Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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nachgeführt 2016-11-21

journalismus

neu Arthur Schopen­hauer, Ueber Schrift­stellerei und Stil, 1851

Ganz ernstlich muß ich nun aber hier zu bedenken geben, daß gewiß mehr, als 9/10 der überhaupt lesenden Menschen nichts, als die Zeitungen, lesen, folglich fast unaus­bleiblich ihre Recht­schreibung, Grammatik und Stil nach diesen bilden, und sogar, in ihrer Einfalt, dergleichen Sprach­verhunzungen für Kürze des Ausdrucks, elegante Leichtig­keit und scharf­sinnige Sprach­verbesserung halten, ja, über­haupt den jungen Leuten un­gelehrter Stände die Zeitung, weil sie doch gedruckt ist, für eine Auktorität gilt. Daher sollte, in allem Ernst, von Staats wegen dafür gesorgt werden, daß die Zeitungen, in sprach­licher Hinsicht, durchaus fehler­frei wären.

neu Hermann Zabel, Focus, 25. 11. 1996

Journalisten gehören seit 1876, dem Jahr der I. Orthogra­phischen Kon­ferenz, zu den „ge­borenen Feinden“ einer er­neuerten Recht­schreibung.

Ronald Lötzsch, Utopie kreativ, 11./12. 1997, s. 37f.

Ein besonderes Problem ist die Rolle der Medien, die zwar zumeist den Eindruck von Neutralität zu erwecken bemüht sind, ihre von Fall zu Fall wechselnde faktische Partei­nahme für die eine oder andere Seite jedoch nur schwer verbergen können.

Eberhard Rathgeb, Spiegel Online, 8. 8. 2004

Kann man den Zusammenschluß von Springer, Spiegel und "SZ" als Machtkampf sehen zwischen Medien und Staat? [Aust:] Nein. Ein Macht­kampf wäre es gewesen, wenn diese Rechtschreib­reform sich durch­gesetzt hätte und die Mehrheit sie beherrscht und akzeptiert hätte. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Volker Weidermann, Spiegel Online, 8. 8. 2004

"Es war ein Fehler" III.

AFP, Basler Zeitung, 10. 8. 2004

Der «Standard» kritisierte gestern gar, Deutschlands Medien verwandelten sich «von Bericht­erstattern und Kommen­tatoren zu fanatischen Mit­streitern in einem modernen Glaubens­krieg».

Stefan Aust, Hanns Joachim Friedrichs, 2014

Der aktuelle widerspruch

Richard David Precht, deutscher filosof, derstandard.at, 16. 2. 2013

Die überhitzte Atmosphäre erzeugen doch erst die Medien, indem sie ständig und zu allem Kommentare einfordern. Dadurch meinen die Politiker, sie müssten sich zu jedem Thema äußern, egal wie kompetent sie sind. Stellen Sie sich vor, Angela Merkel würde einmal ehrlich sagen, dass sie von einem Thema keine Ahnung hat - dann würde die "Bild"-Zeitung am nächsten Tag titeln: "Skandal - Kanzlerin ratlos!" Deshalb ist der ganze Politik­betrieb eine einzige "Kompetenz­simulierungs­maschine". Politik besteht heute zu fünf Prozent aus Entscheidungs­findung und zu 95 Prozent aus der Entscheidungs­vermarktung. Das ist der Ausfluss einer Medien­demokratie, die mit realer Demokratie so viel zu tun hat wie Donald Duck mit einer Stockente.


verweis

stichwort verlagswesen

zu Frank Schirrmacher