH) der Fachhoch­schule Nordwest­schweiz.
: Schreib nicht, lies! Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 103, s. 51, Wochenende
Bis um 1800 vermittelt die Volks­schule keine Schreib­kompetenzen, wie der Zürcher Sozial­anthropologe Alfred Messerli nachgewiesen hat. Die Obrigkeiten finden Schreiben unnütz, Lesen reiche allemal. […] Für die Schulen der Deutsch­schweiz gilt die Recht­schreibung nach Duden […]. Doch die «korrekte» Schreib­weise bleibt umkämpft. 1946 schlägt der «Bund für vereinfachte Recht­schreibung» die Klein­schreibung vor. Er findet kein Gehör. Die letzte grosse Reform beginnt 1996: Sie soll das Schreiben ver­einfachen. Doch die Neu­regelung ist umstritten. Die Reform wird ihrer­seits reformiert, mehrere Redaktionen führen eigene Schreib­weisen ein oder halten an diesen fest, so auch die NZZ. Die Folge ist eine Re-Pluralisierung der Orthographie.

Danke für die erwähnung unseres vereins! Aber das mit der klein­schreibung war 1924.

: «Ich will wachrütteln und motivieren.» Der deutsche Linguist Roland Kaehlbrandt sieht Sprachbewusstsein als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Neue Zürcher Zeitung, , 238. jg., nr. 103, s. 52, Wochenende
Ist ewiggestrig, wer noch auf sprachlich formale Präzision pocht? [Kaehlbrandt:] Tatsächlich ist die Kritik an Sprach­normen sehr verbreitet. Das hat mit dem flüchtigen Sprach­gebrauch in den digitalen Medien zu tun, auch die Rechtschreibe­reform hat mit ihrem Hin und Her Schaden an­gerichtet: In einigen Bereichen hat sie über­trieben, durch die allgemeine Ver­unsicherung haben jene Auftrieb erhalten, die Normen über­flüssig finden. Das bedaure ich sehr.
: Wider den «Deppen-Apostroph» und anderen sprachlichen Unsinn. , , Kultur
Aber immer wieder kommt Sprache auch zum Bewusstsein, wird gar zum Streitfall. So hat etwa die Rechtschreib­reform über Jahre Emotionen geweckt, die in keinem Ver­hältnis zur Sache, also den ver­gleichsweise geringen Ver­änderungen standen; aber ob man ein gewisses Alpentier mit e oder ä schreibt, rührte offenbar bei vielen an Existen­zielles. […] Die Sprache ist voller Fall­stricke, voller Zweifels- und Ermessens­fragen. Auch Zeitungs­redaktoren […] greifen immer wieder zum Duden (und haben das, dies nebenbei, vor der Rechtschreib­reform nicht weniger getan). Auch grosse Schrift­steller, davon erzählen Lektoren hinter vor­gehaltener Hand, schreiben durchaus kein fehlerloses Deutsch.

3. 5. 2017

: Gründliches Misstrauen, notfalls Revolte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 102, s. 10, Literatur und Sachbuch
Hinter den Kulissen der Bildungs­misere: Josef Kraus weiß, wer die dauernden Reformen gegen den Willen der Bürger durchsetzt. […] Kraus nimmt seine Leser mit auf eine Tour d'Horizon in vier Kapiteln über alle zentralen Themen der Bildungs­debatte: das Kompetenz­gerede, die Digita­lisierung, den Bildungs­begriff, das Gymnasium, die Ganztags­schule, die Inklusion, die Ver­ramschung der Sprache und die Recht- beziehungs­weise "Schlecht­schreibung".

30. 4. 2017

: Hat das Stil? Stil (NZZ am Sonntag), , s. 4
In den letzten Jahren ist es aus der Mode gekommen, sich gegenseitig «Gesundheit» zu wünschen […]. Aller­dings hat sich diese Reformierung der Nies-Etikette noch nicht ganz durch­gesetzt, darum kommt es zu neuer­lichen Irritationen (ähnlich wie nach der Recht­schreibreform, als auch alle völlig durch­einander waren).
: Verschwörende Details. Der Tagesspiegel (), , s. 14, Brandenburg
Wenn es nach den Veranstaltern des Festivals „Pax Terra Musica“ geht, sollen Ende Juni viele tausend Friedens­bewegte aus ganz Deutschland in den Süden Branden­burgs reisen […]. Auf Außen­stehende wirken die Verschwörungs­theorien mancher Festival-Teil­nehmer un­freiwillig komisch. […] Der Staat begrüße die Rechtschreib­reform sowie die Übernahme von Fremd­wörtern in die deutsche Sprache, damit Kindern in der Schule „die Lern­inhalte der Industrie besser ein­getrichtert werden können“.

28. 4. 2017

: Tobias Mann witzelt über die aktuelle Politik. Rheinische Post, , s. C5, Grafschafter Kultur
Tobias Mann ist kein Unbekannter der deutschen Kabarett- und Comedy­szene. […] Als Pianist gab er zum Beispiel „Früher war heute noch besser“ zum Besten oder als Gitarrist kommentierte er mit „Lokal Adverb“ die Rechtschreib­reform.

25. 4. 2017

: 110 Jahre Schloß-Gymnasium. Rheinische Post (), , s. D4, Benrather Tageblatt
Das Schulleben des Schloß-Gymnasiums (das sich heute immer noch – trotz Rechtschreib­reform – mit Eszett, also dem „ß“ schreibt) begann mit einer Klasse. […] Und selbver­ständlich waren es nur Knaben […].

22. 4. 2017

: Sprachlabor. Süddeutsche Zeitung, , s. 14, Forum
Herr Dr. Sch. findet es schön, dass Helikopter bei uns in Heliko-pter getrennt wurde, also mor­phologisch, das heißt: der Wortstruktur ent­sprechend, statt silbisch, wie das seit der Rechtschreib­reform mächtig in Schwang gekommen ist. Wir könnten jetzt so tun, als wüssten alle Redaktions­mitglieder, dass Helikopter aus hélix, -ikos (gewunden) und pterón (Flügel) zusammen­gesetzt ist. Dem ist nicht so. Wenn Helikopter trotz­dem sinn­voll getrennt wurde, so hat da nicht etwa ein blindes Huhn ein Korn gefunden, sondern das haus­eigene Trennungs­programm segens­reich gewaltet.

Aha, so funktioniert schreiben: Weder schreiber noch leser wissen bescheid, aber die technik gaukelt beiden vor, der andere wisse bescheid.

21. 4. 2017

: Enträtselt: Die Geheimnisse der deutschen Großbuchstaben. , , Kultur, Literatur
Was ist deutsch? Große Buchstaben am Wortanfang. Ein Forscher erklärt, wie es zu dieser Einzigartigkeit unserer Schrift kam. Er weiß auch, warum Groß­buchstaben neuerdings sogar mitten im Wort stehen. […] Hans-Georg Müller, so heißt der gelehrte Majuskel-Versteher, erklärt einen Teil der Schwierigkeiten damit, dass es über die rein ortho­grafischen Regeln hinaus „Wirkungs­absichten des Zeichen­produzenten“ seien, die dazu führten, dass er sich für Groß­buchstaben ent­scheidet. Das System der Groß- und Klein­schreibung sei der einzige Teil­bereich der deutschen Orthografie, „bei dem im Alltags­gebrauch typografische Wirkungs­absichten in nennens­werter Häufigkeit ortho­grafische Regeln außer Kraft setzen“.

11. 4. 2017

: Ossifeindliche Inhalte. (Frankfurter Rundschau), , Rhein-Main, Hochtaunus
Richterin Gudrun Kurschat sah es als erwiesen an, dass der selbst­ständige Soft­ware-Entwickler die Mit­arbeiter der Bundes­kasse Zoll im ver­gangenen Juni per E-Mail aufs Übelste ossi-feindlich beleidigt hatte. […] „Ich habe das nicht verfasst“, beteuerte A. Schließlich sei es heut­zutage ein Leichtes, eine E-Mail zu fälschen. […] Zum anderen seien alle Mails mit der gleichen Signatur unter­zeichnet worden und ent­hielten darüber hinaus auch noch die gleichen Schreib­fehler. So boykottiert der Autor in allen seinen E-Mails konsequent die Rechtschreib­reform und verwendet für die Konjunktion „dass“ weiterhin das ß.

10. 4. 2017

: Wir sind auf dem Weg in eine Republik der Analphabeten. , , Debatte, Meinung
Wenn schon Hochschul­absolventen ohne Punkt und Komma und voller Rechtschreib­fehler schreiben, dann muss man die Not­bremse ziehen. Ortho­grafie geht nicht nach Gehör. Sie muss geübt werden. Üben ist sexy.

6. 4. 2017

: „Di foirwer retete eine oile aus dem Stal.“ , , Beruf & Chance
Viele Schüler lernen heute nach der Methode „Schreiben nach Gehör“. Das ist eine Zumutung fürs Gehirn. Denn dem fällt es leichter zu üben, als Ge­lerntes zu korrigieren. Gast­beitrag eines em­pörten Gymnasial­lehrers.

4. 4. 2017

Wahlbriefe: „Gut gemeint – schlecht gemacht.“ Hamburger Abendblatt, , s. 18, Hamburg & der Norden
Etliche Menschen in Schleswig-Holstein stutzten, als sie dieser Tage Post von ihren örtlichen Wahlämtern erhielten. Wie dem Briefkopf zu entnehmen ist, handelt es sich um die „Wahl-Be­nachrichtigung“ für die Wahl zum „Land-Tag“ von Schleswig-Holstein am 7. Mai. […] „Habe ich etwas von der Rechtschreib­reform verpasst, oder ist die Verwaltung einem Freak des Binde­strichs auf den Leim gegangen?“, schrieb ein Abend­blatt-Leser.
: Der „Deppenapostroph“ treibt wunderliche Blüten. (Neue Osnabrücker Zeitung), , Kultur
Noch mehr ver­unsichert das Gefühl für Sprache und Regeln, dass nach neuer Recht­schreibung der Apostroph auch weg­gelassen werden kann in Fällen wie „wie geht’s“, „mach’s gut“, „sag’s mir“.

31. 3. 2017

: Punkt. Am Ende. , , Leben
Und ich dachte immer, eine der wichtigsten Grammatik­regeln würde Dich unsterblich machen: Am Satz­ende steht ein Punkt. Aber heute wird praktisch keine SMS, keine WhatsApp-Nachricht, kein Facebook-Posting noch mit einem Punkt beendet! […] Die Reform der deutschen Recht­schreibung von 1996 erzürnte noch die Bildungs­bürger – zwanzig Jahre später diskutiert man nicht mehr über Recht­schreibung. Die großen Dispute werden nicht mehr um Satz­zeichen, sondern um Emojis aus­getragen […].

24. 3. 2017

: Sprachplauderei: Von wegen schäbig! Schwäbische Zeitung (), , s. 11, Kultur
Aus zweierlei Gründen ist das Allerweltswort sogenannt bemerkens­wert: Zum einen gehört es zu den unseligen Varianten­schreibungen, die uns die Rechtschreib­reform von 2006 ein­gebrockt hat. Immer wenn sich die zur Ein­stimmigkeit verdammten Rechtschreib­hüter aus sechs Nationen nicht einigen konnten, ließen sie die Wahl offen. So haben wir jetzt sogenannt, aber auch so genannt. Bis heute wollen die Ver­antwortlichen übrigens nicht einsehen, dass sie damit der Sprach­kultur einen Bären­dienst erwiesen haben. Wenn ich hier schon die Wahl habe, nehme ich sie mir bei anderen Wörtern auch – so denkt sich der Normal­schreiber und schludert munter drauf los.

22. 3. 2017

: Pflichtverletzung in den Grundschulen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 69, s. 6, Briefe an die Herausgeber
Zum Thema Rechtschreib­reform: […] Die Lehrer ver­suchen gar nicht erst, den Kindern Rechtschreib­regeln zu ver­mitteln.

16. 3. 2017

: Bindestrich? Voll AfD-mäßig. , , Gesellschaft
Das Deppen­leerzeichen breitet sich immer weiter aus. […] Und, liebe Werbe­fuzzis: Kommt nicht mit der Rechtschreib­reform. Auch nach den neuen Regeln ist das Auslassen von Binde­strichen in Komposita un­zulässig.

11. 3. 2017

: Bitte twittert nicht, wenn ihr aufs Klo geht. Axel Eger mit einer sportlichen Betrachtung zum richtigen Wort zur rechten Zeit. Thüringer Allgemeine (), , nr. 60, s. 25, Sport, Zeitlupe
Bei Jauch war gerade eine junge Dame zu Gast, ihres Zeichens Bloggerin. Dennoch brauchte sie bei der Frage nach der Schreib­weise des Wortes Aggregat­zustand den Publikums­joker. Merke: Ein schnöder Duden kann auch im 21. Spiel­jahr der Rechtschreib­reform (so lange hat nur noch Arsene Wenger beim FC Arsenal durch­gehalten) über Sieg und Nieder­lage ent­scheiden.

9. 3. 2017

: So flüchtig wie Katarrh bei Ostwind. Warum auch zwanzig Jahre nach der Rechtschreibreform keine Korrektur geplant ist. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 58, s. 6, Politik (1031 wörter)
[…] das amtliche Regel­werk selbst: "Es ist zu lang, nicht konsistent, wenn überhaupt dann schwer ver­ständlich und wissen­schaftlich in­akzeptabel", sagt der Berliner Grammatiker Peter Eisenberg […]. Er hat jetzt im Auftrag der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung einen weiter­führenden Vorschlag mit dem Titel "Deutsche Ortho­grafie. Regel­werk und Kommentar" (de Gruyter) vorgelegt, der keine neue Ortho­grafie an­strebt. Vielmehr geht es Eisenberg […] darum, die geltende Regelung so zu formulieren, dass Begründungen und Funktiona­litäten gezeigt werden. […] Sein Anliegen ist es, die geltende Schreibung, wo möglich, so in Regeln zu fassen, dass sie wieder lern­barer wird. Selbst­verständlich weiß auch Eisenberg, dass sich die deutsche Ortho­graphie niemals voll­ständig in Regeln fassen lässt.

Selbst­verständlich muss es das ziel sein, die deutsche und jede andere orto­grafie voll­ständig in regeln zu fassen.

Wo hört ein Wort auf? Hannoversche Allgemeine, , s. 23, Kultur & Leben, O-Ton
Das Gefühl dafür, wo ein Wort aufhört und das andere beginnt bzw. wo ein Wort noch nicht aufhört, sondern noch weiter­geht, scheint gegen­wärtig stark im Schwinden begriffen zu sein.

7. 3. 2017

: Studenten beherrschen immer schlechter die deutsche Sprache. Interview mit Bonner Germanist Jan Seifert. , , Wissen und Bildung, Hochschulen
Seifert: Die Wahr­nehmung ist offenbar immer, dass es schlechter wird. Auf der anderen Seite muss ich sagen: Es ist ja auch faktisch so. In er­schreckend großer Zahl weisen Seminar-, Bachelor- oder Master­arbeiten […] logische Brüche, unbeholfene Formu­lierungen und erhebliche Recht­schreib- und Interpunktions­fehler auf. […] Im Bereich der Recht­schreibung sehe ich erhebliche Probleme etwa bei der Kenn­zeichnung von Kurz­vokalen, etwa „Stamm“ mit einem m oder „Tabelle“ mit einem l. Es gibt Indizien dafür, dass dies mit der Schreiblern­methode zu tun haben könnte […].

6. 3. 2017

: Politiker als Mutmacher? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 18, Briefe an die Herausgeber
Nimmt man die von sach­unkundigen Politikern in den 1990er Jahren „begleitete“ unselige Rechtschreib­reform hinzu, die nach zahl­losen Rettungs­versuchen als ge­scheitert gelten darf — weil deren Ziel­setzungen a priori mit der komplexen Geschichte der deutschen Schrift­sprache nicht in Einklang zu bringen sind (was man hätte wissen müssen!) —, schaut man überdies auf die bedenklichen Folge­erscheinungen der […] Bologna-Reform […], dann über­kommt einen Mut­losigkeit, Resignation, zuweilen auch Wut.

4. 3. 2017

: Diktatwettbewerb in Frankfurt: In der Kasserolle gärt das Frikassee. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Rhein-Main, Frankfurt
Appetitlich ist die Geschichte nicht gerade. Aber für Ortho­graphie-Gourmets bot das Frank­furter Stadt­finale des großen Diktat­wettbewerbs einige Leckereien. […] Der Sieger in der Schüler­kategorie, Matthias Tielmann von der Freien Christlichen Schule, landete mit acht Fehlern knapp vor der Besten unter den Lehrern, Elke Willmann von der Schiller­schule. Ebenfalls vom Sachsen­häuser Gymnasium kommt die Erst­plazierte in der Eltern­kategorie und Gesamt­siegerin Tatjana Koch, der sieben Fehler unterliefen.

Solange die FAZ (meistens) «Erst­plazierte» schreibt, würde sie wohl auch nicht null fehler schaffen.

2. 3. 2017

: Das missbrauchte Geschlecht. , , Kultur, Essay (1337 wörter)
Wie kann man Frauen in der Sprache sichtbarer machen? Muss man sich dafür zum Herren oder zur Herrin über die Grammatik aufschwingen? Mit dem Gendern gehen sprachpolizeiliche Allüren einher. […] Der nächste Schritt in Richtung eines konsequenten Genderns bestand in der Propagierung der Schreibweise BäckerInnen, die dann vielfältig ausgebaut wurde, etwa zu Bäckerinnen, Bäcker/innen, Bäcker_innen und Bäcker*innen. Von vornherein blieb unklar, wie all das ausgesprochen werden konnte. Aus dieser großen Not versucht man eine kleine Tugend zu machen mit dem Hinweis, die Fixierung auf das Geschriebene sei umso richtiger, als die Sprecher dadurch ins Grübeln kämen. Man sollte sich wohl an solche Formen gewöhnen, aber dennoch niemals aufhören, jedesmal wieder überrascht zu sein. […] Der Unterstrich hat nach einer verbreiteten Lesung über sich einen Abgrund von Leere und soll verwendet werden, wenn man gar kein Geschlecht mehr will, der über allem sich erhebende Stern (Asterisk) dagegen soll die ungefähr sechzig Geschlechter überstrahlen, die man heute individuell oder gruppenbasiert in Anspruch nimmt. Die Sprache muss ja mit nur drei Genera auskommen. Alle genannten Formen, das darf man nicht vergessen, gibt es im Deutschen nicht. Sie stellen einen Eingriff in unsere Grammatik dar, in der sie keinen Platz finden.

1. 3. 2017

: Hanebüchener Mumpelix. (Frankfurter Rundschau), , Frankfurt
Das Frankfurter Diktatwettbewerbs­finale in der Schiller­schule wird durch einen Föhn erst schön. […] Und man lernt noch was fürs Leben: „Einen Föhn kriegen“ beziehe sich auf den Wind aus den Bergen und habe nichts mit dem Haar­trockner zu tun, der zwar nach dem Berg­wind benannt sei, aber vor der Rechtschreib­reform ohne „h“ schlicht „Fön“ ge­schrieben wurde – weil seine Erfinder den Diktat­wettbewerb wohl nicht gewonnen hätten.

21. 2. 2017

: «Unpresidented.» Trumps alternative Orthographie. Neue Zürcher Zeitung (), , 238. jg., nr. 43, s. 35, Feuilleton
Als George Bernard Shaw einst der englischen Orthographie den Krieg erklärte […], konnte er nicht ahnen, dass seine Idee, die Schreib­weise dem Klang an­zugleichen, im Online-Zeitalter neue Aktualität erhalten sollte. […] An fehlerhafte Verlaut­barungen aus Washington, auch «alter­native Fakten» genannt, sind wir in­zwischen gewöhnt, manch einem könnte freilich entgangen sein, dass die zweifel­hafte Expertise der neuen Regierung auch die Recht­schreibung nicht verschont. […] Selbst das Motto auf dem In­augurations-Porträt, das auf der Web­site der Library of Congress vertrieben wird, gelang nicht fehler­frei: «No dream is too big, no challenge is to (sic) great» – ausser die Heraus­forderung, vor die der korrekte Gebrauch der Buch­staben stellt.

10. 2. 2017

: Rosenmontag’s wird gerock’t. Klaus Wuggazer auf der Spur irritierend gesetzter Häkchen. Thüringer Allgemeine, , nr. 35, s. 13, Bad Langensalzaer Allgemeine, Guten Morgen
Wir haben uns ja mittler­weile dran gewöhnt, dass der eng­lische Genitiv-Apostroph mit der Rechtschreib­reform im Deutschen per Duden-Erlaub­nis geadelt wurde.

25. 1. 2017

: Orthographische Standards gesunken. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 21, s. 6, Briefe an die Herausgeber (250 wörter)
Mit den in den ver­flossenen zwei Jahr­zehnten unter­nommenen punk­tuellen Rück­reformen hat der Rat für Recht­schreibung im Prinzip den qualitativ höheren Standard der her­gebrachten Recht­schreibung an­erkannt.

19. 1. 2017

: In der Wörter-Waschmaschine. , , Meinung, Kommentare
Ach, die Wahl der Wörter, sie ist halt ein wunderbares Spiel- ebenso wie ein Minen­feld: Gerade deshalb sind Sprach­moden kritisch zu beäugen. Dieser Erkenntnis sei hier der zweite Teil unserer Sprach­betrachtungen gewidmet, zu deren Fort­setzung wir uns durch die Reaktionen auf den ersten ermutigt sehen: Dieser hat unter dem Titel «Apostro­phitis und schlimmere Seuchen» (NZZ 2. 12. 16) ein reiches Echo gezeitigt. […] Erwartungs­gemäss kontro­vers auf­genommen wurde unsere Anmerkung, der ganze Schlamassel sei nicht der Rechtschreibe­reform anzulasten.

18. 1. 2017

: In Privatbriefen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 15, s. 25, Briefe an die Herausgeber (111 wörter)
Im Übrigen ist die alte, bewährte Recht­schreibung in Privat­briefen noch weit mehr ver­breitet, als jede Statistik er­fassen kann, so dass deren Aussagen über die Akzeptanz zu hinter­fragen sind.

17. 1. 2017

: Leichte Sprache, schwere Sprache. Die Welt (), , nr. 14, s. 22, Feuilleton
Ist die Leichte Sprache nur wieder ein Beispiel für die deutsche Regulierungs­wut, die uns zuletzt diese ahistorische, anti­grammatikalische und in ästhetischer Hinsicht höchst an­fechtbare Rechtschreib­reform beschert hat? Mit all diesen absurden Getrennt­schreibungen und der Substanti­vierung adverbialer Wendungen wie „aufs Schönste“, als müsse da ein Berg namens „das Schönste“ erklommen werden, wo doch nur „besonders schön“ gemeint ist?

12. 1. 2017

: Viel Wind um nichts. Der Rat für deutsche Rechtsschreibung bekommt die Folgen der „Reform“ nicht in den Griff. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 10, s. 6, Bildungswelten (1299 wörter)
Die Reform von 1996 wollte der Sprach­entwicklung aus­drücklich „entgegen­wirken“ – ein Haupt­grund der Proteste. Nun gilt um­gekehrt die Parole, das Regel­werk an den Schreib­brauch an­zupassen. Darum unter­nimmt der Rat breit angelegte und teure Unter­suchungen an Texten inner­halb und außer­halb der Schule. Dabei fällt ihm auf, dass es in der Schule gar keine Ent­wicklung geben kann, weil die Lehrer jede Abweichung als Fehler ahnden müssen. Darum waren schon die ein­schlägigen Be­obachtungen im zweiten Bericht von Anfang an sinnlos, wie der dritte nun aus­drücklich zugibt […]. Aber auch außer­halb der Schule gibt es keinen Schreib­brauch mehr, der sich nach den Intuitionen der Schreibenden ent­wickelt. Ge­schrieben wird fast nur noch am Computer und damit nach den Vorgaben der Korrektur­programme, die auto­matisch dafür sorgen, dass die gesetzte Norm befolgt wird.

Richtig. Also ist es auch gar nicht so wichtig, ob man der nicht existierenden entwicklung entgegen­wirken oder folgen will. Womit dann der «Haupt­grund der Proteste» auch wieder hinfällig wird. (So oder so kann nicht die sprachentwicklung gemeint sein, denn die gibt es, und zwar nicht nur alle hundert jahre.) Jetzt müssen Ickler und die anderen reformgegner nur noch den kleinen erkenntnis­schritt hinter sich bringen, dass es die möglichkeit geben muss, eine amtlich «gesetzte Norm» auch amtlich zu ändern. Dass es also rechtschreib­reformen geben muss.

11. 1. 2017

: Hausaufgaben für die Grundschule. Kölner Stadt-Anzeiger (), , s. 4, Meinung, Gastbeitrag
Heute sagt die Forschung: Hohe Erwartungen […] sind besonders leistungs­förderlich […]. Insofern war die Rechtschreib­reform aus pädagogischer Sicht Unsinn - japanische Grund­schüler ver­danken ihre Stärken nicht zuletzt der Kompliziert­heit ihrer Schrift­zeichen.

So ein glück! Die gegner der reform von 1996/2006 beklagen, dass sie die rechtschreibung komplizierter gemacht habe. Wir können uns also auf eine leistungssteigerung freuen.

10. 1. 2017

: Nicht in die Regelschule. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 8, s. 6, Briefe an die Herausgeber (229 wörter)
Ja, die "einfache Sprache" ist ein Dogma. Als solches wird sie von den gleichen Leuten mit den gleichen Ar­gumenten propagiert wie seiner­zeit die Rechtschreib­reform.

Fake news.

: „Das Kind nicht entmutigen.“ Der Tagesspiegel (), , s. 20, Wissen & forschen
Lehrer sollen Fehler schon früh korrigieren, sagt Renate Valtin, Grundschulpädagogin. […] Manche Leute haben den Eindruck, dass Schul­absolventen heute weit schlechter in Recht­schreibung sind als frühere Generationen. Zu Recht? [Valtin:] Es gibt keine große Längsschnitt­untersuchung, aus der wir das ersehen könnten. Ich habe nur eine anekdotische Evidenz: Wenn ich meine Studierenden früher das Kosogsche Diktat schreiben ließ - „Tut nie unrecht, seid Ihr aber im Recht, so habt Ihr recht“ und so weiter -, hatten sie schon in drei Sätzen so viele Fehler wie die Leute achtzig Jahre vorher im ganzen Text. Allerdings hat die Rechtschreib­reform in­zwischen ja vieles leichter gemacht. Was die Grund­schule betrifft, so zeigen die Rechtschreib­tests von Iglu 2001 und 2006, dass sich die Leistungen sogar signifikant ver­bessert haben. Insgesamt ist mir aller­dings die Betonung des Themas Rechtschreibung in der bildungs­politischen und didaktischen Diskussion in Deutschland völlig un­verständlich. Inter­national spielt die Be­herrschung der Recht­schreibung so gut wie gar keine Rolle. Statt­dessen wird zu Recht die Förderung der wichtigen Kom­petenzen Lesen und Schreiben als Verfassen von Texten betont.

7. 1. 2017

: Sieben Tage, sieben Nächte. Neues Deutschland, , s. 17, Die Woche
Zugegeben, nach der sound­sovielten Rechtschreib­reform ist es selbst für studierte Germanisten wie Journalisten nicht immer leicht, einen Treffer bei den gerade gültigen ortho­grafischen Regeln zu landen. Und natürlich sind wir ein ums andere Mal beschämt, wenn uns doch wieder irgend­etwas durch­gerutscht ist, was es eigent­lich nicht gedurft hätte.

4. 1. 2017

: Fehlende Übung. Mühlacker Tagblatt (), , Leserbriefe
Zum einen begann das Übel mit der „Rechtschreib­reform“, die in der Tat, wie der ehemalige Kultusminister Roman Herzog sagte, „so unnötig wie ein Kropf“ ist. Seither gibt es unter­schiedliche Schreib­weisen – sogar offiziell zu­gelassene wie auch von Insti­tutionen selbst erfundene.
: Mohrrübe brandmarkt mehr als Mohrenkopf. Saarbrücker Zeitung, , nr. 3, s. A4, Leserbriefe
Mohrrübe. Dieses Duden-belegte Unwort für die längliche Daucus sativus befördert das Klischee über Männer aus afrika­nischen Kultur­kreisen. Mein Vorschlag, bei der Recht­schreibreform wenigstens die Schreib­weise in „Moorrübe“ ab­zuändern, wurde leider nicht berück­sichtigt.

2. 1. 2017

: Zehn neue Thesen für 2017. Rheinische Post, , s. C1, Kultur
Was hätte uns Luther heute zu sagen? […] Eine Neujahrs-Provokation. […] Mit seinem Groß­werk – der Bibel-Über­setzung ins Deutsche – wollte Martin Luther möglichst vielen Menschen den Zugang zu den Quellen möglich machen. […] Wenn sich Gottes Wort ins Deutsche über­tragen ließ, dann musste die Sprache zu allem anderen auch fähig sein. Doch dem Volk auch sprachlich aufs Maul zu schauen heißt nicht, die Sprache radikal zu ver­einfachen. Unsere Rechtschreib­reform – sie dürfte ein Dorn im Auge des Reformators gewesen sein.

Nein, das reförmchen hätte er nicht bemerkt. Siehe auch Zofinger Tagblatt, 7. 9. 2002 und welt.de, 26. 1. 2016.