Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenstichwort → bewährte rechtschreibung

rechtschreibung, bewährte

= rechtschreibung von 1901. Kampfbegriff von gegnern der neuregelung von 1996.

Verwendung des begriffs

ddp, Die Welt, 8. 10. 2003

Internationale Autoren haben sich […] gegen die Rechtschreib­reform aus­gesprochen. In einem Schreiben forderten sie ihre Schriftsteller­kollegen weltweit auf, künftig bei auf deutsch er­scheinenden Büchern gegenüber dem Verlag "auf der bewährten deutschen Ortho­graphie zu bestehen".

Petition «Rechts­wissenschafter für die bewährte Recht­schreibung», 2. 2004

Die Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung ist nicht nur möglich, sondern die allein sinn­volle Alternative zu den mit dem neuen Regel­werk ver­bundenen Problemen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. 5. 2010

Der Verfasser [Christian Meier] besteht darauf, dass sein Text in der "bewährten Recht­schreibung" gedruckt wird.

Egon Ammann, Tages-Anzeiger, 11. 8. 2004

Unsere Verlagswerke, bestimmte ich, mit der Rücken­deckung unserer Autoren, sollten weiterhin nach der bewährten klassischen Ortho­graphie gedruckt und publiziert werden.

Kritik des begriffs

Sigfried Schibli, Basler Zeitung, 24. 8. 2004

[…] die Waffen im Sprachkampf werden schärfer, und mittlerweile ist auch der Begriff der Recht­schreibung selbst in die Kriegsführung einbezogen worden. Die Gegner der reformierten Schreibung haben nämlich bemerkt, dass sie gegenüber den Verfechtern eben dieser Schreibung in einen Rückstand geraten sind, der mit dem Namen «alte Recht­schreibung» selbst zu tun hat. Ihnen als Verteidigern des vor der Reform Bestehenden wuchs durch diese Bezeichnung ein konservatives, ein altbackenes Image zu, von dem sie sich jetzt elegant befreien wollen. Führende Medien des konservativen Lagers wie die «Frank­furter Allgemeine Zeitung» sind dazu über­gegangen, nicht mehr von der «alten», sondern von der «bewährten Recht­schreibung» zu reden. In den neuen Namen ist ein Argument verpackt und eine Ver­gessensdroge dazu: Was sich bewährt hat, soll man nicht ohne Not verändern, und der Ärger über die zum Teil herzhaft unlogischen alten Regeln soll mit einem terminologischen Trick weg­gezaubert werden. Noch einen bemerkens­werten Schritt weiter ging der Schrift­steller Rainer Kunze. Er sprach […] von der «klassischen Recht­schreibung» und suggerierte damit, diese sei von Goethe und Schiller persönlich ein­geführt worden und nicht von einem seinerzeit heftig umstrittenen Sprach­bürokraten namens Konrad Duden. Jetzt warten wir nur darauf, dass bald ein noch fanatischerer Ver­teidiger der alten Regeln auftritt und diese als «natürliche» Schreibung verklärt.