Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenstichwort → vokalquantität
nachgeführt 24. 9. 2016

vokalquantität

Ortografische kennzeichnung der vokallänge (kürze, dehnung).

zitat

Leo Weisgerber, Die Ver­antwortung für die Schrift, 1964, s. 162f.

Die hauptsächlichen „Dehnungszeichen“ (h und e in ie) haben bekanntlich wenig zu tun mit einem Primär­wert „Kenn­zeichnung der Dauer der Vokale“, sondern gehen auf Aus­weitungen von Einzel­fällen zurück, in denen lautliche Ver­änderungen den Laut­bezug einzelner Buch­staben modifiziert hatten. Es handelt sich also um typische Sekundär­werte. Nun könnte man sagen, daß diese neue Funktion als wertvoll anerkannt werden könne. Damit käme ein Sachwert ins Spiel, der durch­aus positiv spräche, wenn er nicht mit dreierlei erkauft wäre: 1. diese Dehnungs­zeichen sind einer der folgen­schwersten Einbrüche von Sekundär­wirkungen in das Grund­prinzip unserer Schrift, die immerhin eine Buchstaben­schrift sein sollte; 2. mit den beiden Zufalls­dehnzeichen ist seit Jahr­hunderten der Weg versperrt, der zu einer unserer Schrift angemessenen aus­reichenden Kenn­zeichnung der Vokal­quantitäten hätte führen können; 3. darüber sind diesen ursprünglich funktionslos gewordenen Buch­staben so viele Traditions­werte zugewachsen, daß, los­gelöst von allen Primär- und Sekundär­werten, die Vor­stellung, daß an diesem Tertiär­gebrauch sich etwas ändern könne, für einen großen Teil der Schreib­gemeinschaft ein emotionales Zentrum ersten Ranges geworden ist.

verweis

de.wikipedia.org/wiki/Vokalquantität