Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenpresseartikel → 2018
nachgeführt 2018-10-19 , 2018-10-16

Aus presse und internet

18. 10. 2018

neu : Auf richtige Schreibweise direkt achten. Kölnische Rundschau, , s. 13, Dialog (259 wörter)
Wenn ich damals auf der Volks­schule Schreiben nach Hören gelernt hätte, würde ich noch heute „Rüttmuß“ statt Rhyth­mus schreiben.

Wenn das wahr wäre, wäre es erfreulich, aber das grosse R müsste nicht sein.

2. 10. 2018

neu : Keine Anxst vor Fehlern. Südostschweiz, ausgabe Bündner Zeitung, , s. 16, leserbrief (116 wörter)
Recht­schreibung wird allgemein über­bewertet. Der primäre Zweck der Sprache ist es doch, sich zu ver­ständigen.

29. 9. 2018

: Die Anxt vor Fehlern. Schweiz am Wochenende, , s. 21, Inland & Ausland (780 wörter)
An Schulen tobt ein Glaubens­streit: Wie sollen Kinder Recht­schreibung lernen? […] Rolf Dubs, renommierter Pädagoge und emeritierter Professor der Uni­versität St. Gallen (HSG), erkennt einen regel­rechten Zerfall der Rechtschreib­kenntnisse. […] Einen Grund sieht Dubs in der um­strittenen Methode «Schreiben nach Gehör», auch «Lesen durch Schreiben» genannt.
: Wider das Einfache. Sprachpreis für Josef Kraus. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 11, s. 11, Feuilleton (111 wörter)
Der ehemalige Landshuter Gymnasiallehrer für Deutsch und Sport und Schul­psychologe habe die deutsche Bildungs­politik […] schonungslos analysiert, begründete die Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der deutschen Sprache ihre diesjährige Wahl. Kraus […] habe bereits 1993 die Rechtschreib­reform kritisiert und sich gegen einen Bedeutungs­verlust der deutschen Sprache in den Wissen­schaften, gegen die sogenannte „Gender­sprache“ und die „einfache Sprache“ aus­gesprochen.

27. 9. 2018

: Ewiges Hin und Her. Märkische Allgemeine, , s. 9, Land & Leute (184 wörter)
Nun also Rolle rückwärts bei der Recht­schreibung. Diese Entscheidung ist längst überfällig, ist die ortho­grafische Verwirrung doch nicht nur bei Kindern weit verbreitet. Nach den Rechtschreib­reformen der ver­gangenen Jahrzehnte – auch die endeten halbe Kraft voraus im Rückwärts­gang – wissen auch viele Erwachsene nicht mehr, was richtig ist.

22. 9. 2018

: 2 x 3 macht 4 und kese schmekkt bessa alz meionese. , , Politik, Deutschland (1168 wörter)
In Sachen Bildung scheint man in Deutschland überaus experimentier­freudig zu sein. Vor gut zwanzig Jahren trat die neue Rechtschreib­reform in Kraft. Nicht nur Schüler und Eltern waren durch diese verunsichert. Selbst Referendaren und Lehrern, die über gute ortho­graph(f)ische Kenntnisse verfügten, rutschte so schon mal bei der Beschriftung einer Pflanze an der Tafel ein alter „Stengel“ statt ein neuer „Stängel“ heraus. Schreibt nach diesem wohl eher politisch motivierten Experiment einer Ost-West-Annäherung die heutige Schüler­generation fehler­freier? Leider nein bzw. ganz im Gegenteil.

20. 9. 2018

: Zu: Einmal mehr wurden Schüler als Versuchskaninchen missbraucht. , , Kolumnen, leserkommentar
Ich bin seit 1982 im Schuldienst tätig. Ich habe vor der Rechtschreib­reform Tausende von Schüler­arbeiten korrigiert und nach der Reform Tausende von Schüler­arbeiten korrigiert. […] Mir ist während der ganzen Zeit auf­gefallen, dass die Rechtschreib­leistungen immer schlechter wurden. Einen besonderen Bruch konnte ich nach Einführung der Rechtschreib­reform nicht fest­stellen. Der Bruch kam erst, als auch in Bayern die Methode Lesen-durch-Schreiben praktiziert wurde. Als Klassen­lehrer in der 3. und 4. Jahrgangs­stufe muss ich jetzt Fehler anstreichen, die früher nie vorkamen. So schreiben manche Kinder „schp“ und „scht“ statt „sp“ und „st“ und ich kann es ihnen einfach nicht abgewöhnen.

Es ist höchst erfreulich, dass die kinder «Fater» und «Schtein» schreiben und dass man es ihnen nicht abgewöhnen kann.

19. 9. 2018

: Einmal mehr wurden Schüler als Versuchskaninchen missbraucht. , , Kolumnen
Steinig et al. schreiben dazu wörtlich: „Als wesentlichen Grund für diesen außergewöhnlichen hohen Anstieg sehen wir den Rückgang von Instruktions-, Lern- und Übungszeit, die im Deutsch­unterricht auf die Recht­schreibung verwandt wird.“ Und: „Wir vermuten, dass dieser außer­gewöhnlich hohe Anstieg zumindest teil­weise mit der Ver­unsicherung durch die Rechtschreib­reform aus dem Jahre 1998 zu erklären ist.“ Stimmt auch, denn die sogenannte Rechtschreib­reform war in weiten Teilen eine Schlechtschreib­reform.

17. 9. 2018

: Mit dem Participe passé ist nicht zu spassen. Neue Zürcher Zeitung, , 239. jg., nr. 215, s. 2, International, Aufgefallen (308 wörter)
Konkret fordern die beiden Belgier […] nicht viel: Das Partizip, das auf das Hilfs­verb «avoir» (haben) folgt, soll in jedem Fall un­veränderlich bleiben. […] Der Tenor: Nach Abwägung von Pro und Contra wird eine Ver­einfachung meist abgelehnt. […] Und ein Kommenta­tor hält fest, dass Sprach­reformen in der Ver­gangenheit ohnehin schlecht an­genommen worden seien.

12. 9. 2018

: Sind Sätze und Sprecher denn erst in der digitalen Ära vernetzt? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 10, Literatur und Sachbuch (1132 wörter)
Ein Linguist und Mitglied im Rat für deutsche Recht­schreibung geht online: Henning Lobin meint im Internet ein neues Bild der Sprache zu entdecken. […] Im Vorwort stößt man auf gleich drei Bilder von Sprache: […] und schließlich das Sprach­bild derer, die einem sprachlichen Ideal beziehungs­weise einer Vorstellung von „reiner Sprachlichkeit“ anhängen. Letztere ist die große Gegen­spielerin zum „neuen Bild der Sprache“, wobei sie offenbar durch die Vorstellung einer starren und un­veränderlichen Verbindung von Zeichen und Be­zeichnetem geprägt ist und nach Lobin eher in schriftlichen Konstrukten als in der Mündlich­keit zu finden ist. Will der Autor mit diesem schwammigen Begriff vielleicht die Gegner von Anglizismen und Rechtschreib­reformen charakteri­sieren, fragt man sich auf der Suche nach Greif­barem?

11. 9. 2018

: Falsche Rechtschreibung im Potsdamer Hauptbahnhof. Märkische Allgemeine, , s. 16, Potsdam, Leserbriefe
Der Beitrag in der MAZ über die Rechtschreib­reform hat mich wieder daran erinnert, dass man bei der Ankunft im Potsdamer Haupt­bahnhof auf jedem Bahn­steig mit „Herzlich Will­kommen“ begrüßt wird.

7. 9. 2018

: Kündigung, vollständig durchgeführt! (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Politik, Fraktur
Uns schockierte […] Björn Höckes Outing, sein F.A.Z.-Abonnement gekündigt zu haben. Das ist zwar schon fünfzehn Jahre her, doch wärmte der AfD-Mann seine Heldentat jetzt auf einer Wahlkampf­veranstaltung auf […]. Endgültig gekündigt, so bekannte Höcke, habe er das Abo, „als diese Zeitung, eine damals eher kon­servative Zeitung, dann von der alten bewährten Recht­schreibung auf die neue Schlecht­schreibung umgestellt hat […]. Leider hat aber auch dieser Teil der Begründung Schwächen. Höcke kündigte, wie er selbst sagte, im Jahr 2003. Da wandte die F.A.Z. freilich schon drei Jahre lang wieder die alte Recht­schreibung an – für deren Erhaltung sie bis zum letzten Buchstaben gekämpft hatte wie keine zweite Zeitung im teutschen Sprachraume, Herr Höcke! Erst 2007 übernahmen wir, um der Einheitlich­keit willen, eine Reform­schreibung, der – so un­bescheiden wollen wir einmal sein – auch dank unseres Wider­standes gravierende Mängel aus­getrieben worden waren.

6. 9. 2018

: 1998: Krieg dem Tollpatsch. (der Freitag), , Politik, Inland (1103 wörter)
Die Rechtschreib­reform. Der Krieg um sie geht jetzt ins 20. Jahr, weil es echten Kriegern immer schon egal war, ob sie verloren oder gewonnen hatten. So wird uns die FAZ in zehn Jahren an den Dreißig­jährigen Krieg um die Recht­schreibung erinnern, wie es Heike Schmoll am 1. August 2018 zum 20. Jahres­tag der Einführung dieser Reform tat.
: 20 Jahre Rechtschreibreform: Buchstabensalat kontra Regelwerk. (Tiroler Tageszeitung), , panorama, Wissen
„Ich erinnere mich noch gut, dass ich damals enttäuscht war“, erzählt der ehemalige SPÖ-Bildungs­sprecher im Nationalrat, Erwin Nieder­wieser: „Keine Klein­schreibung, keine Ver­einfachung, Varianten, deren Sinn sich mir nicht eröffnen wollte, und dergleichen mehr.“ Inzwischen ist Nieder­wieser seit fünf Jahren Mitglied im zwischen­staatlichen „Rat für deutsche Recht­schreibung“ und jetzt „verstehe ich, weshalb das so ist“, sagt er […].

31. 8. 2018

: Auch mit 76 Anwalt der deutschen Sprache. Reussbote, , s. 30, Region
Werber, Schreiber, Texter, Kommunikator. In Hansruedi Wehrlis Leben dreht sich alles um die Sprache. […] Ein Porträt eines erfolg­reichen Mannes, der auch mit 76 noch täglich in seinem Büro steht. […] Woher kommt dieser ver­bissene Kampf gegen die Verhunzung und gegen die Sexuali­sierung der Sprache? Hans­ruedi Wehrli überlegt einen kurzen Moment und sagt: «Die neuen Medien machen die Sprache kaputt. […]» […] Er findet die «von oben» ve­rordnete Rechtschreibe­reform in den Schulen ein Debakel. Die Schweizer Ortho­graphische Konferenz SOK, deren Mitglied er ist, be­förderte den neuen Schüler-Duden glatt auf den Mond.

30. 8. 2018

: Deutschkurs für Sattelweiche. Die Südostschweiz, , nr. 201, s. 12, Meinung, Rauchzeichen (469 wörter)
Im Gegensatz zur Schweiz und Öster­reich haben die grossen deutschen Verlage und viele senile Schrift­steller damals die Reform leider nicht ganz­heitlich akzeptiert, obwohl sie viel zu wenig weit ging. Sie beharrten sogar auf dem un­säglichen Doppel-S (nichts weiter als ein ver­krüppeltes grosses «B») und auf unseren Tastaturen zum Glück ober­flächlich nicht vorhanden.
: Schnitzel Kebap Bar. , , Meinung
Mit der Rechtschreib­reform lässt sich kein Hund mehr hinter dem Ofen hervor­locken, und nur verwundert blickt man zurück auf das, was in den 1990er Jahren an Diskussionen über die Reform der deutschen Orthografie angezettelt wurde. Mit schweren Geschützen wurde da gekämpft, der sofortige Untergang des Abend­lands an die Wand gemalt […].

29. 8. 2018

: Die neue Rechtschreibung ist besser als ihr Ruf. , , Lektorenblog
Am 1. August 2018, genau zwanzig Jahre nach dem flächen­deckenden Inkrafttreten der Rechtschreib­reform, ver­öffentlichte die FAZ einen Artikel, der die Vereinfachung der deutschen Recht­schreibung als „gründlich misslungen“ bezeichnet. […] Offen­sichtlich taugt diese Frage auch heute noch dazu, die Gemüter derjenigen zu erregen, die sich Rechtschreib­regeln als un­veränderliche Naturgesetze wünschen. Bei genauer Betrachtung handelt es sich bei diesem Artikel aber eher um das sprach­puristische Pamphlet einer Reform­gegnerin der ersten Stunde […].

26. 8. 2018

: Städtenamen im kuriosen Check. (Oberpfalz Medien), , Oberpfalz
Was bringt Pfreimd deutschland­weit Platz zwei auf einer Städte­namen-Hitliste ein? Der einsilbige Name besteht aus sieben Buchstaben. […] Angesichts 20 Jahre Rechtschreib­reform haben sich die Reise­experten auf die Suche nach den kompli­ziertesten Städte­namen Deutsch­lands gemacht. Seit dem 1. August 1998 sollten die Regeln der neuen deutschen Rechtschreib­reform den Deutsch­sprechenden die Rech­tschreibung erleichtern. Wie die Experten zu der Einschätzung kommen, dass das "an so mancher deutschen Stadt vorbei­gezogen" zu sein scheint, erschließt sich zwar nicht ganz: Eine Stadt kann ja kaum zwecks der Rechtschreib­reform ihren Namen ändern.

23. 8. 2018

: Reisefreiheit nur mit scharfem S. Roßdorf oder Rossdorf - mit dieser Frage hat sich das Verwaltungsgericht beschäftigt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 195, s. 40, Rhein-Main-Zeitung, Rhein-Main & Hessen (360 wörter)
Die Rechtschreibreform ist ein Ärgernis nicht nur für viele Schüler gewesen. Auch Hunderte Schrift­steller und Wissen­schaftler hatten damals die "Frank­furter Erklärung" für einen Stopp der Reform unter­schrieben. […] wie soll es dann erst einem afgha­nischen oder pakista­nischen Grenz­soldaten gehen? Etwa bei der Frage der richtigen Verwendung von Eszett […] oder dem doppelten S. […] Mit solchen sprachlichen Details hat sich gestern das Verwaltungs­gericht Darmstadt beschäftigen müssen. Anlass war die Klage eines 74 Jahre alten Mannes, der auf eine Änderung der Schreibweise seiner Wohn­gemeinde Roßdorf drängte. […] die Gemeinde hatte […] mit Rücksicht auf den Mann bis 2012 bei der Verlängerung seines Reise­passes Rossdorf eingetragen. Der Grund: Wie der Kläger berichtete, sei ihm bei einem Grenz­übertritt von Afghanistan nach Pakistan in den siebziger Jahren Urkunden­fälschung vorgeworfen worden. Die Grenzsoldaten, so trug er dem Gericht vor, hätten das scharfe S als ein B gelesen […]. Nachdem die Gemeinde bei der Pass­verlängerung eine abermalige Eintragung von "Rossdorf" verweigerte, reiste der Mann nicht mehr in Länder wie Pakistan ein, da er eine Wiederholung des Vorfalls fürchtete.

Die FAZ lässt keine gelegenheit für einen seitenhieb gegen die rechtschreib­reform aus. Nur: Was haben die probleme pakistanischer grenz­soldaten in den siebziger jahren damit zu tun? Aus unserer sicht – aber nicht aus der der FAZ und schon gar nicht aus der der hier völlig deplatzierten frank­furter erklärung – ergibt sich durchaus ein passender vorwurf an die reform von 1996: dass das ß nicht (wie in der Schweiz) ganz abgeschafft wurde.

17. 8. 2018

: Rechtschreibung – jeder wie er will. , , Politik, Meinung
Schreiben ist Kommunikation. Wer schreibt, möchte gelesen – und ver­standen werden. Um das zu ge­währleisten, hat man sich auf ein Regel­werk geeinigt.

stellungnahme

16. 8. 2018

: Die Seele des Gedichts. Der zu DDR-Zeiten aus Greiz vertriebene Reiner Kunze wird 85 und lässt noch immer die Poesie sprechen. Thüringische Landeszeitung, , s. 20, Kultur & Freizeit (832 wörter)
Seine Verweigerung der vor 20 Jahren eingeführten Rechtschreib­reform ist legendär. Ihn schmerzt es, wie die über Jahr­hunderte gewachsene Sprache deformiert wird "vom Hoch­entwickelten zum Primitiven, vom Unmiß­verständlichen zum Miß­verständlichen".

13. 8. 2018

Pappplakat ist falsches Beispiel. Rechtschreibreform im Ganzen oft sinnvoll. Thüringische Landeszeitung, , s. 20, Leserbriefe (130 wörter)
Dr. Peter Notni aus Jena schreibt zum Bericht über die Rechtschreib­reform: Das erste Beispiel auf dem Bild (Papppla­kat) ist gerade nicht typisch: es wurde schon vor der Reform so ge­schrieben […].

11. 8. 2018

: Mon Berlin: Euer ß ist unser Circonflexe. Der Tagesspiegel, , s. 6, Meinung (518 wörter)
Die Deutschen sind nicht die Einzigen, die ihre Sprache aus dem Formal­dehyd holen wollen, in dem die Puristen sie gerne bewahren würden. 1990 hat sich die Académie française entschieden, Molières Sprache zu ver­einfachen, und - stellen Sie sich vor - den Zirkum­flex ab­zuschaffen […]. Es sind die gleichen Argumente wie in Deutschland: Vom Niveau­verfall ist die Rede, und vom Chaos im Kopf der Kinder (und Ausländer). Die Franzosen sind nicht im gleichen Maße über ihre Reformer her­gefallen wie die Deutschen […].

9. 8. 2018

: Ein exquisiter Bursche. Basler Zeitung, , s. 19 (529 wörter)
Wenn man keine anderen Sorgen mehr hat, macht man sich gern solche wie diese: Braucht die deutsche Sprache einen neuen Umgang mit ihrem ex­quisitesten Zeichen, mit dem scharfen S, […] wie es in ge­schriebenen Wörtern wie «Muße» oder «büßen» vorkommt? Die deutsche Rechtschreib­reform hat dessen Bedeutung etwas geschmälert […]. Ganz abschaffen mochten die deutschen Sprach­regulierer das seltsame Zeichen nicht, während es in der Schweiz schon seit Jahr­zehnten praktisch aus­gerottet ist. Dies mit gutem Grund […].
: Das „dass“ kommt aus der Schweiz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 20, Briefe an die Herausgeber (197 wörter)
Jedoch gar nicht so deutlich und gar nicht immer wieder wird darauf hin­gewiesen, dass das „daß“ mit „ss“ ge­schrieben werden muss, weil der schweizerische Vertreter mit dem Hinweis das Gremium erpresst hatte, wenn nicht „dass“ geschrieben wird, er die Ver­anstaltung verlassen werde.

7. 8. 2018

: Deutschstunde: Saure Gurken und ein überflüssiges Jubiläum. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung (601 wörter)
Beim Absuchen der runden Jahrestage waren einige Kollegen auf „20 Jahre Rechtschreibreform“ als Sommer-Thema gestoßen. Auf dieses Jubiläum hätten wir gut verzichten können. Erstens wurde die neue Rechtschreibung in den meisten Ländern am 1. August 1998 nur probeweise eingeführt. Wer in der Schule nach alter Norm schrieb, bekam keinen Fehler, sondern den Hinweis „veraltet“. Die Medien folgten erst am 1. August 1999 (fürs nächste Jahr vormerken!), aber nicht in Schleswig-Holstein.
: Nicht lautgetreu. Hannoversche Allgemeine, , s. 6, Leserforum (520 wörter)
Die Rechtschreib­reform hat nach meiner Ansicht drei entscheidende Geburtsfehler: Der erste ist, dass sie mit Rücksicht auf die Schreib- und Lese­gewohnheiten der Deutschen einfach nicht konsequent durchgeführt wurde. […] Der weitaus größte Geburts­fehler aber ist der Irrglaube, dass Schüler Wörter richtig schreiben, weil sie die Regel kennen. In den aller­meisten Fällen […] haben sie die richtige Schreib­weise des Wortes aufgrund langjähriger Übung und als optisches Ganzes abgespeichert […].
: Reform oder Flop? (Passauer Neue Presse), , Niederbayern (811 wörter)
"Gott sei Dank", sagt Josef Kraus, "hat sich die radikale Klein­schreibung und die Total­eindeutschung von Fremd­wörtern nicht durchgesetzt." Anfangs war im Gespräch, Fremd­wörter, deren Ursprung meist in einer anderen Sprache liegt, ein­zudeutschen.

Aha, der ursprung der fremd­wörter liegt meist in einer anderen sprache. Wir befürchteten schon, das sei immer der fall.

4. 8. 2018

: Die Rechtschreib-Reformer waren ihrer Zeit voraus. Schweiz am Wochenende, , s. 20, meinung & debatte (229 wörter)
20 Jahre danach herrscht vor allem eines: Wildwuchs. Für Menschen, die Ein­deutigkeit und Klarheit mögen, ist die De­regulierung der Sprache ein Gräuel […]. Die De­regulierung wäre auch ohne Rechtschreib­reform gekommen, aber für einmal waren die Behörden mit ihrer amtlichen Sprach­verwirrung schneller.

Ein paar varianten sind keine de­regulierung der rechtschreibung (wie üblich werden sprache und schreibung durcheinander gebracht). Und wie sich die neuen medien auf die rechtschreibung auswirken, weiss man noch nicht; nicht aus­geschlossen ist eine stärkere fixierung der norm.

2. 8. 2018

: Wenig geholfen — aber nicht gross geschadet. Walliser Bote, , s. 25, Hintergrund (325 wörter)
«Man muss immer wieder sagen: Die amtliche Recht­schreibung betrifft ja die Verwaltung, Gesetzes­texte, Schule, Uni­versitäten», sagte der Sprach­forscher. «Im Prinzip kann letztlich im Privat­bereich jeder schreiben, wie er will.» Bei so manchem Rechtschreib­fanatiker wird Schablonski [Peter Schlobinski] damit für Verdruss sorgen.
: Wer das Elend in Deustschland im Jahre 2018 ... (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Lesermeinungen
.... erfahren will, der lese die Kommentare hier. Weinerlich, recht­haberisch und gerne ein bisschen größen­wahnsinnig präsentiert sich jener Deutsche, der oder auch die sich für die schweigende Mehrheit und Vertreter des sog. "gesunden Menschen­verstand" halten. Und natürlich war früher alles besser.
: Der Han’s kauft Anana’s. Süddeutsche Zeitung, , 74. jg., nr. 176, s. 28, Bayern
20 Jahre nach der Rechtschreibreform entfaltet sich der orthografische Wildwuchs ungebremst. Der Deppen­apostroph […] ist vital wie nie. Nun sehen sich die Sprach­forscher an den bayerischen Unis mit neuen Phänomenen konfrontiert. Das Aufkeimen des Deppen­leerzeichens geht dabei einher mit dem Verschwinden des Bindestrichs. Um die Sprache zu vereinfachen, wurden zuletzt Wörter wie Land-Tag, Haus-Nummer und Post-Leit-Zahl mit Bindestrich geschrieben. Die Verwirrung um Bindestrich sowie um Getrennt- und Zusammen­schreibung war der ideale Dünger für das Deppen­leerzeichen […].
: Das "ß" ist weg: "Konnopke's Imbiß" bestohlen. (Rundfunk Berlin-Brandenburg), , Panorama
Pikant an der Geschichte: Der ß-Diebstahl am Mittwoch fällt mit dem 20. Jahrestag der Rechtschreib­reform zusammen. […] Ist der Klau also ein Statement gegen den ß-Verlust? […] Doch Konnopke's antwortet: "Unsere Firmierung ist so seit jeher Markenrechtlich geschützt. Wir ändern unseren Namen nicht mit jeder Rechtschreibreform." […] Und weiter: "Wir sind ja schon einiges gewöhnt hier im Prenzlberg ... aber das ist echt was neues und die Härte."

«Konnopke’s Imbi» steht jetzt da. Immerhin hat – dank der gross­zügigeren apostrof-regelung – die zahl der «fehler» in der beschriftung durch die rechtschreib­reform nicht zugenommen.

1. 8. 2018

: Happy Birthday Rechtschreibreform. (Neue Zürcher Zeitung), , Feuilleton
Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, vertrat gegenüber der «Neuen West­fälischen» die Auf­fassung, die Reform habe der deutschen Sprache nur wenig geholfen, aber auch nicht «gross geschadet».
: Bilanz der Rechtschreibreform: Auch nach 20 Jahren macht jeder, was er will. , , Politik
Nicht wenige gingen dazu über, das „ß“ ganz aus ihren Überlegungen zu tilgen, obwohl es doch, weiß Gott, seine Existenz­berechtigung nicht vollends verloren hat. Für diejenigen, die Rechtschreib­regeln ohnehin als lästige Pflicht verachteten und sich ungern von Besser­wissern belehren ließen, wurde die Reform zum Freibrief, alles anders zu machen.

Die deutsche angst vor dem verlust von sekundär­tugenden.

Von der Aufregung zur Akzeptanz. , , Kultur
Mittlerweile habe sich die Aufregung aber gelegt, sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrer­verbandes, dem Evangelischen Presse­dienst. In der Schulpolitik, aber auch in Gesprächen mit Lehrern und Eltern sei die Rechtschreib­reform kein Thema mehr, führte Meidinger aus, der selbst Schulleiter im bayrischen Deggen­dorf ist. Vor zehn Jahren sei das noch anders gewesen.
: "Lassen wir besser alles so, wie es jetzt ist." Linguist über 20 Jahre Rechtschreibreform. , , Interview
Zwanzig Jahre und eine Reform der Reform später empfiehlt der Sprach­wissenschaftler Peter Schlobinski, Frieden mit der neuen Recht­schreibung zu schließen. […] Manche Neuerungen taten fast allen optisch weh: Etwa "Grislibär" mit "s" und "i" statt mit zwei "z" und "y" (Grizzlybär) oder "Majonäse" mit "j" und nur einem "n", statt wie bisher mit "y" und zwei "n" (Mayonnaise). Als sie abgeschafft wurden, war die Freude bei vielen groß. Sollten nicht viele andere Neuerungen ebenfalls wieder rückgängig gemacht werden? "Bitte, nicht", sagt Peter Schlobinski […].
: Pro und contra Reform. , , Campus & Karriere (2093 wörter)
Die Rechtschreibreform mit ihren vielen Varianten sorge immer noch für Verwirrung, kritisiert der frühere Deutsch­lehrer Fried­rich Denk. Die Leiterin der Duden-Redaktion Kathrin Kunkel-Razum sieht das Problem an anderer Stelle: Rechtschreib- und Grammatikunterricht kämen in der Schule zu kurz. […] Über die Folgen der Rechtschreib­reform, die vor 20 Jahren endgültig in Kraft getreten ist, sprechen wir jetzt mit zwei Menschen, die dazu unter­schiedliche Ansichten haben. Auf der einen Seite Kathrin Kunkel-Razum, sie ist Leiterin der Duden-Redaktion und Mitglied im Deutschen Rechtschreib­rat.
: Kampf um die deutsche Sprache. (Deutsche Welle), , Themen
Viel übrig geblieben sei also nicht von den ursprünglich weit­reichenden Reformplänen, so Meidinger. Zwar halte er einige der Regelungen für sinnvoll, aber die seien den Aufwand nicht wert gewesen: "Das hätte man mit zwei, drei Neuauflagen des Dudens auch hingekriegt." So hätte man sich viel Geld und Ärger ersparen können. Er hält es für fraglich, ob die "riesige Erwartungs­haltung", man könne die deutsche Recht­schreibung deutlich einfacher und logischer gestalten, jemals gerechtfertigt war. Gleich­zeitig seien aber auch die Warnungen vor einem Kultur­verfall über­trieben gewesen. Dieser sei offen­sichtlich nicht ein­getreten.
: Deutsche rechtschreibung? Besser als ihr ruf. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Lesermeinungen
Groß- und kleinschreibung sind besser als früher. Das schlimmste aber ist, nicht die gemäßigte klein­schreibung eingeführt zu haben: Satz­anfang und eigen­namen groß, alles andere klein. Das hatte die politik aber vorab verboten.Toll!
: 20 Jahre Schreibanarchie. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , nr. 176, s. 1, kommentare (332 wörter)
Von Anfang an war klar, dass der Versuch, die deutsche Recht­schreibung zu vereinfachen, schief­gehen würde. Denn sie ist viel besser als ihr Ruf.
: Sprachkämpfer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 176, s. 8, Zeitgeschehen (422 wörter)
„Wenn man sich professionell mit Sprache beschäftigt, dann hat man einen riesigen Respekt vor dieser Sprache“, sagt Eisenberg. Er hat ihre komplexe Struktur so duch­drungen und weiß, dass Sprache solche gewalt­samen Eingriffe nicht verträgt wie bei der Rechtschreib­reform, die am 1. August 1998 ein­geführt wurde.
Bilanz nach 20 Jahren. Kölner Stadt-Anzeiger, , s. 1, front (46 wörter)
Im digitalen Zeitalter erscheint dieser hitzige Kultur­kampf wie eine ferne Erinnerung aus längst ver­gangener Zeit.
: Als aus dem Kuß ein Kuss wurde. Kölner Stadt-Anzeiger, , s. 13, kinderseite (891 wörter)
Wunderst du dich manchmal, dass deine Groß­eltern einige Wörter anders schreiben als du? Das liegt daran, dass sie noch eine andere Recht­schreibung gelernt haben. Heute vor 20 Jahren gab es nämlich die sogenannte Rechtschreib­reform.
Wunderst du dich sehr oft, dass viele leute viele wörter anders schreiben als du? Das liegt daran, dass sie keine recht­schreibung gelernt haben oder sich so wenig darum kümmern wie du vermutlich auch!
: Kulturkampf um Delfin und Känguru. Kölner Stadt-Anzeiger, , s. 20, Kultur (612 wörter; = berliner-zeitung.de 1. 8. 2018)
20 Jahren wurde die umstrittene Rechtschreib­reform auf den Weg gebracht – Eine Bilanz in digitaler Zeit.
: Treppenwitz der Geistesgeschichte. Leipziger Volkszeitung, , s. 1, Leitartikel (434 wörter)
Wissen Sie noch, wie das damals war? Als viele noch wussten oder gar fühlten, wie recht­zuschreiben war? Und erinnern Sie sich, warum es heute nicht mehr so ist? Genau: die Rechtschreib­reform.
: Wie war das noch mit dem Eszett? Leipziger Volkszeitung, , s. 3, Blickpunkt (1235 wörter)
Heute vor 20 Jahren haben die Deutschen gelernt, anders zu schreiben. Am ersten August­tag wurde die Rechtschreib­reform eingeführt – unter lauten Protesten und großem Wehklagen über drohenden Kultur­verlust. Wie schreiben wir heute? Und welchen Stellen­wert hat korrekte Schreib­weise in Zeiten von Whats­app und Twitter überhaupt noch? […] Große Schrift­steller wie Martin Walser, Siegfried Lenz und Günter Grass wetterten damals gegen die „Schlechtschreib­reform“. Die „Zeit“ ver­öffentlichte noch sechs Jahre später eine Typologie der Rechtschreib­gegner, vom nostalgischen Beraubten bis hin zum oberlehrer­haften Demagogen. In Zeiten von Sprach­nachrichten und schnellen Internet­posts erscheinen diese emotionalen Ergüsse befremdlich […].
: Schlechte Noten im Diktat. Leipziger Volkszeitung, , s. 3, Blickpunkt (349 wörter)
Experten und Politiker bemängeln: Die Rechtschreib­kompetenz deutscher Schüler lässt nach. […] Stefan Düll, stell­vertretender Vor­sitzender des Deutschen Philologen­verbandes und Gymnasial­lehrer für Deutsch, Englisch und Geschichte, will sich dem Kulturpessimismus nicht anschließen. „Ob die Rechtschreibkompetenz nicht auch ohne Reform abgenommen hätte, weiß niemand zu sagen. Wir haben ja keine Vergleichs­gruppe, die weiter­hin nach der alten Recht­schreibung lernt“, argumentiert er.
: Braucht man korrekte Schreibung noch? Hans Zehetmair über 20 Jahre Rechtschreibreform und Orthografie als Mittel im Kampf gegen Manipulation. Mannheimer Morgen (), , s. 25, Kultur (509 wörter)
20 Jahre Rechtschreib­reform, es ist ruhig geworden um das Thema. Wie sehen Sie es heute? Hans Zehetmair: Es war eine auf­regende Zeit. Es wurde über die Wichtig­keit der Sprache diskutiert, das begrüße ich. Die Bilanz ist gut.
20 Jahre neue Rechtschreibung - Fluch oder Segen? (Mitteldeutscher Rundfunk), , MDR Kultur
Seine Ablehnung bekundete damals schon der Sprach­wissenschaftler Peter Eisen­berg von der Uni­versität Potsdam, an der er vor 20 Jahren lehrte. Denn "das Deutsche ist leicht zu lernen, es hat eine starke innere Logik. Es gab keinen Grund, sich daran zu vergreifen", sagt er im Gespräch mit MDR KULTUR. Der einzige Grund sei ein politischer gewesen, kein ortho­grafischer. "Ich habe immer etwas dagegen, wenn sich Politik über Sprache hermacht." Ur­sprünglich sei die Debatte um die deutsche Ortografie eine West-Ost-Annäherung gewesen, so Eisenberg.
: "Die Sache mit den SZs" - Clemens Meyer über 20 Jahre Rechtschreibreform. (Mitteldeutscher Rundfunk), , MDR Kultur
Aber was hat's denn nun auf sich mit der Deutschen Rechtschreib­reform, die ja natürlich nicht die erste war ... Außer der Sache mit den SZs ist ja gar nichts hängen­geblieben, oder? Weder beim Dichter, noch beim Bürger.
: Rechtschreib-Deform – wirklich ein Erfolgsmodell? , , Lokales, Leserbriefe
Anlass und Motive der Ver­antwortlichen, die mit der Wieder­vereinigung Deutsch­lands auch den Zeitpunkt gekommen sahen, die Schrift­sprache im deutsch­sprachigen Raum um­zukrempeln, bleiben in den „Bilanz“-Berichten weitgehend unerwähnt.
: Lehrerverband kritisiert deutsche Sprache: „Die Rechtschreibreform war den Aufwand nicht wert.“ (Neue Osnabrücker Zeitung), , Gut zu wissen
Noch vor der eigentlichen Umsetzung regte sich jedoch großer Widerstand gegen die Reformpläne. Wichtige Ziele wie die ge­mäßigte Klein­schreibung oder die Anpassung der Vokal­länge wurden verhindert und führten zu einer verhaltenen Reform, wie Kritiker bemängeln. Die Zusammen­setzung der zuständigen Kommission, die nur aus Wissen­schaftlern und nicht aus Vertretern von Verlagen, Zeitungen und der Lehrerschaft bestanden habe, wurde ebenfalls kritisiert. „Auch das hat der Rechtschreib­reform im Endeffekt vermutlich den Hals gebrochen“, sagt Sabine Krome von der Geschäfts­stelle des Rats für deutsche Recht­schreibung.
: Beim 2. Bild. , , einestages, leserkommentar
Völlig aus dem Ruder gelaufen ist die Sache bei der Großschreibung: die wirklich sinnvolle Reform wäre gewesen, wie in fast allen anderen Sprachen nur am Satz­anfang und bei Eigennamen groß zu schreiben. Bei der Gelegen­heit hätte man auch das "ß" gleich mit beseitigen können.
: Da ist der Spiegel zu früh eingeknickt. , , einestages, leserkommentar
Ich schreibe noch heute so, wie vor der Rechtschreib­reform und ecke damit über­haupt nicht an, weil die meisten Menschen eh nicht mehr genau wissen, wie es jetzt richtig wäre.

Wir wissen, dass es hier ein komma zuviel hat – nach neuer und alter rechtschreibung.

: Danke für den Beitrag! , , einestages, leserkommentar
Meine Lieblingsgedanken­flatulenz der Gegner, damals wie auch heute wieder - auch elendig im Beitrag ausgewälzt -, ist übrigens der mit normal­denkendem Geist nicht nach­vollziehbare Logik­krepierer, die Reform stelle nie da­gewesenen "Bürokratie­wahn" (wird sonst nicht überall moniert, dass sich Bürokratie eben NICHT verändern und sich an Realitäten anpassen will?) und geradezu faschistisch anmutende autoritäre Bevormundung des freien Wortes dar... als hätte es zuvor keine staatlich vorgeschriebene, verbindliche Recht­schreibung gegeben.
: Dann schreib doch, wie du willst. Rechtschreibreform 1998. , , einestages
Erste Reformpläne gab es, genau genommen, schon 1944.

Das ist, genau genommen, ein riesenblödsinn.

: Das Streiflicht. Süddeutsche Zeitung, , 74. jg., nr. 175, s. 1
Wollte man den Schmetterlings­effekt trotzdem in sehr freier Anwendung auf sie umlegen, könnte man einer Winzigkeit wie der Neu­schreibung der Gemse als nunmehr Gämse die Schuld dafür zuschieben, dass einer wie Reiner Kunze in Bitterkeit verfiel und sich aus dem Haus seiner Sprache aus­gesperrt fand. Woran die Frage zu schließen wäre, ob es dafür­steht, das zweifelhafte Glück der Gämse mit dem Unglück eines Dichters zu erkaufen.
: Als der Grizzlybär noch der Grislibär war. Südkurier, , s. 13 (491 wörter)
Bei aller Kritik gibt es auch positive Stimmen: Kinder müssten die Recht­schreibung nicht mehr als Bündel von Einzel­fällen erlernen, die Anzahl der Regeln habe sich ver­ringert, erklärt Andrea Water­meyer von der Wester­mann-Gruppe.
: „Zerstörungsakt“ oder Vereinfachung? Thüringer Allgemeine, , s. 9, Kultur in Thüringen
"Der gesellschaft­liche Konsens über das, was in der Recht­schreibung richtig oder nicht richtig ist, ist zerstört worden", sagt Eisen­berg.

8. 2018

: Nicht antiquiert! NZZ Folio, , nr. 325, s. 19, Leserbriefe (103 wörter)
Ich gratuliere der Redaktion des NZZ-Folios, dass sie den Mut hat, die alte Ortho­graphie bei­zubehalten.

Stellungnahme von 2011.

31. 7. 2018

: 20 Jahre Rechtschreibreform – als daß zu dass wurde. Berliner Morgenpost (), , s. 23, Ratgeber & Wissen (965 wörter)
Nie wieder in diesem Jahr­hundert werde sich in Deutschland jemand an eine Reform der Recht­schreibung wagen. Heinz-Peter Meidinger ist sich da ziemlich sicher. „Das war eine heiße Zeit“, erinnert sich der Präsident des Deutschen Lehrer­verbandes an die Jahre rund um die Reform, die morgen vor 20 Jahren in Kraft getreten ist […]. Die Idee, die bereits seit den 1980er-Jahren diskutiert wurde, war eine Ver­einfachung der Recht­schreibung.

So sehen stammtisch-zeitbegriffe aus. Wenn der lehrerpräsident damit gleich weit daneben liegt wie die journalistin, besteht kein grund zur beunruhigung.

: Der 1. August: Schicksalstag der Rechtschreibung. , , Meinungen (2204 wörter)
Über das Problem Rechtschreib­reform sind in der breiteren Öffentlich­keit bis heute zu wenige Informatio­nen bekannt. Zeit, den 1. August als Anlass zu nehmen, um über einige Hinter­gründe zu berichten.

Typische einleitung für verschwörungs­teorien. Zum nazivorwurf unsere stellungnahme: «Konrad Duden statt national­sozialisten».

30. 7. 2018

: Das Ende der Majonäse. Der Tagesspiegel (), , s. 21, Wissen & Forschen (1357 wörter)
Majonäse, Grislibär und Ketschup - sie sind Geschichte. Als der Rat für deutsche Rechtschreibung die Regeln vor zwei Jahren über­arbeitete, strich er diese seit der Rechtschreib­reform erlaubten Schreibweisen. […] Neue Aufgaben ergeben sich für den Rat auch durch die Digitalisie­rung […]. Für neue Rechtschreib­aufregung ist ebenfalls gesorgt: Im November will der Rat Vorschläge zur geschlechter­gerechten Schreibung machen. Anders als die große Rechtschreib­reform vor zwanzig Jahren dürfte es das Gender­sternchen aber wohl nicht bis vor das Bundesverfassungs­gericht schaffen.
: So hat die Rechtschreibreform unser Deutsch verändert. Bilanz nach 20 Jahren. , , Leben
Ob die höhere Fehlerquote bei Schülern tatsächlich auf die neue Recht­schreibung zurückgeht, das ist für den Präsidenten des Deutschen Lehrer­verbands, Heinz-Peter Meidinger, fraglich. […] Meidinger sagt aber auch ganz klar über die Reform: "Wir hätten das ganze Unternehmen nicht gebraucht." […] Heute glaube niemand mehr an die Vision, die Recht­schreibung ver­einfachen zu können, und auch die Lust darauf fehle nach der lang­jährigen Auseinander­setzung. "Ich bin mir sicher: Die Politik hat ihre Lektion gelernt", sagt Meidinger.
: Rechtschreibreform ist weiter umstritten. , , Leser, Leserobmann
20 Jahre nachdem die "Neu­regelung der deutschen Rechtsreibung" in Kraft getreten ist, gibt es noch keine ein­heitliche Reform­schreibung.

Aber an Rechtsreibung/Rechtschreibung sind wir nicht schuld.

29. 7. 2018

: „Viel Wind um recht wenig.“ (Rheinische Post), , Panorama, Deutschland
„Es war eine hoch­emotionale Debatte“, erinnert sich Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrer­verbandes und Ehren­vorsitzender des Deutschen Philologen­verbandes. […] „In der Rückschau muss man sagen, es war unheimlich viel Wind um recht wenig“, bilanziert Meidinger. Für das Resultat hätte man keine Rechtschreib­reform gebraucht. „Das, was an Änderungen übrig geblieben ist, das hätte man auch so wie früher von Auflage zu Auflage des Dudens regeln können.“

Es war ja eigentlich auch keine rechtschreibreform. Und was man auch hätte tun können und nicht getan hat, ist kein argument gegen das, was getan wurde.

28. 7. 2018

: Wie eine Butike ohne Scharm. Vor 20 Jahren trat die neue Rechtschreibung in Kraft; was hat sie uns gebracht? Kölnische Rundschau, , s. 24, Magazin, Leben (947 wörter)
In der deutschen Recht­schreibung wimmelt es mittler­weile von sogenannten (oder auch so genannten) Varianten, eine Sowohl-als-auch-Mentalität hat sich durch­gesetzt.

Stellungnahme: Es gibt durchaus gute gründe für eine gute ortografie.

: Testen Sie sich: diffizil oder difizil? Express, , s. 3, Report
20 Jahre Rechtschreib­reform, können Sie sich erinnern? […] Würden Sie alles richtig schreiben? Be­antworten Sie 20 Fragen, mit denen Sie Ihre Recht­schreibung überprüfen können.

26. 7. 2018

: Die Reform der Rechtschreibreform: Regeln seit zehn Jahren in Kraft. (Austria Presse Agentur), , Kultur & Gesellschaft
Auch wenn die Reform sehr umfassend war, konnten aber nicht alle geplanten Vorhaben umgesetzt werden, zieht Peter Ernst, öster­reichisches Mit­glied des Rates für deutsche Recht­schreibung, Bilanz. "Vor allem sind sie am Widerstand der Bevölkerung und der zu­ständigen Politiker, die die Maßnahmen ratifizieren müssen, gescheitert. Etwa bei der Schreibung einzelner Wörter." Trotzdem zeigte Ernst sich über­zeugt von der Reform. Sie sei schon lange notwendig gewesen und "sicherlich ein wichtiger Schritt in Richtung größere Systematik der Recht­schreibung und leichteren Erlernbar­keit", so der Germanist gegenüber der APA. Laut Ernst bemängelten einige Sprach­wissenschafter bis zuletzt, dass die Regelung zu viele Ein­geständnisse an die Kritik machte und folglich in einigen Bereichen in­konsequent gewesen wäre.

«Sehr umfassend» – na ja …

24. 7. 2018

: „Alle sollten richtig schreiben.“ Hannoversche Allgemeine (), , s. 23, Kultur & Leben (697 wörter)
Vor 20 Jahren wurde die Rechtschreib­reform eingeführt. War das eine gute Idee? Und warum bloß schreiben heute alle falsch? Fragen an Schul­buch-Expertin Andrea Water­meyer.

Stellungnahme: Nicht alle sollten «richtig» schreiben.

11. 7. 2018

: Das süstem ist zu bekwem. Eine Fibel für junge Revolutionäre – das «kleine rote schülerbuch». Neue Zürcher Zeitung, , 239. jg., nr. 158, s. 36, Feuilleton (490 wörter)
So wird in übersichtlichen, kurzen Abschnitten und ziemlich redundant argumentiert; die deutsche Fassung bezieht auch ortho­graphisch Position, indem sie auf Klein­schreibung setzt und «über­flüssige» Buchstaben wie y und q aus dem Alphabet – Ver­zeihung: dem alfabet – verbannt.

25. 6. 2018

Sprache muss lesbar sein und bleiben. Kölnische Rundschau, , s. 7, Dialog
Zum Bericht über die Duden­redaktion, die sich gegen geschlechter­gerechtes Schreiben aus­gesprochen hat, zum Pro und Contra dazu sowie zu Leser­briefen haben sich sechs Leser Gedanken gemacht. […] Paul Kalbhen: Der Unsinnigkeit und der Un­verständlichkeit der diskutierten – akademisch gefärbten – Rechtschreib­reform kann man wohl nur mit „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ (im Sinne des Dichters C. D. Grabbe) begegnen […] – ohne „Trans­gender“ und andere mögliche Sternchen.

21. 6. 2018

: Großes : Ein Buchstabe mit Integrationsproblemen. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Feuilleton (1432 wörter)
Als man im neunzehnten Jahrhundert damit begann, den für deutsche Drucke bis dahin ge­bräuchlichen Fraktur­satz durch Antiquaschriften zu ersetzen […], stellte sich die Frage nach dem Umgang mit der eigentümlichen Letter. Zunächst hat man ein aufrechtes Antiqua-ß geformt, auf einen ent­sprechenden Groß­buchstaben allerdings verzichtet. Im Zuge der Normierung der deutschen Recht­schreibung um 1900 kam dann der Vorschlag auf, endlich auch ein großes ß zu schaffen. Die ersten Entwürfe finden sich bereits 1879 in der „Zeit­schrift für Buchdrucker­kunst“; sie wurden aber nie realisiert, weil Rechtschreib­reformer und Drucker auf die Initiative des jeweils anderen warteten.

20. 6. 2018

: Debatte um “Schreibkatastrophe”: Forscher warnen vor allzu schlichten Erklärungen – und mahnen bessere Förderung armer Kinder an. , , Titelthema
Können Kinder und Jugendliche immer schlechter lesen und schreiben? […] Die wissenschaftlich korrekte Antwort […] muss lauten: Kommt drauf an – auf das Kriterium nämlich, nach dem man Lese- und Schreib­kompetenzen bemisst, und auf die Studie, auf die man sich bezieht. Darauf hat das „Mercator-Institut für Sprach­förderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln“ jetzt hingewiesen. […] Selbst wenn man nur ein einziges Kriterium für die Schreib­kompetenz betrachtet – die Orthografie – ist das Bild keineswegs eindeutig. „Der Vergleich von Rechtschreib­leistungen über mehrere Jahrzehnte hinweg ist (..) mit Vorsicht zu inter­pretieren, da Veränderungen der Lebenswelt, der Lehrpläne und des Unterrichts (z. B. die Rechtschreib­reform) berücksichtigt werden müssen.

19. 6. 2018

: Buchstabe mit Formproblemen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 139, s. 15, Feuilleton (1361 wörter)
Seit einem Jahr gibt es das ß als Groß­buchstaben. Durch­gesetzt hat es sich noch nicht. […] Während sich die Schweiz des eigen­tümlichen Zeichens nach und nach entledigte […], etablierte sich das scharfe S in Deutschland zumindest in seiner Form als Klein­buchstabe fest im Alphabet. Die Umstellung von Fraktur auf Antiqua hat es ebenso über­standen wie die jüngste Rechtschreib­refom. Zur gänzlichen Emanzipation fehlte nur noch seine Anerkennung als Groß­buchstabe.
: Deutschstunde: Warum der Hund an der Kommode das Bein hob. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Es juckt in den Fingern, um mit aller Süffisanz Glossen und Satiren über den Kampf um den Gender­stern (Vorsicht! Maskulinum!) und Gender­stern*innen zu verfassen. Die Duden­redaktion witterte eine neue Auflage und das große Geschäft, der dubiose Rat für deutsche Recht­schreibung stellte während seiner Tagung in Wien fest, dass er noch uneiniger war als die CDU und CSU in Berlin […].

15. 6. 2018

: Beim Gendern geht es auch um Selbstdarstellung. Interview zur Rechtschreibung. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Feuilleton, Hoch/Schule
Wie geht es mit dem Gender-Stern weiter – und was richtet das Schreiben nach Gehör an? Peter Gallman vom Rechtschreib-Rat sorgt im Interview für Klärung. Mehr als 20 Jahre nach der Rechtschreib­reform – Sie waren einer der Reformer – wird plötzlich an vielen Stellen der Eindruck vermittelt, die Recht­schreibung lasse immer mehr nach. Ist das auch ihr Eindruck? Peter Gallmann: Ich glaube, das Problem besteht darin, dass wir im Alltag heute mit immer mehr geschriebener Sprache konfrontiert werden, zugleich werden die Leute durch vielerlei Tätigkeiten immer mehr abgelenkt, sodass die Gefahr, einen Text nicht bis zum Ende optimieren zu können, groß ist. Was das mit der Rechtschreib­reform zu tun hat, ist mir aber nicht ganz klar. Ich glaube, da besteht kein Zusammen­hang.
: Bildungskritiker Josef Kraus geehrt. Süddeutsche Zeitung, , 74. jg., nr. 135, s. 10, Feuilleton
Josef Kraus […] ist Träger des diesjährigen Deutschen Sprach­preises. Bereits 1993 kritisierte Kraus die Rechtschreib­reform […].

14. 6. 2018

: Editorial. Höngger, , 91. jg., nr. 11, s. 3, Höngg (158 wörter)
Sie werden in dieser «Höngger»-Ausgabe auf eine formelle Neuerung stossen: Wir ver­wenden künftig bei Personen­bezeichnungen das so­genannte Gender­sternchen, schreiben also zum Beispiel Schüler*innen, statt Schüler und Schülerin­nen.
: Josef Kraus erhält den Deutschen Sprachpreis 2018. (Informationsdienst Wissenschaft), , Pressemitteilung
So kritisierte er bereits 1993 über­zeugend die Rechtschreib­reform […].

13. 6. 2018

: Zwischenruf: Mathe muss einfacher werden. Hamburger Abendblatt (), , s. 11, Hamburg
Wie eine grundlegende Vereinfachung der Mathematik aussehen könnten, hat uns die Rechtschreib­reform vorgemacht. Lieber Herr Buchholz, seitdem darf man „Tschüs“ und „Tschüss“ schreiben. Beides richtig! Mathematik muss dem ideologischen Irrweg der zwanghaften Ergebnis­fixierung abschwören.

12. 6. 2018

: Rußland in Deutschland: „Wir sind tipptopp vorbereitet.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , Gesellschaft
Russland und Amerika – auf der Weltkarte sind das zwei Weltmächte […]. Es sind aber auch die Namen zweier Ortsteile in der be­schaulichen Gemeinde Friede­burg in Ost­friesland. […] Nimmt man Moskau als Fixpunkt, trennen Rußland und Russland 1922 Kilometer – und seit der Rechtschreib­reform von 1996 kommt auch noch ein Eszett dazu.

11. 6. 2018

: Rechtschreibrat vertagt Entscheidung über Genderstern. Bis November sollen Empfehlungen erarbeitet werden. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 132, s. 5, Politik (390 wörter)
Empfehlungen wird der Rat jedoch nur dann ver­abschieden, wenn sich die Schreibungen als ver­ständlich, les- und vorles­bar erweisen, grammatisch korrekt und rechts­sicher sind, hieß es nach der Sitzung. […] Ähnlich wie der Rat hat die Duden­redaktion reagiert. In das Rechtschreib­kompendium, seit der Rechtschreib­reform längst nicht mehr die Bibel der deutschen Orthographie, könnte eine Empfehlung auf­genommen werden, mit welchen sprachlichen Mitteln das Gendern realisiert werden kann.

9. 6. 2018

: Bildungsferner Unfug. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 131, s. 7, Briefe an die Herausgeber (98 wörter)
Zu „Verordnet uns die Politik den Gender-Stern?“ […]: Bitte bewahren Sie die deutsche Sprach­gemeinschaft vor diesem bildungs­fernen, links­ideologischen Unfug und vor einer zweiten obrigkeits­verordneten Sprach­katastrophe nach der missglückten Rechtschreib­reform!
: Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 131, s. 10, (419 wörter)
Es gehört schon ein gerüttelt Maß an Leidens­bereitschaft dazu, wenn sich jemand in seinem Ruhestand für die Leitung des deutschen Rechtschreib­rats entscheidet. Josef Lange […] hat es trotz­dem getan.
: Optionaler Beistrich, falscher Apostroph. Die Presse (), , nr. 21589, s. K14 (126), Bildung
Auf Unsicherheiten nach der letzten Rechtschreib­reform reagieren manche mit Verweigerung, andere mit Weiter­bildung – speziell bei beruflichem Bedarf. […] Junge Leute, die in ihrer Ausbildung nur die aktuellen Orthografieregeln gelernt hätten, entwickelten naturgemäß keinen Widerstand gegen die Änderungen, sagt Erika Karel, Trainerin im Seminar Kompetent und sicher in der aktuellen Recht­schreibung des Wifi Wien. […] Ob das Ziel, mit der letzten Rechtschreib­reform die Orthografie der deutschen Sprache zu vereinfachen, in allen Bereichen gelungen sei, werde wohl unter­schiedlich beantwortet, sagt Karel.

8. 6. 2018

: Wie meinen? Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 130, s. 1, Politik (335 wörter)
Wenn dieser Rat nun an diesem Freitag in Wien zusammen­kommt, um über die so­genannte gender­gerechte Sprache zu beraten […], dann ist geschärfte Aufmerksam­keit vonnöten, um einem neuerlichen Desaster entgegen­zuwirken […]. Oder soll es dermaleinst, nachdem alle Gremien ihre Arbeit gemacht haben und auch die Politik, wie damals bei der Rechtschreib­reform, ihren in der Sache ja über­haupt nicht statt­haften Beitrag geleistet hat, tatsächlich und verbindlich heißen: "Liebe Ärztinnen und Ärzte" beziehungs­weise, die Ein­beziehung aller möglichen Geschlechter vollends garantierend, "Ärzt*nnen"?
: Verordnet uns die Politik den Gender-Stern? Nach ihrer Kenntnis ist das "jetzt rasch": Die Justizministerin greift dem Rat für deutsche Rechtschreibung vor. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 130, s. 9, Feuilleton (669 wörter)
Laut dem Berliner "Tages­spiegel" hat sich die Justiz­ministerin Katarina Barley unlängst für die Aufnahme des Zeichens * in den Rechtschreib­duden aus­gesprochen. […] Frau Barley richtet Schaden für die Regierung und ihre Partei an, sie setzt un­abhängige Institutionen wie den Rechtschreib­rat und den Duden unter Druck; ihre Äußerung läuft auf eine Be­schädigung der deutschen Sprache hinaus.
: Im SPD-Kaufhaus. (Frankfurter Allgemeine Zeitung), , FAZ.NET-Sprinter
Aufmerksamkeit verdient auch das Treffen des Rats für deutsche Recht­schreibung. Der berät […] über die "gendergerechte Sprache". Wenn es dumm läuft, könnte es damit gehen wie mit der desaströsen Rechtschreibreform vor 20 Jahren: Die Politik macht das Gendern zur Pflicht […].
: Binnen-I, Gendersternchen oder wie? Der Rat für deutsche Rechtschreibung befasst sich heute mit „geschlechtergerechtem Schreiben“. Leipziger Volkszeitung, , s. 3, frontseite
Würden die 41 Mitglieder_Innen ein verbindliches Regelwerk ver­öffentlichen, hätte das die Tragweite der Rechtschreib­reform von 1996. Allerdings ist eher mit einem Empfehlungs­katalog zu rechnen, der für jederfrau Varianten zur Vermeidung der männlichen Form auflistet.

6. 6. 2018

: Vom Ringen um gerechte Sprache. Rheinische Post (), , s. C1, Kultur
Am Freitag trifft sich in Wien der Rat für deutsche Recht­schreibung zu seiner nächsten Sitzung. […] Ein Treffen von Sprach­wissenschaftlern – normaler­weise kein Termin, der die Öffentlich­keit auf­horchen ließe. Doch diesmal geht es im Rechtschreib­rat um ein akutes Reizthema: um geschlechter­gerechtes Schreiben. Seit der großen Rechtschreib­reform 1996 hat wohl kein Sprach­thema die Öffentlich­keit so gespalten wie nun die Frage nach der an­gemessenen Vertretung der Geschlechter im Deutschen. […] Sprache, das zeigt sich auch an der aktuellen Debatte, ist nun mal Teil der Identität des Menschen, und so stoßen Versuche, Sprach­systeme von oben herab zu verändern, stets auf er­heblichen Widerstand. Das war bei der Rechtschreib­reform so. […] Die Sprach­wissenschaftler des Rechtschreib­rats sind nicht zu beneiden.

4. 6. 2018

: Ein Begeisterer und Überzeuger. Mit Hilmar Hoffmann ist einer der bekanntesten deutschen Kulturpolitiker gestorben. Kölnische Rundschau (), , s. 8, Kultur
Als Präsident des Goethe-Instituts war er „ein Glücksfall“, wie Ex-Bundes­außenminister Hans-Dietrich Genscher zum 85. Geburts­tag anmerkte […]. Für diesen waren es Jahre un­fruchtbarer Kämpfe: Zahl­reiche Standorte wurden gegen seinen Willen geschlossen. Hoffmann kämpfte auch gegen die Rechtschreib­reform und schrieb ein Buch nach dem anderen – er schrieb mit der Hand oder diktierte, denn er besaß weder Handy noch Computer.

2. 6. 2018

Sollen Grundschulkinder nach Gehör schreiben oder sofort die richtige Rechtschreibung lernen? Haller Tagblatt (Südwest-Presse), , s. 9, Menschen
Matthias Hall (59) Förster aus Schöntal: […] Ich bin dafür, dass die Kinder von Anfang an das Richtige lernen. […] Ich war auch damals gegen die Rechtschreib­reform.

28. 5. 2018

: Der letzte Zeitungsmensch. Macht und Weitsicht – Michael Angele porträtiert den Ausnahmejournalisten Frank Schirrmacher. Neues Deutschland, , s. 15, Feuilleton
Ja, mit den Lesern, so wissen wir nun, wurde so manches Spiel getrieben. Für die neue Recht­schreibung, dann dagegen, bald wieder dafür – aber mit Aus­nahmen […].

25. 5. 2018

: Kunasek streicht inexistente Binnen-I-Order beim Bundesheer. , , Inland
Via Kleinformat erklärte Verteidigungs­minister Mario Kunasek (FPÖ) geschlechter­gerechten Sprach­gebrauch beim Militär für ab­geschafft – doch die ehemalige Frauen­beauftragte versichert: Bisher gab es "nie eine Order" beim Bundes­heer, das Binnen-I an­zuwenden.

23. 5. 2018

: Der Visionär. Erste Biografie über Debattenanschieber Frank Schirrmacher. Neue Presse, , s. 21, Kultur
Michael Angele hat ein tatsächlich lesens­wertes Buch über ihn geschrieben. […] Bei vielen großen Debatten mischte er mit, ob es um die um­strittene Rechtschreib­reform ging oder um die Kritik am Bundes­präsidenten Christian Wulff, der schließlich zurück­treten musste.

22. 5. 2018

: Museum erhält ein drittes „f“. Delmenhorster Kreisblatt (), , s. 6, Region
Das Deutsche Schifffahrts­museum schrieb sich bisher trotz Rechtschreib­reform weiter­hin mit zwei „f“. Nun wurde doch noch das dritte „f“ in den Namen eingefügt, wie das Museum mit­teilte.

19. 5. 2018

: Auf ein Wort: Allerlei sprachliche Quantensprünge. Schweiz am Wochenende, , s. w6/46, Kolumnen
Auch das hoch­deutsche Quäntchen hat mit Quantum nichts zu tun, wie offenbar die Rechtschreib­reformer meinten, als sie vor 20 Jahren die bis­herige Schreibung er­setzten.

Siehe synchronie.

17. 5. 2018

: Warum schreiben wir, wie wir schreiben? , , Kultur, Kulturdebatte
Kraut und Rüben bei WhatsApp, streng nach Regeln im Diktat: Recht­schreibung - wichtig oder egal? Das ist das Thema der Debatte der NDR Kultur­redaktionen in dieser Woche. Vor zwölf Jahren traten die letzten Nach­besserungen der Rechtschreib­reform in Kraft. Doch warum schreiben wir überhaupt so, wie wir schreiben? […] Rechtschreibregeln haben also gar nicht unbedingt den Schreiber im Blick, sondern in erster Linie den Leser, erklärt Astrid Müller. Sie ist Professorin für Didaktik der deutschen Sprache an der Uni­versität Hamburg […]: "Wir haben jetzt ein Schrift­system, das zumindest im Kern­bereich unwahr­scheinlich gut lernbar ist und das sehr, sehr systematisch ist. Die Systematik erkennt man aber nur, wenn man sich die Mühe macht, diesen Kern­bereich an­zuschauen."

Ja, und dann gibt/gab es noch die auswüchse, die eben nicht zum kern­bereich gehören, z. b. die dreikonsonanten­regel, f/v/ph, substantiv­grossschreibung usw.

: Kommt das Gendersternchen jetzt in den Duden? (Potsdamer Neueste Nachrichten), , Politik
Am 8. Juni will der Rat für deutsche Recht­schreibung, der die amtliche Schreib­weise von Worten festlegt, sich bei seiner Sitzung in Wien mit „geschlechter­gerechter Schreibung“ befassen. Mit auf der Tages­ordnung steht das Gender­sternchen. […] Aller­dings sei dieses Thema zualler­erst „sprach­politisch und erst in zweiter Linie ortho­grafisch“, sagt Sabine Krome, die die Geschäfts­stelle des Rats für deutsche Recht­schreibung vertritt […]. Die Sprach­experten werden ver­mutlich empfehlen, zunächst die tat­sächliche Verbreitung von Gendergap, Gender­stern und Binnen-I über Forschung in den großen Text­sammlungen zu erfassen. Nach ein bis zwei Jahren könnte der Rat dann eine Entscheidung treffen. […] Während das neutrale „Studierende“ es in den Duden geschafft hat, blieb dies dem seit Jahr­zehnten be­kannten Binnen-I verwehrt. „Groß­buchstaben kommen traditionell nun einmal nicht im Wort­innern vor“, sagt Horst Simon, Professor für Historische Sprach­wissenschaft an der Freien Universität Berlin. […] Simon sagt aber, er nehme die Vorgaben des Rats für deutsche Recht­schreibung ohnehin nicht allzu wichtig. Sozialisiert in den achtziger Jahren schreibe er noch oft mit Binnen-I – jedoch in radikaler Klein­schreibung, sodass Wörter wie „sprecherinnen­gemeinschaft“ entstehen.

14. 5. 2018

Ihre Meinung: Wie wichtig ist Rechtschreibung? , , Kultur, Kulturdebatte
Schreiben Sie uns über unten stehendes Formular. Hier einige ausgewählte Zuschriften […]. J. Plath, Rostock: Nach mehreren Reformen habe ich es auf­gegeben, up-to-date zu bleiben. […] In der Kindheit ge­lerntes Wissen lässt sich nicht einfach "über­schreiben" […]. K. Steffens, Sörup: Der größte Humbug war mit Abstand die letzte Rechtschreib­reform. War ich einmal der Klassen­beste im Deutschfach, schäme ich mich heute für meine Kenntnisse.

5. 5. 2018

: Kreativ oder nur kreatief? Die Presse, , s. VI (42), Spectrum, Literatur (772 wörter)
Gespräche zum Thema Rechtschreibung. […] Die Duden-Redaktion hat alles auf­gezeichnet, bearbeitet und soeben als kleines Handbuch […] veröffentlicht. Je weiter die Sprachkundigen in Rede und Gegenrede vor­dringen, desto deutlicher wird, dass Recht­schreibung und der Umgang mit ihr ein höchst komplexes Unterfangen darstellen. […] Das Duden-Team ist sogar stolz darauf, dass sich Medien per Auto­korrektur auf Neuerungen der Rechtschreib­reform festlegten. Sie folgen dem „Duden gelb“, was zu einer Ver­einheitlichung der Recht­schreibung führe.

2. 5. 2018

Der Streit um den „Gender-Quatsch“. Hamburger Morgenpost, , s. 2 bis 3, Standpunkt
Viele Leser pflichten ihm bei, andere widersprechen vehement. […] Danhardt (Online-Kommentar): Alle halten sich für so unfassbar schlau, aber schaffen es nicht, das bisschen gender­neutrale Sprache zu über­nehmen? Die Rechtschreib­reform muss ja alle wie ein Baseball­schläger vor den Kopf getroffen haben.

25. 4. 2018

: „Ich fühle mich wie ein cooler Opa.“ Berliner Morgenpost (), , s. 24, Stadtleben & Stil
Der Berliner Schauspieler Jürgen Vogel freut sich auf seinen Geburtstag. Am Sonntag wird er 50. […] Schau­spieler über Stand­pauken seiner Kinder, das Schul­system und das Älterwerden. […] Jürgen Vogel: […] Leider wird das Geld an falschen Stellen aus[ge]geben. Die Rechtschreib­reform war zum Beispiel eine totale Geld­verschwendung.

24. 4. 2018

: Deutschstunde: Wenn gewichtige Personen zu Adjektiven werden. (Berliner Morgenpost), , Kolumne
Heißt es a) Ohmsches Gesetz, b) ohmsches Gesetz oder c) Ohm'sches Gesetz? Die Schreib­weise unter a) ("Ohmsches Gesetz") war bis 1996 die einzig korrekte, ist es seit der Rechtschreib­reform jedoch nicht mehr. Die beiden Möglich­keiten unter b) und c) sind ortho­grafisch richtig.

17. 4. 2018

: Omas Hintern. , , Manni kallt platt
Die Rechtschreib­reform hat den meisten Menschen schwer zu schaffen gemacht, die es noch anders gelernt hatten. Ich kann mich da nicht aus­nehmen. Kam bei uns zu Hause er­schwerend dazu, dass Eifeler Platt unsere Mutter­sprache war […].

14. 4. 2018

: „Und zum Abitur tanzen alle ihren Namen“ (1). Märkische Allgemeine, , 73. jg., nr. 87, s. 8, Leserforum
Wie dumm muss man eigentlich in der Landesregierung sein, um solche Beschlüsse zu fassen? […] Schon die Rechtschreib­reform war völlig überflüssig.
: „Und zum Abitur tanzen alle ihren Namen“ (16). Märkische Allgemeine, , 73. jg., nr. 87, s. 8, Leserforum
Ein einheitliches Bildungssystem in ganz Deutschland und generelle Kleinschreibung – das ist wichtig. Und nicht so ein Kikikram.

12. 4. 2018

: Eine Note wäre für die Schüler greifbarer. Märkische Allgemeine, , s. 10, Leserbriefe (145 wörter)
Wohin treibt unser „Bildungs-Chaos“? Nach vor Jahren ein­geführter über­flüssiger Rechtschreib­reform wurden in den ersten Klassen die Noten ab­geschafft.

8. 4. 2018

: Todschick statt todchic. Der Tagesspiegel, , s. 16, Lesermeinung
Neben dem Chic, längst Be­standteil der deutschen Sprache, ist seit der Rechtschreib­reform nur noch todschick statt tod­chic erlaubt. Den Hütern der deutschen Sprache sei empfohlen: […] 2. die Regeln der deutschen Recht­schreibung mit dem Ziel Lesbarkeit statt starrer Regel­konformität zu liberali­sieren.

Die rechtschreib­reform hat hier nichts geändert. Für gebeugte formen von chic/schick wird nur die deutsche schreibweise empfohlen; das galt schon immer auch für die umgangs­sprachliche zusammen­setzung tod­schick.

7. 4. 2018

: Der große Bluff. Wie der Staat sich die Herrschaft über die Sprache sicherte. , , Ideologiekritik (4944 wörter)
Die Rechtschreib­reform von 1996 hatte mächtige Befürworter, aber zweifelhafte Rechts­grundlagen. Und sie stand am Beginn einer unheil­vollen Ent­wicklung unserer Demokratien. An­passungen der Recht­schreibung folgten bisher dem realen Sprach­gebrauch im Volk. Erstmals in der Geschichte versuchten Politiker nun Sprache von oben zu verordnen. Ein gefährlicher Präzedenz­fall post­demokratischer Macht­anmaßung.

26. 3. 2018

: KMK muss tätig werden. , , Petition
Ab 1987 ließ die Kultusminister­konferenz die deutsche Sprache moderni­sieren. Die um­fangreiche Rechtschreib­reform, die 1998 eingeführt wurde, be­inhaltete keine Abschaffung des ge­nerischen Maskulinums. […] Das generische Maskulinum bildet historische Realitäten ab, die wir seit 1968 über­wunden haben sollten […].

Stellungnahme: KMK muss nicht tätig werden.

23. 3. 2018

: "Rechtschreibung ist ein Thema für das gesamte Leben." Interview mit Duden-Redaktionsleiterin Kathrin Kunkel-Razum. , , Medien
Wie sieht es bei der Zeichen­setzung aus? [Kunkel-Razum:] Das scheint nach Meinung von Experten und Wissenschaftlern derzeit der Bereich zu sein, der Schülern und jungen Erwachsenen die größten Schwierigkeiten bereitet. […] Im Grunde geht es hier aber nicht um ein Orthographie­problem, sondern um einen Mangel an Grammatik­kenntnissen. Wenn man nicht in der Lage ist, eine Satzanalyse vorzunehmen, kann man auch die Zeichen­setzung nicht beherrschen.

Im grunde geht es hier durchaus um ein ortografie­problem. Wenn man nicht in der lage ist, eine satzanalyse vorzunehmen, kann man sehr wohl sprechen. Wer sprechen kann, muss auch schreiben können. Anders gesagt: Die zeichen­setzung ist (wie die grossschreibung) zu grammatik­lastig.

13. 3. 2018

: Unsere Sprache hat's schwer. Rechtschreibung wird von vielen nicht mehr geschätzt; doch sie ist eine Visitenkarte. (), , s. 17, Magazin
Wie Kinder nun am besten richtig schreiben lernen, bleibt wohl erst einmal umstritten. Stichhaltige Studien gebe es dazu nicht, sagt Kathrin Kunkel-Razum von der Duden­redaktion. Unabhängig von zu wenig Grammatik­unterricht gibt es ohnehin regelmäßig Ent­wicklungen in unserer Sprache und damit auch in der Recht­schreibung. Die größte Veränderung der jüngsten Ver­gangenheit war für viele die Rechtschreib­reform 1996 - wir erinnern uns: Aus "daß" wurde "dass". "Das hat für Ver­unsicherungen gesorgt", sagt Kunkel-Razum. Doch hier sei die Übergangs­phase schon lange vorbei.

10. 3. 2018

: Waldvogel präsentiert seine 16 Variationen der Erdbeere. Der Journalist plaudert in St. Nikolaus über die „post-orthografische Welt“. Schwäbische Zeitung (Friedrichshafen) (), , s. 20, Kultur lokal
Ein Abend, in dessen Mittelpunkt die Sprache stand: die Schwäbische als solche und die Deutsche insbesondere. Rolf Waldvogel, ehe­maliger Chef der Kultur­redaktion der Schwäbischen Zeitung, ist für seine „Sprach­plaudereien“ bekannt. […] In der heutigen Zeit sei die Sprache oft überlastet. Als Ursachen benennt Waldvogel zum einen die digitalen Medien, die die Schriftlichkeit verändere. […] „Wir leben nicht nur in einer post-faktischen Zeit, sondern auch in einer post-ortho­grafischen“. Zum anderen stifte die Rechtschreib­reform mehr Verwirrungen, als dass sie für Klarheit sorge.
: Fack-News for ju. Thüringer Allgemeine (), , 29. jg., nr. 59, s. 11, Kultur & Freizeit
„Ein hoch­angesehener Schrift­steller wie Johann Wolfgang von Goethe (wurde) posthum in herab­würdigender und vulgärer Weise ver­unglimpft“, „noch dazu in fehler­hafter Recht­schreibung“. Und dies nicht wegen des Wirr­warrs der Rechtschreib­reform – sondern? Sondern weil diese Film­fritzen vor nichts zurück­schrecken. Nicht einmal davor, drei Filme „Fack ju Göhte“ zu nennen. Das ist tat­sächlich fehler­haft ge­schrieben, da hat es schon recht, das Amt der Euro­päischen Union für geistiges Eigentum (Euido).

9. 3. 2018

: Das Streiflicht. Süddeutsche Zeitung (), , 74. jg., nr. 57, s. 1, Politik, Glosse
Auf den Deppen­apostroph reagiert die deutsche Laien­sprachkritik absolut zu­verlässig, ja fast reflexhaft. […] Auch den Apostroph-Tribunalen ist viel Boden unter den Füßen weg­gezogen worden, kurioserweise durch die Rechtschreib­reform, die den Bann von „Heidi’s Stüberl“ und vergleich­baren Etablisse­ments ge­nommen hat […].

7. 3. 2018

: Aus der Schule geplaudert. Märkische Oderzeitung, , s. 18, Frankfurter Stadtbote
Sigrid Suszek hat ein Buch über den Lehrer­alltag geschrieben. […] Sind die An­forderungen und Erwartungen an Lehrer in den ver­gangenen Jahren gestiegen? [Suszek:] Neben unserem Unter­richt mussten wir uns schon immer mit anderen Dingen auseinander­setzen, seien es Eltern­gespräche, Vertretungs­stunden, Schüler­probleme, Klassen­fahrten oder die Rechtschreib­reform.

5. 3. 2018

: Personalien. Ota Filip gestorben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 54, s. 5, Politik
Dass er die Wahl­sprache so liebte wie die Mutter­sprache, zeigte sich in seiner Unter­stützung, als diese Zeitung gegen Aus­wüchse der Rechtschreib­reform in Wort und Tat pro­testierte.

3. 3. 2018

: Auch das leere Schloss hat viel zu bieten. Das Bayerische Schulmuseum in Ichenhausen ist jetzt ausgeräumt, die Handwerker rücken an. Mittelschwäbische Nachrichten (), , s. 29, Landkreis
Momentan sind die Räume leer und ein Teil der Exponate befindet sich im Depot […]. Auf dem Acryl­täfelchen steht noch „Kom­paß“, und auch die alte Schreib­weise aus der Zeit vor der Rechtschreib­reform ist ein Hinweis darauf, dass die 1984 er­öffnete Aus­stellung eine gründliche Über­arbeitung sicher gut verträgt.

26. 2. 2018

: Die vielleicht letzte Dresdner Rede auf Deutsch. Zum Abschluss der diesjährigen Reihe warnt Schriftsteller Eugen Ruge vor dem Verschwinden der Muttersprache. Dresdner Neueste Nachrichten, , s. 8, Kultur
„Je länger ich über die Chancen der deutschen Sprache in Zeiten der Globalisie­rung und Digitalisie­rung nachdenke, desto mehr komme ich zu der Über­zeugung, dass sie unter­gehen wird. […]“ Mit einem solchen Menetekel […] wollte Eugen Ruge […] seine Hörer durchaus er­schrecken. […] Doch es lauern nicht nur äußere Feinde. Für ihn als Sprach­liebhaber hatte auch die Rechtschreib­reform eine ab­schreckende Wirkung. Das Argument der Ver­einfachung lässt er nur bedingt gelten. „Ist denn der Zweck der Schule, uns das Schwierige zu ersparen?“, fragt er.
: Smartphone statt Uhr. Saarbrücker Zeitung, , s. A4, Standpunkt
Das Wort „uralt“ müsste heute eigent­lich „uhralt“ ge­schrieben werden. Das ist keine neue Reform der Rechtschreib­reform. […] offenbar tragen nur noch Menschen ab einem gewissen Alter tat­sächlich eine Armband­uhr, sind also dann „uhralt“.

23. 2. 2018

: Warum sollen wir richtig schreiben? (Märkische Allgemeine), , Gastkommentar
Es ist das große Verdienst von Konrad Duden, den Grundstein für eine ein­heitliche Orthografie im deutschen Sprachraum gelegt zu haben, deren Einhaltung uns die Ver­ständigung erleichtert und von Respekt dem Empfänger unserer Nachrichten gegenüber zeugt. Das spricht nicht gegen die kreative Weiter­entwicklung von Normen – die sehen wir im Augenblick zum Beispiel bei der Ein­beziehung von Emojis in geschriebene Texte oder bei der Entwicklung neuer Formen für das Gendern.

19. 2. 2018

Versal-Eszett: Neuigkeiten und Hintergründe. , , Versales Eszett
Seit 1879 gibt es nachweis­bare Bemühungen, einen Groß­buchstaben für das ß zu schaffen. In den ver­gangenen 129 Jahren gab es in dieser Hinsicht mehrere Vorstöße, Teil­erfolge und auch praktisch-typo­graphische Um­setzungen – jedoch keinen Durch­bruch, der dem versalen Eszett (oder „Scharf-S“) einen festen Platz im deutschen Alphabet gesichert hätte. Doch dieser Durch­bruch ist nun erfolgt.

17. 2. 2018

Matthias Biskupeks Rentnerlehrling. Vortrag bei der Goethe-Gesellschaft. Ostthüringer Zeitung, , 28. jg., nr. 41, s. 16, Saalfeld-Rudolstadt
Bei der neuen deutschen Reform aber tun sich Probleme auf, von denen Goethe nichts ahnen konnte. Darüber und über das Leben hat Biskupek seine „66 Lebens­geschichten“ verfasst, von denen er einige bei der Goethe-Ge­sellschaft zum Besten gibt.

8. 2. 2018

: Viel Lärm um nichts. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 33, s. 8, Bildungswelten (622 wörter)
Einen ungünstigeren Zeitpunkt für ihr Manifest für eine Grammatik­reform als im vergangenen Herbst hätten sich die französischen Grundschul­lehrer, sowie Lehrer weiter­führender Schulen und einiger Hochschulen kaum aus­suchen können. 314 von ihnen hatten im Oktober an­gekündigt, die Kinder künftig regel­widrig nach einer „inklusiven Grammatik“ (grammaire inclusive) unter­richten zu wollen. […] Hier­zulande hätte ein ähnlicher Vorstoß alle Aussicht auf Erfolg gehabt, denn welcher Kultus­minister würde sich nach den Er­fahrungen mit der Rechtschreib­reform ohne Not noch einmal die Finger an Sprach­reformen verbrennen? Schon damals hat sich niemand für die obrig­keitlichen Eingriffe interessiert, das wäre dieses Mal kaum anders.

7. 2. 2018

: „Für mich ist das eine Unterwerfungsgeste.“ Der Linguist Peter Eisenberg über die Veränderung der Sprache durch politisch einflussreiche Gruppen. , , Feuilleton, Forum (1127 wörter)
[…] als es um die Rechtschreib­reform ging und zuletzt bei der Diskussion um die so­genannte „gendergerechte“ Sprache. Was stört Sie denn daran? [Eisenberg:] Daran stört mich vor allem, dass die Gruppe von Sprechern und Sprecherinnen, die politischen Einfluss hat, diesen Einfluss geltend macht, um der deutschen Sprache Dinge auf­zuzwingen, die man ihr nicht auf­zwingen sollte, die man ihr unter normalen Be­dingungen auch nicht auf­zwingen kann. Das geht bis weit in die Grammatik hinein […]. Das schlagende Beispiel ist für mich die Orthographie­reform, die tief in die Grammatik des Deutschen ein­gegriffen hat. Und die deshalb nicht nur scheitern musste, sondern die zu nach­lassender Kompetenz in der Recht­schreibung bei der jungen Generation bei­getragen hat. Die Leute, die so etwas be­trieben haben, die haben eine Ver­antwortung auf sich geladen, die niemand tragen kann.

3. 2. 2018

: Sprachlabor. Süddeutsche Zeitung (), , nr. 28, s. 14, Forum & Leserbriefe
Apropos Rechtschreib­reform: Es war ein Riesenhallo, als der Duden das Adjektiv spinne­feind als Substantiv prä­sentierte, und zwar mit dem Zusatz: „nur in jdm. Spinne­feind sein.“ Der Spinne­feind ist schnell wieder ver­schwunden […].

1. 2. 2018

: Darf man das? Leser fragen, die Weltwoche antwortet. Die Weltwoche, , 86. jg., nr. 5, s. 84, Leserbriefe (174 wörter)
Um beim Beispiel 21 zu bleiben: Sie haben recht. […] Im Deutschen wird anders ge­sprochen als ge­schrieben. Logisch ist das nicht. […] Aber wollen Sie nach der Rechtschreib­reform nun auch noch eine Aussprache­reform?

29. 1. 2018

: Viel zu reden in Dresden. Vier Referenten für die Vortragsreihe im Schauspielhaus. Dresdner Morgenpost, , s. 33, Kultur
Vier Referenten an vier aufeinander­folgenden Sonntagen im Februar, diesem Prinzip haben sich die Dresdner Reden verpflichtet. […] Letzter Redner ist der Schrift­steller Eugen Ruge […]. Sein Vortrag ist ein „Versuch über eine aus­sterbende Sprache“. Gemeint ist das Neuhoch­deutsche unter der Frage, ob es „in Zeiten von Frei­handel, Digitali­sierung und Rechtschreib­reform“ über­leben kann. Termin ist am 25. Februar.
Kiepenkerl-Blog: Des Kaisers neue Kleider. , , Westfalen aktuell
Im Grunde möchten die schrift­gelehrten Reformatoren den Buch­staben “ß” im Hand­streich aus unserem Schrift­bild tilgen. Doch das wäre gerade so, als würden reform­wütige Franzosen die Akzente streichen, die der franzö­sischen Schrift und Sprache ihren un­verwechselbaren Charakter geben. Was bei unseren Nachbarn völlig un­vorstellbar ist, wird bei uns gerade Realität.

27. 1. 2018

: Leuchtendes Knöllchen. Braunschweiger Zeitung, , Wochenend, Lebensart
Rote Bete oder, wie es mittler­weile auf vielen Speisen­karten zu lesen ist, Beete? Das Wort Bete be­deutet „Rübe“. Und nach der Rechtschreib­reform ist auch Beete „erlaubt“. Der Duden aber empfiehlt die quasi klassische Schreib­weise: Rote Bete.

«Beete» steht seit etwa 1942 als nebenform im duden. Neu ist hingegen die 1996 eingeführte gross­schreibung «Rote Bete».

25. 1. 2018

: Schlechtschreibung ist lernbar. Die Weltwoche, , 86. jg., nr. 4, s. 18 bis 21, Bildung (2050 wörter)
Viele Schweizer Schüler lernen «nach Gehör» schreiben. Die Lust am kreativen Text steht dabei im Vorder­grund, die Ortho­grafie spielt keine Rolle. Doch jetzt zeigen neue Studien: Die hoch­gelobte Methode ist mit­verantwortlich für die Erosion der Rechtschreib­fähigkeit.

23. 1. 2018

: Deutschstunde: Gegen Sturm und falsche Sprache versichert sein. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung
Häufig treffen wir auf die Bedeutung „etwas ver­sprechen, fest zusagen“: Ich ver­sichere dir, dass die Rechtschreib­reform viele Er­leichterungen ge­bracht hat. Derjenige, der der Ver­sicherung Glauben schenken soll, wird dabei in den Dativ (3. Fall) gesetzt (dir, wem?).
: Deutschstunde: Es ist noch kein Meister aus dem Duden gefallen. Hamburger Abendblatt, , s. 2, Meinung
Eine der wichtigsten Regeln der Rechtschreib­reform lautet „Verb und Verb immer getrennt“ (obwohl uns die über­flüssige Reform der Reform im Jahr 2006 einige Aus­nahmen ins Nest gelegt hat). Wenn wir das Verb schwimmen und das Verb gehen zu schwimmen gehen zusammen­bringen, wissen wir also, dass wir auch tanzen gehen, spazieren gehen, einkaufen gehen, schlafen gehen oder essen gehen getrennt schreiben müssen.

20. 1. 2018

: Friedrich Denk vs. Peter Schlobinski: Ist die Rechtschreibung am Ende? , , Streitkultur
Friedrich Denk […] gehörte zu den schärfsten Kritikern der Rechtschreib­reform […]. "Seit 1996 aber haben wir eine nie da­gewesene Ver­wirrung. Von Michael Endes Momo gibt es beispiels­weise inzwischen fünf rechtschreib­reformierte Ausgaben. Immer dort, wo die Rechtschreib­reform ver­einfachen wollte, hat sie Verwirrung ver­ursacht." […] Peter Schlobinski ist Professor für Germanistik […] und Vor­sitzender der Gesellschaft für Deutsche Sprache. […] "Nein, die Recht­schreibung ist ebenso wenig am Ende wie leider das ewige Lamento von rotstift­liebenden Oberlehrern und regelungs­wütigen Besser­wissern."

17. 1. 2018

: „Lehrkräfte sollen vermitteln, was sie selbst nicht können.“ , , Gesellschaft, Hochschule
Am Institut für Germanistik der Uni­versität Duis­burg-Essen (UDE) ist man besorgt: Nicht wenige Lehramts­studierende im Fach Deutsch haben große Probleme im Bereich der Recht­schreibung und Grammatik – und stehen bald vor Schul­klassen, um genau diese Stoffe zu ver­mitteln.

12. 1. 2018

: Typografische Tricks bedrohen die Sprache. Der Bund (), , s. 8, Meinungen, Sprachlupe
Französischen Amts­stellen hat der Premier­minister kurz nach dem Alarmruf der Akademie Formen wie «tou·te·s» für «alle» verboten. Der hier ver­wendete Mediopunkt (·) ist im Deutschen ein Kenn­zeichen der Leichten Sprache […]; als Mittel zum Gendern ist er mir erst selten begegnet. Gender­bewusste Schrei­berInnen, Korrektor_innen oder Leser*innen bevorzugen die soeben gezeigten Schreibweisen. […] Die korrekte Aus­sprache der Zeichen wäre erst noch zu erfinden. Auch in Öster­reich hat […] eine Amtsstelle solche Schreib­weisen abgelehnt: Die Volks­anwaltschaft, eine Art Ombuds­stelle, hat einer Be­anstandung recht gegeben. Es ging um «die Verwendung des Binnen-I und ähnlicher Formen als Beurteilungs­kriterium an Schulen und Pädagogi­schen Hochschulen, weil sie in den Rechtschreibe­regeln nicht vorgesehen sind.

10. 1. 2018

: Hautstrafende Körperlotion und Verkehrsfürungen: Ist fehlerfreies Schreiben wichtig? , , Region
Generell scheint sie immer mehr Menschen, besonders einigen, die in den sozialen Medien aktiv sind, eine offen­bar über­flüssige, weil zeit­raubende Äußerlich­keit zu sein: korrekte deutsche Recht­schreibung. Vor vielen Jahren war fast jede Schul­form dazu in der Lage, dem über­wiegenden Teil der Lern­willigen korrektes Schreiben bei­zubringen.

Vor vielen jahren, 1912, sah das Oskar Kosog anders: stichwort schreiben.

7. 1. 2018

Rechtschreib-Quiz: Kannst du diese Wörter richtig schreiben? , , kmpkt
In unserem Quiz stellen wir euch Wörter und Wort­verbindungen vor, die laut Duden ortho­grafisch offen­bar be­sonders tückisch sind.

3. 1. 2018

: Kommentar: Kein Gender mehr, bitte! , , Feuilleton, Forum
Über die letzten deutschen Rechtschreib­reformen kann niemand wirklich glücklich sein. Die Un­sicherheit über die richtige Schreib­weise hat nicht ab­genommen, sondern erheblich zu­genommen und die Gender­schreibweise, wie sie an Universitäten ver­pflichtend geworden ist, reicht oft ins Absurde. Der neue Duden „Richtig gendern! Wie Sie an­gemessen und ver­ständlich schreiben“ wird das Problem noch ver­schärfen, weil er neue Fakten schafft.