Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenstichwort → schichtenmodell
nachgeführt 2017-7-24

schichtenmodell

definition

Strukturierungsprinzip für die (technische) kommunikation.

Arbeitsteilung gemäss einem modell mit unabhängigen, austauschbaren schichten (layers).

schema, angewandt auf schreiben und lesen

schema

funktion

Jede schicht …

  • realisiert spezifische aufgaben (vgl. zitat von Konrad Duden)
  • stellt der darüberliegenden schicht dienste zur verfügung
  • nutzt selbst die dienste der darunterliegenden schicht
  • darf keine schicht überspringen
  • kann eine eigene politische verantwortlichkeit haben

Das schichtenmodell ist eine idealisierte vorstellung, es ist aber eine voraussetzung für wartbarkeit und weiter­entwicklung von kommunikations­systemen. Gerade im fall der schrift lässt es erkennen, welch geniale erfindung die buchstaben­schrift ist. Sie ist eine kulturelle errungenschaft, die — im interesse von schreibern und lesern — aufmerksamkeit und pflege verdient. Das modell ermöglicht u. a. eine klare unterscheidung von sprache und schreibung. Deutsch ist immer noch deutsch und russisch ist immer noch russisch, wenn es in lateinischer, kyrillischer, singalesischer schrift, in fraktur, steno, braille wiedergegeben wird.


verweise

de.wikipedia.org/wiki/Schichtenarchitektur

stellungnahme zu: «Willkür in den Worten; die Rechtschreibreform und das Recht.»

Zitate

Ronald Lötzsch, Utopie kreativ, 11. 1997, s. 29 (um­formuliert)

Die heil­lose Ver­quickung von Sprache und ihrer Schreibung, die sich von allem Anfang durch die ge­samte Kontro­verse zieht […]. Schreib­normen sollten sich zwar auf sprachliche normen stützen, aber gerade in der deutschen Ortho­graphie sind sie weit­gehend von ihnen un­abhängig und völlig will­kürlich fest­gelegt.

Otto Back, 1998

Rechtschreibung ist nicht das­selbe wie Sprache, wie­wohl beides natürlich mit­einander zu tun hat, So komplex das Ver­hältnis zwischen laut­licher und schriftlicher Existenz­form von Sprache auch ist – es wäre abwegig, der­maßen be­scheidene Ver­änderungen, wie diese Reform sie bringt, als Veränderungen der „Sprache“ anzusehen. Daher ist die in der Debatte vor­kommende saloppe Be­zeichnung „Sprach­reform“ unzu­treffend und irre­führend.

Ronald Lötzsch, Utopie kreativ, 11. 1997, s. 46

Die gesprochene Sprache entwickelt sich im wesentlichen spontan. Die Sprecher be­merken diese Ent­wicklung im all­gemeinen gar nicht, zumindest nicht sofort. Im Gegen­satz dazu ist Recht­schreibung stets Konvention. Nicht nur die Art der An­wendung einer be­stimmten Schrift auf die Schreibung einer Sprache kann von gesell­schaftlichen Instanzen, herrschenden Individuen oder Gremien fest­gelegt bzw. ver­einbart werden. Die Schrift selbst ist aus­wechselbar.

Michael Nau­mann, Die Zeit, 12. 8. 2004

Recht hat er [Der Spiegel] allerdings mit der Behauptung, die Sprache »gehöre nicht der Kultus­bürokratie«. Das hatte diese freilich nie behauptet - denn zwischen jeder Sprache und ihrer Recht­schreibung liegen geradezu meta­physische Abgründe. In diesen Ab­gründen sind schon manche Jour­nalisten ver­schwunden.

neu Wolfgang Ullrich Wurzel, Neues Deutschland, 3. 11. 1995

Wenn man nach­vollziehen will, was eine Rechtschreib­reform bedeutet und was nicht, so ist es zunächst einmal notwendig, zwischen der Sprache selbst und ihrer […] Ortho­graphie zu unter­scheiden. So kann es be­kanntlich durchaus bessere und schlechtere Ortho­graphien geben […], aber bessere und schlechtere Sprachen gibt es nicht. Eine Ver­änderung der Recht­schreibung bedeutet damit keinen un­zulässigen Eingriff in die Sprache, wie es von Gegnern jeder Rechtschreib­reform immer behauptet wird.

Konrad Duden, 1876

Reinliche Beschränkung auf den eigentlichen Zweck ist überall gut, darum ist diejenige Ortho­graphie die beste, welche, das historische Studium der Sprache den Gelehrten über­lassend, nichts weiter will als treu und sonder Müh‘ das ge­sprochene Wort wider­geben.