Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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nachgeführt 2017-8-18

schule

«… der Ort, an dem sich die Reform entscheidet»

Hans Zehetmair, wissenplus, 2014

Die Schule ist der Ort des Schreiben- und Lesen-Lernens und damit auch der Ort, an dem Recht­schreib­fähigkeiten erworben werden.

Jan Fleischhauer und Christoph Schmitz, Der Spiegel, 2. 1. 2006

Die Schule ist der Ort, an dem sich die Reform entscheidet.

Reu., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. 7. 2000

Die Kultusminister nehmen die Schüler als Geiseln, um die Bevölkerung zu erpressen […].

Michael Hochgesang, Welt und Wort, 1973, nr. 2, s. 136f

Die Schule kann ihren Stoff wohl auswählen, aber sie kann die Welt nicht nach ihren Zwecken ändern. Sie kann nicht Berge und Flüsse abschaffen, weil sie gern ihren Geographieunterricht vereinfachen möchte.

Gernot Holstein, volks­begehren „Schluß mit der Recht­schreibreform“, land Berlin, 15. 3. 1999

In das Schulgesetz für Berlin wird folgender § 19 a eingefügt: Aufgabe der Schule ist es, die in der Sprach­gemeinschaft gewachsene und von der Bevölkerung allgemein anerkannte traditionelle Rechtschreibung nachzuvollziehen und die Schüler in dieser zu unterrichten.

Und wer entscheidet, welche rechtschreibung allgemein anerkannt ist und wie weit sie wachsen darf? Natürlich der staat, wenn es ein solches gesetz gäbe. Sonst fordern die reform­gegner immer die «Entstaatlichung der Recht­schreibung».

Peter von Polenz, Geschichte der deutschen Sprache, 2009, s. VIIIf.

Das städtische Bürgertum benötigt für Handel und Gewerbe Menschen mit einer Schul­bildung, die die elementaren Kultur­techniken Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschen und keiner lateinisch fundierten klerikalen Bildung bedürfen. So überrascht es nicht, dass zunächst Pädagogen eine Einheits­sprache fordern und dann pädagogisch motivierte Grammatiker zu dieser Einheitssprache führen. Damit ist die ‹neuhoch­deutsche› Periode erreicht, in der das Deutsche […] eine außerordentlich kunst- und ausdrucksvolle Literatur­sprache wird.

Wilhelm Bleich, Der deutsche Schreibzopf und dessen not­wendige Beseitigung, 1900

Daß die bezeichneten Irrtümer [substantiv­grossschreibung, dehnungs­zeichen und damals die fraktur] noch immer von der Schule aus als Wahrheiten verbreitet werden, ist der eigen­tümlichen, althergebrachten Schul­verfassung zuzuschreiben, welcher gemäß, während die Vorgesetzten jedes anderen Berufes aus dem eigenen, ihnen bekannten Berufs­kreise hervor­gehen, die mit der Ueber­wachung des Unterrichts beauftragten Beamten nicht aus dem Lehrer­stande, sondern noch immer aus anderen Berufs­kreisen erwählt werden.

Astrid Knöß, Giessener Anzeiger, 26. 7. 1999

Serie zur Rechtschreibreform: Teil I

Scope, institut für markt- und meinungsforschung, Luzern, 1973

Die initiative für die kleinschreibung erwartet das publikum vor allem von den schulbehörden (49%).

Gerd Simon, Margina­lismus und Chaos-Angst (manuskript), 24. 9. 2004

Für Erwachsene sehe ich überhaupt keinen Grund, die gängige Schreibung zu reformieren. Das englische Bei­spiel zeigt, dass es auch ohne Reformen geht. Hier wäre lediglich zu monieren, dass das »Oxford Dictionary« nicht weniger dogmatisch als in Deutsch­land der »Duden« eine bestimmte Schreibung vorschreibt. Für Lernende spricht überhaupt nichts dagegen, wenn Kommis­sionen eine Recht­schreibung entwickeln, die leicht erlernbar, und für Erwachsene lesbar und verständlich ist sowie wissen­schaftlichen Prinzipien folgt.

Interessante gegenposition zum «Fetisch der Einheitlichkeit». Ein ansatz in dieser richtung ist das britische initial teaching alpha­bet.

«Die Hauptleidtragenden …»

Rudolf Hotzenköcherle, Deutschunterricht, 1955, h. 3, s. 35

Die Hauptleidtragenden sind bekanntlich die Schüler und Lehrer. Sie haben unbestreitbar den ab­schreckendsten Einblick in die Schwierigkeiten, welche die Erlernung der deutschen Orthographie auftürmt. […] Es ist schon so: gerade die Grossschreib­regeln zwingen zu einem Aufwand an Zeit und Kraft, der zu ihrem Bildungs­wert in einem durchaus un­glücklichen Verhältnis steht.

Otto von Greyerz, O mein Heimatland, 1926

Die volksschullehrer leiden am meisten von allen berufsarten unter den schikanen unserer recht­schreibung; sie haben die saure pflicht, die kinder an ein system von schreibregeln zu gewöhnen, das weder den kindlichen verstand noch die logik des reifen menschen befriedigen kann. […] Eine unendliche zeit, mühe und gute laune muss diesem hauptgötzen der recht­schreibung geopfert werden.

Karl Korn, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 5. 1959

Die armen Schulkinder? Ach, dieses wehleidige Geschrei! […] Wenn Sprache und Schrift schwer sind und schwer erlernbar, so lohnen sich Schweiß und Mühe.

Hans Messelken, Praxis Deutsch, mai 1974, s. 19

In der öffentlichkeit sollte verstärkt und immer wieder diskutiert werden, ob die gesellschaft wirklich will, dass ein viertel bis die hälfte des sprach­unterrichts durch übung der gross/klein­schreibung, der dehnung, bzw. kürzung und des /s/-lautes vertan werden soll, oder ob man sich nicht doch zu einer reform dieser drei bereiche ent­schliessen will.

« … zu einer kritischen Einstellung … befähigen»

Josef Kraus, Frankfurter All­gemeine Sonntags­zeitung, 6. 8. 2000

Wenn sich bei Schülern die Vorstellung breitmacht, das, was mir der Lehrer beibringt, ist nicht un­umstritten, dann wird sich auch die Einstellung festsetzen, man könne die Schreibung ein bißchen locker handhaben. Das ist das Ende einer exakten Diktat­benotung.

Unser standpunkt: Bei allen schülern muss sich die vorstellung breitmachen, alles, was mir der lehrer beibringt, ist nicht un­umstritten. Das ist eine voraussetzung dafür, dass aus dem schüler ein mündiger, aufgeklärter bürger wird. Die skandalöse einstellung des deutschen lehrerverbands­präsidenten erklärt, warum die deutschen so sind, wie sie sind. Vgl. freiheit.

Bernhard Weisgerber, ver­nünftiger schreiben, 1974, s. 72

Ein apodiktisch-unkritischer rechtschreib­unterricht führt im regelfall dazu, dass auch der er­wachsene das tabu der geltenden rechtschreib­norm nicht mehr an­zutasten wagt. Insofern entscheidet schon die art der vermittlung der recht­schreibung in der schule über die chancen künftiger reformen. Dabei lässt sich durchaus ein rechtschreib­unterricht denken und praktizieren, der die vermittlung und sicherung der recht­schreibung mit ihrer kritischen reflexion verbindet.

Leo Weisgerber, Die Ver­antwortung für die Schrift, 1964, s. 168f.

Dieselbe Schule, die den Unmündigen die Diktatur der Schrift zu einem Grunderlebnis der ersten Schuljahre macht (und bei dem jetzigen Zustand unserer Rechtschreibung machen muß), müßte den mündig Gewordenen mit gleichem Nachdruck einprägen, daß Schrift und Rechtschreibung keine vorgegebenen Heilig­tümer sind, sondern geschichtliche Setzungen, denen der Mensch ausreichende Verbindlichkeit, aber ebenso ausreichende Abwandlungs­fähigkeit zuteilen muß.

Hessische rahmenrichtlinien sekundarstufe I deutsch, 1972

Durch die Einsicht in die historische Bedingtheit der Orthographie soll der Rechtschreib­unterricht den Schüler auch zu einer kritischen Einstellung gegen­über der Rechtschreibung befähigen.

John Ruskin, Time And Tide, p. 108

Never teach a child anything of which you are not yourself sure; and, above all, if you feel anxious to force anything into its mind in tender years – that the virtue of youth and early association may fasten it there – be sure it is no lie which you thus sanctify … Better that it should be ignorant of a thousand truths than have consecrated in its heart a single lie.

Die neuregelung von 1996

Uwe Schlicht, Tagesspiegel, 16. 8. 2000

Leichtere Silbentrennung, weniger Fehler. Lehrer berichten über Erfahrungen mit der neuen Orthographie in Brandenburg.

Reinhard Markner, Magde­burger Volksstimme, 16. 12. 2010

Eine empirische Überprüfung der Auswirkungen der Reform auf die Leistungen der Schüler hat es bisher nicht gegeben und wird es wohl auch nie geben, weil sie unerwünschte Resultate erbringen würde. Die Reform hat, anders als von ihren Urhebern verheißen, nur zu mehr Fehlern geführt.

Melania Botica, Focus-Schule Online, 10. 5. 2011

Die Orthografie von Schülern ist so schlecht wie noch nie, klagen viele Sprach­didaktiker. […] Diese Entwicklung beruht Bildungs­forschern zufolge jedoch nicht gänzlich auf der Rechtschreib­reform.

Eher gänzlich nicht, wie ein blick über die sprachgrenze zeigt (Südostschweiz, 4. 5. 2011).

teachersnews.net, 31. 7. 2011

VBE zur jüngsten Focus-Umfrage: Neue Rechtschreibung ist an den Schulen kein Aufreger mehr.

Volker Kitz, faz.net, 23. 7. 2017

Sexualkunde in Schulen: Was Kinder lernen sollten.