Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenziele → eigennamengrossschreibung: begründung
2016-12-5

Sinnvolle statt grammatikalische grossschreibung:

eigennamengrossschreibung

= substantivkleinschreibung, gemässigte kleinschreibung

Gross geschrieben werden die satzanfänge, die eigennamen und die höflichkeitsfürwörter der dritten person.

Für einzelheiten siehe regeln

Das ist der ursprüngliche brauch, und so gilt es in allen sprachen, die unsere oder eine ähnliche schrift verwenden.


Ronald Lötzsch, sprach­wissenschafter, 1997

Die mit dem »grammatischen Prinzip« motivierte Groß­schreibung der Substantive ist ein Anachro­nismus sonder­gleichen.

Wilhelm Bleich, 1900

Daß ohne irgend einen Nachtheil der Gebrauch, alle Dingwörter mit einem großen Anfangsbuchstaben zu schreiben, unter­bleiben kann, erweist der Schrift­gebrauch aller anderen europäischen Völker, welche, wie bis zu 16. Jahrhundert auch das deutsche Volk, außer den Eigen­namen nur das erste Wort am Anfange eines Lese­stückes und nach einem Punkte durch einen großen Anfangs­buchstaben zu dem Zwecke hervorheben, dem Lesenden den Ueber­blick zu erleichtern.

W.-F. Schubert, 1817

Die gewohnheit, die hauptwörter mit grossen anfangsbuchstaben zu schreiben, hat gar keinen grund in der sprache selbst und beruht so wenig auf einer all­gemeinen sicheren regel, dass wir in vielen fällen gar nicht wissen, wie wir schreiben sollen.

Leo Weisgerber, sprach­wissenschafter, 1974

Eigennamen gehören nicht in derselben weise zum bestand einer bestimmten sprache wie wörter; es ist also zweck­mässig, sie im zuge des geschriebenen zu signalisieren, und dafür sind grosse anfangs­buchstaben ein geeignetes mittel.

Heinrich Böll, deutscher schriftsteller, 1973

Eine sprache verliert weder an informationswert noch poesie, wenn sie — wie die englische und die dänische — von der gross- zur klein­schreibung übergeht.

H. C. Artmann, öster­reichischer schriftsteller, 1999

die kleinschreibung ist viel sinnlicher.

Andrea Zogg, schweizer schauspieler und regisseur, 2010

substantive gehören vom sockel gestossen und eingereiht, um material und geist in ein neues gleichgewicht zu bringen. nebenbei: auch elfriede jelinek setzt sich für die gleich­wertigkeit aller wort­arten ein. gegner der idee behaupten zwar, dann wisse keiner mehr, warum spinnen spinnen, was die sucht sucht oder wie man dichter dichtet. aber wäre es nicht ein neuer interpretations­spielraum für verkrustete gebrauchs­texte? schliesslich haben schon die lieben genossen die liebe genossen und mit konsequenter klein­schreibung helfen wir auch den armen vögeln. es ist also ökologisch, sich mit brüsten zu brüsten.

Lukas Hartmann, Neue Zürcher Zeitung, 16. 8. 2004

Natürlich ist dies eine halb­herzige Reform; natürlich hätte man ent­schieden weiter gehen und zum Beispiel die gemässigte Klein­schreibung ein­führen müssen.

Wie bisher: im zweifelsfall klein.

Im weiteren gilt: ph → f, th → t, rh → r


Die eigennamengrossschreibung

Radikale kleinschreibung oder eigennamengrossschreibung?